Eine lebendige Gesellschaft

Deutsch-Russische Gesellschaft Paderborn feierte zehnjähriges Bestehen

© Stadt PaderbornDeutsch-Russische Gesellschaft-10 Jahre, Jens Reinhardt, Paderborn

"Zehn Jahre nach der Gründung dieser Gesellschaft sind wir immer noch voneinander fasziniert, aber einander nicht mehr so fremd wie zu Beginn. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft dieser Gesellschaft und für die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen. So wünsche ich der Deutsch-Russischen Gesellschaft Paderborn, was orthodoxe Christen ihrem Bischof wünschen, wenn er sie besucht: na mnogaja leta - auf viele Jahre!" Dr. Johannes Oeldemann vom Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik brachte es auf den Punkt und sprach damit vielen der etwa 150 Anwesenden im Paderborner Rathaus aus dem Herzen. Er machte in seiner Festrede zum zehnjährigen Bestehen der Deutsch-Russischen Gesellschaft deutlich, dass Deutsche und Russen zwar einander fremd, doch auch voneinander fasziniert seien. "Wenn wir das Verhältnis von Deutschen und Russen im Laufe der Geschichte betrachten, so müssen wir feststellen, dass es oft schwankt zwischen emotionaler Begeisterung und ängstlicher Distanz, zwischen überheblicher Missachtung und übertriebener Hochschätzung. Mit einer Reihe von Beispielen aus der Geschichte machte er dies deutlich. Er stellte die christlichen Kirchen als Wegbereiter der Verständigung und Versöhnung zwischen Deutschen und Russen dar. Die theologischen Gespräche, die Stipendienprogramme, aber auch das Engagement der Kirchen im Petersburger Dialog hätten wesentlich zu einer Annährung zwischen Deutschland und Russland beigetragen.

Als Mitbegründer der Gesellschaft hatte Bürgermeister Heinz Paus die Gäste der Feierstunde im Rathaus begrüßt. Das Verhältnis zu Russland sei damals wie heute ein ganz zentrales Thema. In den zehn Jahren des Bestehens habe die Gesellschaft viel dazu beigetragen, dass sich Russen und Russlanddeutsche in Paderborn wohler fühlten. Paus dankte ausdrücklich Prof. Dr. Franz-Josef Kaiser, der von Anfang an als Präsident der Gesellschaft Vorbildliches geleistet habe. "Ich mache" sei das Motto von Prof. Kaiser in all den Jahren gewesen. Die Stadt Paderborn bemühe sich, die Voraussetzungen für eine eigene aktive Partnerschaft mit einer russischen Stadt zu schaffen, betonte der Bürgermeister mit einem Blick in die Zukunft.

Glückwünsche überbrachte auch Franz Kiesl, 1. Vorsitzender des Forums Russische Kultur aus Gütersloh. In den letzten fünf Jahren habe das Forum viele gemeinsame Veranstaltungen mit den Paderborner Freunden gemacht, so Kiesl. Er sei froh, dass es eine solch völkerverbindende Gesellschaft in Paderborn gebe. Landrat Manfred Müller bezeichnete die sich durch die Zuwanderung ergebenden Chancen als eine Bereicherung für Stadt und Kreis Paderborn. Sein Glückwunsch gelte einer Gesellschaft, die das Zusammenleben zwischen Deutschen und Russen fördere und für einen aktiven kulturellen Austausch eintrete.

Die deutsch-russischen Beziehungen zu pflegen und zu beleben und Spätaussiedler mehr noch in das gesellschaftliche Leben einzubinden, mit diesen Zielen sei man vor zehn Jahren angetreten, blickte Prof. Dr. Franz-Josef Kaiser zurück. Viele Zuwanderer seien mittlerweile in Deutschland angekommen und integriert. Doch es gebe auch noch andere Beispiele, wenn hervorragend ausgebildete Akademiker als Hilfskräfte ihr Dasein fristen müssten. Hier herrsche Isolation statt Integration, mahnte er mehr Förderprogramme an, um brachliegende Potentiale nutzen zu können. Kaiser blickte dann auf Höhepunkte der Arbeit der Gesellschaft und verwies auf viele Lesungen, das Russische Wochenende an der Uni Paderborn und den Internationalen Studierendenabend in der Kulturwerkstatt. Wichtig sei für seine Gesellschaft auch die enge Kooperation mit dem Verein "Monolith", einem Verein, der die Integration von Aussiedlern im Kreis Paderborn fördert.