Viele Ideen für Sennelager

NRW.URBAN und die Stadt Paderborn luden zu Werkstätten ein

© Stadt PaderbornLuftbild Sennelager, Gerd Vieler

Viele Köpfe haben viele gute Ideen, sagten sich die Verantwortlichen und luden jetzt zu zwei Werkstätten ein. Dabei ging es in der Schützenhalle in Sennelager und im Paderborner Liborianum um die Umwandlung der militärisch genutzten Flächen für eine zivile Nutzung. Die landeseigene Tochter NRW.URBAN hatte gemeinsam mit der Stadt Paderborn zur lokalen Werkstatt in Sennelager neben Ratsmitgliedern der Steuerungsgruppe Konversion, Vertretern der Verwaltung sowie der Vereinen und Gruppen, die in der „Senner Runde“ organisiert sind eben ausdrücklich nicht nur!, eingeladen. In mehr als drei Stunden führte eine rege Diskussion zu vielen interessanten Gedanken und Vorschlägen. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Ortslage Sennelager mit der Normandy Barracks.

Es gab eine breite Übereinstimmung dafür, dass sich Sennelager neu erfinden und ein neues Image bekommen müsse. Der Ortskern, so die Meinung, müsse ein Stück weit in die Normandy Barracks hineinwachsen. Dabei könnte durch eine Verschwenkung der Bielefelder Straße der heutige Kern beruhigt, vergrößert und attraktiver gestaltet werden. Diese „Umgehungsstraße“ könnte dabei die neue Grenze zwischen dem wachsenden Ortskern und der „grünen“ Senne markieren. Der neue Kern von Sennelager würde damit das „Tor zur Senne“.

Für den in das Kasernengelände hinein erweiterten Ortskern wird ein unterschiedlich genutztes Quartier (Wohnen, Läden, Einrichtungen der sozialen Infrastruktur) mit Wohnangeboten für verschiedene Zielgruppen (Senioren, Mehrgenerationen, Familien) im mittleren und gehobenen Segment angedacht. Punktuell sollten auch Angebote mit architektonischem und ökologischem Modellcharakter geschaffen werden.

Es herrscht die Einschätzung, dass die Attraktivität von Sennelager mit den Angeboten an sozialer Infrastruktur steht und fällt. Allgemeine Zustimmung fand die Aussage, dass die Normandy Barracks groß genug für verschiedenste Nutzungen sind: Grün, Wohnen, Kultur, Freizeit, Gewerbe. Der gegenüber anderen Standorten einmalige grüne Charakter sollte maßgeblich zur Imagebildung der zivilen Nachnutzung genutzt werden. Eine neue gewerbliche Nutzung sollte sich an einem bestimmten Profil ausrichten, wie zum Beispiel Handwerkerhof, Forschung, etc.

Die Freiräume der Normandy Barracks sollten für die Bevölkerung geöffnet werden, war die einhellige Meinung. Die Erinnerung an die Geschichte der Kaserne und des Truppenübungsplatzes, insbesondere aber die britische Präsenz in Paderborn, kann durch ein Informationszentrum wachgehalten werden. Eines oder mehrere der denkmalgeschützten Gebäude könnten dafür und kulturelle Zwecke umgenutzt werden.

Die „Bindung“ Sennelagers an Paderborns Mitte sollte deutlich verstärkt werden. Das Bahnhofsumfeld sollte in die Ortskernentwicklung von Sennelager einbezogen werden. Zur Verbesserung der Situation ist die Verlagerung der Panzerverladung erforderlich.
Generell gilt: es gibt Sorge um eine Ghettoisierung auch in Hinblick auf die freiwerdenden Wohnungen. Hierbei wird auch das Ziel formuliert, nicht gebrauchte Wohnungen vom Markt zu nehmen. Wenn das Militär bleibt, sollte der Zaun auf jeden Fall nach Osten rücken, so der Vorschlag der Werkstatt.

Der Standort der Athlone Barracks wird als isoliert, nicht in Sennelager integriert betrachtet. Die Meinung herrscht vor, dass er künftig im Grundsatz wieder ein „grüner Standort“ werden soll. In diesem Sinne wird formuliert, dass Sport- und Freizeitanlagen weitergenutzt werden; auch gewerbliche Freizeiteinrichtungen (Reiterhof, Sporthotel, Ferienhäuser) werden als sinnvoll erachtet, insbesondere für den Fall, dass die Senne ab 2018 nicht mehr militärisch genutzt wird. Eine Weiternutzung der relativ neuen Appartementhäuser im Zusammenhang mit Freizeitnutzungen sollte geprüft werden. Gewerbliche Nutzungen, die über die Freizeitbranche hinausgehen, sollten nach vorherrschender Meinung ausgeschlossen werden.

Die regionale Dimension der Umwandlung militärischer Fläche für zivile Zwecke wurde bei der zweiten Werkstatt im Liborianum deutlich. Daran nahmen Vertreter des Ministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, der Bezirksregierung Detmold, des Kreises Paderborn und der Kommunen, der Verbände und des Eigentümers der Konversionsliegenschaften – der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben teil. Ziel war die Information der umliegenden Kommunen und der Start eines Dialogprozesses mit ihnen. Vertreter der Städte aus der Nachbarschaft machten auf die Sogwirkung der Großstadt Paderborn aufmerksam, die sich durch die freiwerdenden Wohnungen noch verstärken könnte. Von Paderborner Seite wurde dabei auf die Rolle des Oberzentrums als Motor für die regionale Entwicklung verwiesen.