Wenn das Grundwasser kühlt und wärmt
Stadt Paderborn erhielt in Berlin Preis für einzigartiges Energie-Projekt
Berlin/Ehrung von höchster Stelle. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat in einer Feierstunde die Stadt Paderborn ausgezeichnet. Aus den Händen des Staatssekretärs Rainer Bomba konnte Dr. Frank Becker, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Grünflächen der Stadt Paderborn, den nationalen Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur 2012 „Stadt bauen. Stadt leben“ entgegennehmen. Mit dabei waren auch Angelika Schomberg, Leiterin der Kommunikation, und Kommunalberater Peter Grote, beide von E.ON Westfalen Weser. Die Stadt Paderborn gehört damit zu den 30 Preisträgern, die in vier unterschiedlichen Kategorien mit einer Urkunde ausgezeichnet wurden. Insgesamt waren 194 Wettbewerbsbeiträge aus 127 Städten und Gemeinden sowie 15 Bundesländern eingegangen. Grund für die Paderborner Auszeichnung ist ein einzigartiges Projekt, bei dem es um die energetische Nutzung von Grundwasser in der Paderborner Innenstadt geht. Das heimische Energieunternehmen (bzw. die Vorgängerunternehmen PESAG und Stadtwerke) hatten vor 20 Jahren begonnen, Grundwasser für die umweltschonende und energiesparende Kühlung von Gebäudekomplexen zu nutzen. Inzwischen liefert die natürliche Ressource Kälte und Wärme für insgesamt 20 große Gebäude mitten in der Stadt. Paderborns spezifische hydrogeologische Situation hatte schon seit dem Mittelalter dazu geführt, das reichlich vorhandene Wasser in unterschiedlicher Form vom Mühlenbetrieb bis zur Wasserkunst intensiv zu nutzen. Die moderne Verwendung des Grundwassers zur regenerativen Gewinnung von Kälte und Wärme ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie natürliche Ressourcen und vorhandene Rahmenbedingungen für die nachhaltige ökologische Stadtentwicklung im Zentrum Paderborns genutzt werden können. Mit vielen Beteiligten wurde im Konsens eines der ungewöhnlichsten und interessantesten Projekte im Bereich regenerativer Energien in Deutschland entwickelt. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1992 wurden rund 20 Millionen Kilowattstunden Kälteenergie an die Kunden geliefert. Seit dem Start wurden durch diese umweltschonende Technik rund acht Millionen Kilowattstunden Energie eingespart, was einer CO2-Reduktion von rund 5.100 Tonnen entspricht. Die Stadt Paderborn und der Kreis Paderborn haben von Beginn an alle Bestrebungen zur Nutzung des Grundwassers auf allen institutionellen Ebenen in hohem Maße unterstützt. Das Grundwasser selbst wird zum Teil von der Stadt Paderborn dem jeweiligen Betreiber zur Verfügung gestellt. Die E.ON Westfalen Weser AG als regionaler Energiedienstleister hatte vom ersten Projekt an maßgeblich die Planung, Durchführung und Inbetriebnahme der einzelnen Projekte realisiert oder begleitet. Unter anderem ist die gesamte Regel- und Messtechnik auf der Leitstelle des Unternehmens ganzjährig aufgeschaltet. Die Gebäudeeigentümer und -nutzer sind Mitinitiatoren, Träger der Gesamtidee und gemeinsam mit ihren Kunden Nutznießer dieses einmaligen Projekts. Meilensteine der Geschichte des Projektes 1992 Die Nutzung des Grundwassers startet fernab des öffentlichen Interesses. Beginn mit dem Neubau der AOK-Geschäftsstelle und dem Modehaus Sittig. Ansatz der AOK und Sittig: Ökologisches Bauen und rationelle Energieverwendung zur Senkung der Betriebskosten und Investitionen. Kühlung der Gebäude mit oberflächennahem Grundwasser, das zur Niveauregulierung im Bereich der Tiefgarage Königsplatz abgepumpt und der Pader - teilweise über offene Wasserläufe in der König- und Marienstraße - zugeführt wird. Errichtung einer Pumpenstation in der Tiefgarage und Verlegung von Versorgungsleitungen. 1996 - 1998 Eine Idee setzt sich durch: Anbindung von weiteren Gebäuden. Erstellung von Brunnenanlagen im Bereich des Rathaus- und Marienplatzes und Endmontage der notwendigen Kühlwasserleitungen. Anbindung des Modehauses Kleine, Rathaus, Ratskeller und der Kammerspiele. Anschluss der Modehäuser Dany und Klingenthal an den Kühlkreislauf Tiefgarage. Anschluss der Sparkasse und Bäckerei Lange an den Kühlkreislauf Rathausplatz. Verlegung der übergeordneten Rohrtrasse in der Westernstraße im Rahmen der Oberflächensanierung (PPP = public private partnership) und Verbindung der Kühlkreisläufe I und II. Anbindung von Multistore (ehemals Kaufhalle), Filiale Volksbank (Kinopassage) und Filmtheaterbetrieb Renneke. 2004 Die Kühlwassermengen werden verdoppelt. Anbindung der Bank für Kirche und Caritas. Erhöhung der Kühlleistung Thalia (ehemals Multistore). Bau eines neuen Schluckbrunnens „Am Kamp“ und Umwandeln des Schluckbrunnens „Marienplatz“ in einen Förderbrunnen, um die Kühlwassermengen zu verdoppeln. 2009-2011 Eine neue Dimension: Das Kühlnetz bekommt eine Wärmepartnerin. Beim Modehaus Sittig soll das Kühlwasser erstmals auch zur Beheizung der Gebäude verwendet werden. Anbindung des neuen Bürogebäudes der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold im Kötterhagen, des neuen Theaters und der Volksbank Schildern an das Kühlwassernetz Rathausplatz. Das Wasser wird dort zum Kühlen und im Winter auch zum Heizen verwendet.