Paderborns erinnert an die Deportation der Juden

Gedenkfeier und Tafelaufstellung am Bahnhof Kasseler Tor

© Stadt PaderbornInfo-Tafel-Kasseler Tor, Christina Martens, Paderborn

Es war ein Tag des Gedenkens und des Erinnerns an die Nazi-Vergangenheit Paderborns. Anlässlich des 72. Jahrestags der ersten Judendeportation in Paderborn wurde am Bahnhof Kasseler Tor eine neue Gedenktafel enthüllt. Bürgermeister Heinz Paus begrüßte neben weiteren Besuchern insbesondere Monika Schrader-Bewermeier von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die Ehrenringträgerin Dr. Margit Naarmann, die schon vor Jahren die Aufstellung der Tafel angeregt hatte, Tanja Rubens, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn und Dr. Carsten Linnemann, Mitglied des deutschen Bundestags. Anwesend waren auch die Ehrenringträger Günter Bitterberg und Josef Hackfort sowie der Bundestagsabgeordnete Burkhard Blienert.

Die erste Judendeportation fand am Bahnhof Paderborer Nordbahnhof statt, wo ebenfalls eine Gedenktafel aufgestellt wurde. Von dort aus wurden sie über Bielefeld in die Ghettos von Riga, Warschau, Theresienstadt und Auschwitz gebracht. Von den 71 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern überlebten nur neu die Todeslager.

Die Gedenktafeln erinnern an einen wichtigen und grausamen Teil der Geschichte Paderborns. Sie stünden für das „Gedenken des Nie-Wieder“, so Paus. Er lobte die Arbeit Linnemanns, der durch seine guten Kontakte bei der Deutschen Bahn für eine zügige Tafelaufstellung gesorgt hätte. Außerdem stiegen viele junge Leute an diesen Bahnhöfen ein und aus und somit geriete die Deportation nicht in Vergessenheit.

Schrader-Bewermeier berichtete über die erste Judendeportation in Paderborn und befürwortete die Aufstellung der Gedenktafeln: „Gut, dass wir heute einen Mosaikstein gegen das Vergessen einfügen konnten.“ Sie schilderte die menschenverachtenden Zustände bei den Deportationen, indem sie Betroffene zitierte. Auch Dr. Margit Naarmann sprach über die Deportation der Juden in Paderborn und sorgte so für großes Mitgefühl.

Rubens ging auf das heutige Problem des Stimmenzuwachses der NPD ein und forderte „andere Methoden der Aufklärungsarbeit.“ Ein großes Anliegen der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn sei die Gleichwertigkeit aller jüdischen Bürgerinnen und Bürger und dass sich keiner dafür schämen müsse, jüdisch zu sein. „Dieser Schritt ist eine klare Botschaft an die Gesellschaft und jüngere Generationen.“, so Rubens.

Für Linnemann war es wichtig, sich für die Aufstellung der Gedenktafeln einzusetzen: „Ich denke es ist die Verantwortung meiner Generation, die Erinnerung wach zu halten.“ Deshalb seien für ihn die Bahnhöfe gut gewählte Orte, da viele Studenten und Schüler an den Tafeln entlang gingen und daran gedenken können, „damit nie Gras drüber wächst.“