Von Gott und Gesellschaft
Priesterseminaristen aus Osteuropa zu Besuch in Paderborn
Einst hat der kommunistische Ostblock die Grundfesten des dortigen Christentums zerüttet. Auch heute, lange nach dem Zerfall der Sowjetunion, liegen die angerichteten Schäden noch offen zu Auge. Besonders die Wunden zwischen Kirche und den öffentlichen Institutionen sind noch nicht verheilt. Deshalb haben sich 23 osteuropäische Priesteramtsanwärter auf den Weg nach Ostwestfalen gemacht. Sie stammen aus Polen, Kroatien, Bosnien, Lettland, Rumänien und der Ukraine. Zusammen mit dem Sozialinstitut des Erzbistums von Paderborn lernen sie in einer Sommerakademie elementare Facetten der Zusammenarbeit von Kirche, Stadt und Gesellschaft kennen. Dafür ist Paderborn eine prädestiniertes Ziel, denn hier funktionieren Politik und Kirche Hand in Hand. "Die Gruppe war vollkommen erstaunt, als sie nach dem Gottesdienst aus dem Dom trat und dort auf dem Marktplatz kein buntes Treiben vorfand", berichtet Robert Kläsener, Assistent des Direktors des Sozialinstituts, Prälat Dr. Peter Klasvogt. "Das ist hier eine Selbstverständlichkeit", entgegnet Dietrich Honervogt, stellvertretender Bürgermeister von Paderborn, der die Seminarteilnehmer am Donnerstag im Rathaus begrüßte. Das weltliche Treiben nähme Rücksicht auf den christlichen Ursprung des Libori-Festes. Das sei Grundvoraussetzung für alle Marktstandbesitzer und fast jeder Paderborner hieße die Maßgabe ebenfalls gut. Das Priesterseminar dauert insgesamt vier Wochen, von denen drei in Paderborn und Umgebung stattfinden. Die einzelnen Tage gliedern sich jeweils in einen theoretischen und einen praktischen Teil. So war die Gruppe bereits bei der Caritas, dem Brüderkrankenhaus, dem Textilunternehmen Klingenthal und auf dem Libori-Fest zu Gast. "Wertvolle Erfahrungen für die jungen Seminaristen", fasst Kläsener die Besuche zusammen. Die Sommerakademie findet in Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät und dem Erzbistum Paderborn statt. Unter dem Motto "Europa eine Seele geben" wird ein staatsübergreifend kooperierendes, modernes Christentum angestrebt.