Nur gemeinsam hat Europa eine Chance

Jürgen Fitschen hielt Festvortrag beim Libori-Mahl

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"Nur gemeinsam hat Europa eine Chance, sich politisch und wirtschaftlich in der globalen Welt zu behaupten." Diesen Appell richtete Jürgen Fitschen beim traditionellen Libori-Mahl im Paderborner Rathaus an die etwa 200 geladenen Gäste der Libori-Gilde. Fitschen, der neben Anshu Jain, einer der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank ist, stellte klar, dass dabei Deutschland eine besondere Verantwortung trägt. Zwar stehe es wirtschaftlich besser da als viele seiner Partner in Europa, aber es könne sich nicht von dem eher schwachen Umfeld abkoppeln. "Ein wachstumsstarker gemeinsamer Binnenmarkt mit einer gemeinsamen europäischen Währung bleibt ein wichtiges Sprungbrett für die deutschen Unternehmen in der Welt", erteilte der Banker den Euro-Zweiflern eine klare Absage. Man müsse alles daran setzen, Europa wirtschaftlich wieder nach vorne zu bringen. Um dies zu erreichen und den Wohlstand zu sichern, seien mehr Anleger und Investoren notwendig, die bereit sind, in Technologie und Zukunftsprojekte zu investieren. Der Finanzsektor sei - ungeachtet der gravierenden Schwierigkeiten in den einzelnen Ländern - bereit, dafür die Finanzdienstleistungen und -produkte zur Verfügung zu stellen. "Wer Wachstum will, muss Banken mögen", sagte Fitschen wörtlich. Er warnte vor überzogenen Regulierungsanforderungen an die europäischen Banken, die diese im internationalen Wettbewerb schwächten. Für Deutschland sei das Finanzierungsumfeld gerade im europäischen Vergleich sehr erfreulich. Es stehe ausreichend Kredit zur Verfügung, damit die Unternehmen alle Investitionen tätigen könnten, die zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit und dem Ausbau der Geschäftsaktivitäten erforderlich seien. Als wichtigstes Gut einer Bank bezeichnete der 64jährige das Vertrauen. Der Finanzsektor müsse verlorenes Vertrauen zurückgewinnen, stellte er als eine aktuelle Hauptaufgabe heraus. Zuvor hatte sich Libori-Gildemeister Wolfgang Zumdieck in klaren Worten für einen Bewusstseinswandel zu mehr Eigenverantwortung in der Gesellschaft ausgesprochen. "Die Befreiung vom Zwang zur eigenen Entscheidung und Lebensvorsorge durch staatliche Absicherung gegen alle Normalrisiken des Lebens, gaukelt eine trügerische Freiheit vor: Neben den immer trefflicher ausgebauten sozialen Schlüsselbereichen übernahm der Staat die Zwangsversorgung für unzählige teils ureigenste Privatbereiche, wo er dem Bürger seine Eigenverantwortlichkeit abspricht", stellte Zumdieck fest. Als Impulsgeber für diesen Bewusstseinswandel sieht er alle geistigen Eliten , viele gesellschaftliche Gruppen und Kräfte und insbesondere auch Unternehmer. "Ungeachtet des Tagesgeschäfts, welches uns enorm fordert, sollten wir uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung zur Zurückgewinnung einer gemeinwohlverpflichteten Zivilgesellschaft bewusst sein", richtete der Gildemeister eindringliche Worte an die Anwesenden. Das Libori-Mahl findet jeweils am ersten Sonntag der Libori-Festwoche statt. Es geht auf eine Jahrhundert lange Tradition zurück und ist erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1449 erwähnt. Schon im Mittelalter trafen sich Bürger der Stadt nach der Prozession mit den Libori-Reliquien zu einem Mahl, zu dem nur diejenigen eingeladen wurden, die der Stadt mit "Harnisch und Pferd" dienten. Die Libori-Gilde lädt zu diesem Mahl 200 Persönlichkeiten aus Kirche, Wirtschaft und öffentlichem Leben der Stadt und der Region sowie prominente auswärtige Gäste ins historische Rathaus ein. Das schlichte Mahl besteht aus westfälischen Spezialitäten und Paderborner Bier. Durch einen Beitrag aller Teilnehmer und durch Spenden kommt ein namhafter Betrag zusammen, der für wohltätige Zwecke eingesetzt wird. Bereits vor dem Libori-Mahl hatten sich im Trauzimmer des Paderborner Rathauses der Festredner Jürgen Fitschen, Józef Michalik, Erzbischof der polnischen Partnerstadt Przemysl, und Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von Freiburg, im Beisein von Bürgermeister Heinz Paus, Erzbischof Hans-Josef Becker und Gildemeister Wolfgang Zumdieck ins Goldene Buch der Stadt Paderborn eingetragen.