Mehr Unterstützung für Jungen als Opfer von Gewalt
Fachkongress in Paderborn zeigt neue Wege auf
Was ist die besondere Problematik in der Beratung von Jungen als Opfer von Gewalt? Dieser Frage gingen fast dreißig pädagogische Fachkräfte aus Paderborn und Umgebung in dem Seminar „Gelingende Beratung von Jungen“ nach, das vom Kinderbüro der Stadt Paderborn organisiert wurde. Rolf Tiemann vom Bremer Jungenbüro berichtete von seinen hautnahen Praxis-Erfahrungen als Berater von Jungen, denen sexuelle oder körperliche Gewalt widerfahren ist. „Zum einen ist im Selbstbild von Jungen und Männern die ,Opferrolle‘ nicht vorgesehen“, erklärt Pädagoge Tiemann und nennt sogleich das zweite Hauptproblem, das es für Jungen so schwierig macht, mit ihrer Situation umzugehen: „Die Vorstellung, solch gewaltige Probleme alleine bewältigen zu müssen, ist immer noch weit verbreitet. Dies steht den Jungen einfach oft im Weg, sich Hilfe zu holen.“ Ein besonderes Problem sahen die teilnehmenden Fachkräfte insbesondere darin, dass es bisher keine gezielte Anlaufmöglichkeit für von Gewalt betroffene Jungen gibt. Die vorhandenen Beratungsstellen sind zwar in der Lage, Jungen zu unterstützen – in ihrer Außendarstellung thematisieren sie aber zumeist die Problematik aus Sicht von Mädchen und Frauen oder als Erziehungsberatung. „Jungen benötigen das klare Signal: Hier bist Du willkommen und sicher. Wir kennen Dein Problem und können Dir helfen und vor allem: Du bist nicht allein, es geht vielen Jungen so“, weiß Pädagoge Rolf Tiemann um die Wichtigkeit einer ersichtlichen Anlaufstelle. Genau hier wollen die Teilnehmer des Fachkongresses konkret ansetzen. Im Forum Jungenarbeit Paderborn soll in den kommenden Monaten ein „jungengerechter Informationsflyer über Hilfsangebote entwickelt werden“, blickt Arnd Voss-Reichmann vom Kinderbüro der Stadt in die Zukunft. Diese spezielle Beratungshilfe soll die Hemmschwelle zur Hilfeannahme radikal senken und bereits erste Anlaufstellen aufführen. Darüber hinaus sollen bestehende Einrichtungen künftig besser vernetzt sowie für die Jungenproblematik sensibilisiert werden. Als langfristiges Ziel formulierten die Fachkräfte die Gründung einer eigenständigen Jungenberatung mit eigens ausgebildetem Fachpersonal. „Immer noch wird zu oft ausgeblendet, dass auch Jungen häufig Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt sind“, macht Tiemann auf die akute Dringlichkeit aufmerksam. Mehr Informationen zu dem Thema sowie zur weiteren Entwicklung von Beratungsangeboten gibt es bei Arnd Voss-Reichmann unter 05251-88 1567 oder auf der Internetseite der Stadt Paderborn.