Der Brückenbauer geht

Rudolf Kirchhoff von der Paderborner Stadtverwaltung nun im Ruhestand

© Stadt Paderborn

Er kennt fast jede der 280 Brücken in der Stadt. Auf dem etwa 550 Kilometer langen Paderborner Straßennetz hat er sich Jahre lang wie zu Hause gefühlt. Es war sein Job, sich um die Brücken und Straßen zu kümmern. Wenn er darüber spricht, merkt man, dass es für ihn weniger Pflicht als vielmehr Kür war. Wenn Rudolf Kirchhoff am 28. September nach mehr als 36 Jahren von der Brücke der Stadtverwaltung geht, dann geht er ohne Wehmut und nimmt sein gesammeltes Brücken- und Straßenwissen mit in den Ruhestand. Der Mann, dem die Theorie nie richtig Spaß machte, der sich in der Praxis, im Gespräch mit den Menschen so richtig wohl fühlte, hatte am 1. Oktober 1976 im damaligen Tiefbauamt der Stadtverwaltung begonnen. Er sei kein gebürtiger Paderborner, aber er fühle sich wie einer, sagt er und verweist darauf, dass er von seiner Geburtsstadt Höxter Anfang der fünfziger Jahre nach Paderborn gekommen sei. In Höxter hatte er seinen Diplom-Ingenieur im Verkehrswesen gemacht und danach drei Jahre beim Landschaftsverband Rheinland in Köln gearbeitet. Als Paderborn dann einen Ingenieur für Straßenbau als Bauleiter suchte, kam ihm das gerade recht. Denn unter dem damaligen und inzwischen verstorbenen Tiefbauamtsleiter Josef Rensing und dem ebenfalls bereits verstorbenen Beigeordneten Wolf Köster konnte der Mann der Praxis aufblühen auch weil er eigenverantwortlich arbeiten konnte. Weniger Pläne prüfen, mehr draußen sein, Probleme sehen, anpacken und lösen – das war und ist sein Motto. Und Rudolf Kirchhoff mangelte es nicht an Aufgaben. Seinen ersten Gehweg habe er in der Residenzstraße in Schloß Neuhaus erneuert, erinnert er sich bestens. Auch in der Gartenstadt in Sennelager und im damaligen Neubaugebiet in Elsen rund um die Van-Galen-Straße habe man gut zu tun gehabt. Anfang der 80ziger Jahre übernahm er die Leitung der Straßen- und Brückenunterhaltung und dirigierte etwa 50 Mitarbeiter. „Es ist schon interessant, dass Kollegen, die ich ausgebildet habe, heute bei uns als Bauleiter unterwegs sind. Da merkt man, wie die Zeit vergeht“, blickt Kirchhoff zurück. Dabei erinnert er sich auch an weniger schöne Dinge. Die Liethbrücke zum Beispiel, deren Sanierung deutlich teurer wurde als geplant, weil bei der Errichtung nicht so gebaut wurde wie vorgesehen. Oder auch der Neubau der Brücke am Haxtergrund. Mit allen Beteiligten waren die Einzelheiten dazu abgesprochen, doch Ärger gab es trotzdem, weil angeblich keiner ausreichend informiert war. So etwas bringt ihn auf die Palme, weil nicht fair miteinander umgegangen wird. Mit Schmunzeln nimmt er hingegen zur Kenntnis, dass viele immer noch vom Teeren sprechen, wenn Straßen asphaltiert werden. „Das mit dem Teer ist zum Glück für die Gesundheit schon lange vorbei“, erzählt er dann immer denen, die es immer noch nicht begriffen haben. Neben seinem Beruf schlug das Herz von Rudi Kirchhoff viele Jahre lang für das Komitee Europatag, das das zweite Libori-Wochenende mit dem Europazug vorbereitete. Der Kontakt zu den Partnerstädten bei dieser ehrenamtlichen Aufgabe habe ihn immer gereizt, sagt er und fühlt sich in dieser Funktion auch als eine Art Brückenbauer. Es sei eine schöne Zeit gewesen mit Tribünen für den Europazug an der Friedrichstraße, dem Schubkarrenrennen im Inselbadstadion und der Funkleitzentrale im Rathaus, die den reibungslosen Ablauf des Europazuges sicherstellen sollte. Das ist vorbei. Oder vielleicht doch noch nicht ganz? Die Partnerstädte könnten für Rudolf Kirchhoff und seine Frau Ilsedore in Zukunft doch noch mal in den Fokus kommen. Denn Reisen wollen die Kirchhoffs und was liegt da näher als auch mal den einen oder anderen alten Bekannten aus den vergangenen Zeiten zu besuchen. Und wenn dann noch die eigene Frau ein Reisebüro hat, kann ja kaum noch etwas passieren. Auch ums Haus und den Garten wolle er sich künftig verstärkt kümmern, da sei einiges liegengeblieben. Wenn man Rudolf Kirchhoff so hört, scheint der jetzt beginnende Ruhestand seinen Namen kaum zu verdienen. Wen wundert das, bei einem Menschen, der ein Leben lang Freude hatte an seiner Arbeit und für den das Brückenbauen weniger Pflicht als vielmehr Kür war.