Die Umwandlung als Chance verstehen
Abzug der Briten und künftige Planungen waren Thema im Rathaus
Mehr als 200 Besucher, gespanntes Zuhören und viele Fragen - das große Interesse war deutlich spürbar. Die Stadt Paderborn hatte ins Rathaus eingeladen, um über den Stand des Abzugs der britischen Streitkräfte und die danach geplante Umwandlung der Flächen zu berichten. Am Tisch im großen Saal hatten dazu neben Bürgermeister Heinz Paus und dem städtischen Konversionsbeauftragten Thomas Jürgenschellert auch Bernd Grotefeld und Peter Waanders von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der britische Verbindungsoffizier Ian Grant sowie Meinolf Bertelt-Glöß und Dr. Martina Eichenauer von der NRW.Urban GmbH & Co KG Platz genommen. Die ehemalige Landesentwicklungsgesellschaft unterstützt im Auftrag des Landes NRW Städte dabei, die ehemaligen militärischen Flächen zivil zu nutzen. "Sicherlich ist die Konversion eine große Herausforderung, aber sie ist auch eine große Chance für die Stadt", stellte Bürgermeister Heinz Paus eingangs fest. Paderborn werde Berechnungen zufolge bis 2030 um neun Prozent wachsen, so dass durchaus Bedarf für die etwa 1.500 jetzt noch von den britischen Streitkräften genutzten Wohnungen außerhalb der Kasernen bestehe. Spontanen Beifall des Publikums gab es, als der Bürgermeister über die derzeit untersuchte Alternative sprach, die Paderborner Stadtverwaltung auf dem Gelände der Kaserne an der Elsener Straße unterzubringen. Thomas Jürgenschellert, Konversationsbeauftragter der Stadt betonte, dass die Ideen aller gefragt seien, wenn es darum gehe, was aus den fünf Kasernenstandorten in Paderborn künftig werden soll. Deshalb werde die Stadt eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung durchführen. So finde im September eine Werkstatt zum Thema in Sennelager statt, an der Vereine und Organisationen teilnehmen können. Die Stadt Paderborn ist derzeit dabei, Nutzungskonzepte für die Alanbrooke Kaserne an der Elsener Straße (soll bereits Ende 2016 frei werden) sowie den zivil genutzten Teil Sennelagers entlang der Bielefelder Straße zu erarbeiten. Welche Nutzungen an den einzelnen Kasernenstandorten denkbar sind, darüber informierte Meinolf Bertelt-Glöß von der NRW.Urban GmbH & Co KG. Sennelager müsse neu erfunden werden. Für die Standorte in Sennelager (Normandy/Athlone Kaserne, 281 Hektar) gebe es keine einfache Konversionslösung. Herkömmliche Erneuerungsstrategien, wie Optimierung von Wohnfolgeeinrichtungen, die Attraktivität des öffentlichen Raumes steigern oder Wohnmodernisierungen würden hier allein nicht greifen. Man dürfe sich nicht scheuen, auch Teile abzureißen, um neue Chancen zu eröffnen. Als ein mögliches Zukunftsszenario bei vollständiger Aufgabe der militärischen Nutzung nannte er für die beiden Kasernenstandorte die Entwicklung zu einem Tor zur Senne. Sollte diese jedoch weiter militärisch genutzt werden, seien hier zivile Nutzungen mit hohem städtebaulichen Standard auf den direkt an die Bielefelder Straße angrenzenden Standortflächen denkbar. Das 18 Hektar große Kasernengelände an der Elsener Straße, auf dem elf denkmalgeschützte Gebäude stehen, wird derzeit als möglicher Standort für die Paderborner Stadtverwaltung untersucht. Neben dieser Nutzung schlug Meinolf Bertelt-Glöß dort Wohnbebauung, Grünflächen, kleiner Sportanlagen sowie gastronomische Nutzungen vor. Für das 54 Hektar große Gelände an der Driburger Straße (Barker Kaserne) stellte er eine breite Palette von Nutzungen in Aussicht: kleinteiliges Gewerbegebiet, Wohn- und Einfamilienhaus-Gebiet, Einrichtungen für Jugendliche (Musik, Veranstaltungen), Grün und Sportanlagen. Für die etwa 20 Hektar große Dempsey Kaserne an der Husarenstraße in Schloß Neuhaus stellt sich NRW. Urban eine Mischnutzung von Gewerbe und Wohnen sowie eine Grünvernetzung vor.