Paderborner Bürgerverein lädt zum Tag der Deutschen Einheit

Ehemaliger Bundesminister Seiters im Goldenen Buch

© Stadt Paderborn

„Wer die Leistungen der Politik der Wende würdigen möchte, sollte nicht nur an das Erreichte, sondern auch an verhinderte Fehler denken“ – erklärte der Innenminister der Wiedervereinigung, Dr. Rudolf Seiters, und machte den 140 Anwesenden auch deutlich, dass es aufgrund der schwierigen Ausgangslage „ein Wunder“ sei, den Wiedervereinigungsvertrag in dem Tempo über die Bühne gebracht zu haben. Der vom Paderborner Bürgerverein mit seinem Vorsitzenden Dr. Rudolf Wansleben anlässlich des Empfangs zum Deutschen Nationalfeiertag geladene Festredner sorgte neben seinem faszinierenden historischen Einblick zugleich auch für den 100. Jubiläumseintrag im Goldenen Buch der Stadt. Dass jemand im Historischen Rathaus der Paderstadt tiefe Einblicke in politische Abläufe der deutschen Wiedervereinigung gibt, jemand der von der Zeit einmal als „Mitgestalter, Koordinator und Administrator der Deutschlandpolitik der Wendezeit“ betitelt wurde, das kommt sicherlich nicht alle Tage vor. So sorgte der amtierende Präsident des Deutschen Roten Kreuzes Seiters mit seinen Ausführungen für gespitzte Ohren. Der Nervenkitzel der politisch hochbrisanten Phase schimmerte durch jedes seiner konventionell und schlicht vorgetragenen Worte. Insbesondere als er erklärte, wie er mit dem damaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher in einem „Schlüsselmoment der Wiedervereinigung“ am 30. September auf dem Balkon der Deutschen Botschaft in Prag stand, und der Außenminister den über 5.000 Flüchtlingen das Glück der Ausreisemöglichkeit mitteilte. Das war eines der wichtigsten Vorereignisse, die zum Fall der Berliner Mauer führten, erklärte Seiters. Er schilderte, wie er den „schleichenden Autoritätsverlust der DDR-Regierung“ mitverfolgen konnte und, dass für ihn „die Politik der schnellen Wiedervereinigung ohne funktionierende Alternative“ blieb. Der NATO-Doppelbeschluss sei „eine wichtige Voraussetzung zur Wiedervereinigung“ gewesen. Fragen wie: „Welche Lehren können aus dem Ereignis gezogen werden? Hätte man mit der Einleitung der Wende doch warten sollen?“ offenbarten aber auch seine selbstkritische Haltung. „Wir können stolz sein, haben aber auch Glück gehabt, dass die getroffenen Entscheidungen funktionierten,“ ergänzte Seiters letztendlich. Bürgermeister Heinz Paus, der auch das Grußwort an dem Abend sprach, machte deutlich, dass diese Generation verpflichtet sei, immer wieder an das Ereignis der Wiedervereinigung zu erinnern. Der 9. November sei für ihn eines der bezeichnendsten Ereignisse seines Lebens. Er bedankte sich zudem herzlich beim Paderborner Bürgerverein für die Gestaltung des feierlichen Empfangs.