Die Armut im Blick
Kinder- und Jugendbericht der Stadt Paderborn
25.679 Kinder und Jugendliche lebten Ende 2011 in Paderborn. Jeder fünfte Einwohner der Stadt ist unter 18 Jahren alt. Im Vergleich liegt der Anteil lediglich bei 16,8 Prozent. Familien mit Kindern machen ein Viertel der Paderborner Haushalte aus. All das belegt: Paderborn ist eine junge Stadt. Darum war es nur folgerichtig, dass nach 2007 jetzt ein zweiter Kinder- und Jugendbericht von der Stadt Paderborn erstellt worden ist. Diesmal stand dabei das Thema Armut im Mittelpunkt. Wie Beigeordneter Wolfgang Walter, Jugendhilfeplaner Oliver Boraucke und Statistiker Michael Wahl bei der Vorstellung des Berichts mitteilten, sind die "Lebenslagen" der Kinder, Jugendlichen und ihrer Familien beschrieben. Dabei werden die Kriterien "Demografische Entwicklung", "Entwicklung der Haushalte", "Wirtschaftliche Verhältnisse", "Bildung", "Gesundheit" und "Wohnen" benutzt. Bezogen sind die Zahlen und Fakten auf die insgesamt 15 Sozialräume in der Stadt. Die konsequente Erfassung der Daten bewirkte, nach Aussage der Autoren, schon während der Erstellung des Berichts Veränderungen. So habe sich die Vernetzung zwischen den städtischen und anderen Ansprechpartnern deutlich verbessert. Entstanden sei eine Datenmatrix, die als Grundlage für weitere Berichte genutzt werden kann. Der Bericht sagt beispielsweise, dass in der Altstadt besonders viele Ein-Eltern-Haushalte leben, die überproportional von Armut betroffen sind. In der gesamten Stadt machen alleinerziehende Haushalte ein Fünftel aus. Das ist mehr als der Landesdurchschnitt mit 16 Prozent. Auf der Lieth und dem Kaukenberg wohnen relativ wenige Alleinerziehende mit Kindern. Das ist nicht ungewöhnlich, da dort viele Familien mit Migrationshintergrund leben. Dort sind auch Familien mit drei und mehr Kindern besonders häufig. Zu den Eckpunkten des Berichts gehört die Tatsache, dass fast jeder dritte Paderborner unter 18 Jahren aus einer Familie mit Migrationshintergrund stammt. Landesweit ist der Anteil mit 36.9 Prozent wesentlich höher. Fast alle Kinder und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund haben einen deutschen Pass. Die wohl alarmierendste Zahl des Berichts ist die Quote der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren, die in einer Bedarfsgemeinschaft leben und damit staatliche Transferleistungen beziehen. 18,5 Prozent - Ende 2011 waren es exakt 3.878 Personen. Bei fast jedem fünften Kind oder Jugendlichen in Paderborn erhalten die Eltern also Sozialleistungen vom Staat. Die Gefahr von dieser Unterstützung langfristig abhängig zu werden, ist in der Altersgruppe bis 15 Jahre doppelt so hoch wie in der Paderborner Gesamtbevölkerung. Ein Arbeitskreis hat die Erstellung des Berichts begleitet. Neben Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses haben darin Vertreter des "Runden Tisches Armut" und der Paderborner Stadtverwaltung mitgearbeitet.