Dankbarkeit ist keine politische Kategorie
Stipendiaten des Studienfonds OWL fragten den Bürgermeister
Wie kamen Sie zur Politik? Passen Juristen besonders gut ins politische Geschäft? Was motiviert Sie, sich für Ihre Stadt zu engagieren? Nur drei von vielen Fragen, die 15 Stipendiaten des Studienfonds OWL an Bürgermeister Heinz Paus richteten. Mehr als zwei Stunden hatte sich das Stadtoberhaupt für den Politik-Talk mit den Studierenden Zeit genommen. Nach einem kurzen Rundgang durch das Paderborner Rathaus stand zunächst einmal der politische Werdegang von Heinz Paus im Mittelpunkt. Während seiner Studienzeit in Münster habe er bei Demonstrationen mitgemacht und sei so zur Politik gekommen. 1980 habe er erstmalig für den Landtag kandidiert und sei überraschend gewählt worden. Danach sei er fast 20 Jahre in der Landespolitik tätig gewesen. 1999 sei er zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister Paderborns gewählt worden, obwohl er eigentlich beschlossen hatte, sich aus der Politik zurückzuziehen und sich ausschließlich seinem Beruf als Anwalt und Notar zu widmen. 2004 und 2009 wurde Heinz Paus als Bürgermeister wiedergewählt. Es sei etwas dran, dass viele Juristen in die Politik drängen, so Paus. Im Tagesgeschäft eines Bürgermeisters kommt viel Juristerei vor. Wenn wie jetzt über die Rekommunalisierung von E.ON Westfalen Weser oder die Übernahme des Pader-Sprinters durch die Stadt Paderborn verhandelt werde, komme ihm seine Ausbildung als Fachanwalt für Verwaltungsrecht schon zugute, sagte er vor der interessierten Zuhörerschaft im kleinen Saal des Paderborner Rathauses. Ob das politische Geschäft im Landtag leichter sei als das eines hauptamtlichen Bürgermeisters, wollte eine Studentin wissen. Die gestalterischen Möglichkeiten als Bürgermeister seien größer, so Paus. Er denke an die positive Resonanz auf Großprojekte wie den Neubau des Theaters oder des Stadions, die dann auch immer wieder Kraft geben, um sich neu zu motivieren. Dass im politischen Tagesgeschäft das eine oder andere ausgehalten werden müsse, gehöre zum Alltag. "Dankbarkeit ist keine politische Kategorie", fasste Heinz Paus seine Erfahrungen zusammen. Als problematisch stellte der Bürgermeister die finanzielle Situation der Kommunen dar. Wenn immer mehr Aufgaben seitens des Bundes und des Landes auf die Stadt übertragen und dafür nicht die entsprechenden finanziellen Mittel bereitgestellt würden, könne das auf Dauer nicht gut gehen. Eine Schieflage, wie sie sich jetzt darstelle, lasse sich deshalb nicht verhindern, obwohl die Stadt Paderborn über Jahre ordentlich gewirtschaftet habe. Ob er in der Kommunalpolitik auch Politikverdrossenheit wahrnehme, wollte ein Fragesteller wissen. Es gebe sicherlich Tendenzen, doch die unmittelbare Mitbestimmung bei Vorhaben, die in der Stadt anstehen, motiviere noch immer mehr Menschen als bei bundespolitischen Themen. Abschließend dankte der Bürgermeister für eine spannende Runde. "Ich würde mich freuen, wenn Paderborn in Ihren Zukunftsplänen eine Rolle spielen würde", machte er bei den künftigen Akademikern Werbung für seine Stadt.