„Networking in Paderborn. Frauen knüpfen Kontakte“

6. Politisches Frauenfrühstück der Gleichstellungsstelle

Das nunmehr bereits 6. Politische Frauenfrühstück der Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn brachte das Rathaus an seine räumlichen Grenzen. Mit 150 Besucherinnen hatten die Organisatorinnen bei der diesjährigen Veranstaltung einen Rekord zu verzeichnen. „Networking in Paderborn. Frauen knüpfen Kontakte“ lautete der Titel des diesjährigen Frühstücks. Auch die Möglichkeit, das Netzwerken vor Ort selbst auszuprobieren, war geboten: Die Vertreterinnen zahlreicher bereits bestehender Netzwerke, Gruppen und Institutionen luden zum Dialog ein. Gastrednerin Dr. Anja Iseke, Junior-Professorin von der Faculty of Business Administration and Economics der Universität Paderborn, beleuchtete das Thema mit einem Impulsreferat. „Was ist das eigentlich: Netzwerken?“ regte Dagmar Drüke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, in ihren Eröffnungsworten an, sich einmal selbst Gedanken zu einem Schlagwort zu machen, das allein bei der Internetsuchmaschine Google 60.000 Treffer auslöst: Sind wir nicht alle in vielfachen Netzwerken verankert, auch, wenn uns das gar nicht bewusst ist: Die Kolleginnen im Büro, die Damen am Stammtisch, die Freundinnen beim Joggen? Aber, und hier schlug Drüke den Bogen zu der Frage nach dem Unterschied zwischen Mann und Frau: „Wo wären viele Männer ohne die berühmten Seilschaften, ohne Schützenverein oder andere Zusammenschlüsse, in denen sie sich vernetzen? Warum hapert es hier bei den Frauen? Tun sich Frauen schwer mit dem Netzwerken oder sieht das nur so aus, weil sie die Netze eher im Verborgenen knüpfen?“ Fragen, die Jun.-Prof. Dr. Anja Iseke gern aufgriff und in einem überaus vielschichtigen Vortrag näher beleuchtete. Iseke, die zum Thema „Sozialkapitalbildung in Organisationen“ promoviert hat und derzeit als Juniorprofessorin für Organisational Behavior an der Universität Paderborn lehrt, beschäftigt sich seit langem mit sozialen Netzwerken und dem so genannten sozialen Kapital. Sie veranschaulichte zwei unterschiedliche Konstellationen von Netzwerken, die Sozialkapital fördern, nämlich einerseits die so genannten dichten und andererseits die losen Netzwerke. „Schüler“, so Iseke, „die in dichten inner- und außerfamiliären Netzwerken aufwachsen, in denen jeder jeden kennt, brechen seltener die Schule ab.“ Der Vorteil dichter Netzwerke liege unter anderem in der intensiveren Unterstützung, dem besseren Informationsaustausch und dem größeren Vertrauen und Verständnis, das den in ihnen Verankerten entgegen gebracht werde und das sie stütze. Aber auch lockere, lose, weitverzweigte Netzwerke, in denen sich nicht jeder kennt, haben laut Iseke ihre Vorteile und können beispielsweise bei der Jobsuche sehr hilfreich sein, denn sie ermöglichen Zugang zu Personen, die über ein anderes Wissen und damit unterschiedliche Informationen verfügen als der Suchende selbst. So bringt er Dinge in Erfahrung, die ihm ein dichtes Netzwerk aus ihm nahestehenden Menschen mit ähnlichem Wissen nicht ermöglicht hätte. Aufschlussreich waren auch ihre Ausführungen zum Thema „Frauen und Netzwerke“: Eine Studie zeige, dass Frauen in Unternehmen eher Kontakte zu weiblichen Kollegen aufbauen. Da jedoch „Frauen immer noch eher selten die Entscheidungsträger“ seien, nütze ihnen das zu den Kolleginnen geknüpfte Netzwerk - auf die Karriere bezogen - wenig. Interessant sei ebenfalls die Tatsache, dass „Frauen beruflich weniger von losen Netzwerken profitieren als Männer.“ Damit Frauen sich erfolgreicher vernetzen rät Iseke zu einer „Balance zwischen engen Kontakten und losen Beziehungen.“