„Im Bewusstsein von Herkunft kann Neues wachsen“
Vortrag von Dr. Bettina Heine-Hippler im Rathaus
„Eine Stadt braucht Ruheinseln und eine vertraute Umgebung für die Bürger, denn für zu viele bauliche Veränderungen ist das Leben zu kurz.“ Mit dieser Erkenntnis nahm Dr. Bettina Heine-Hippler die Gäste ihres gut besuchten Vortrags mit dem Titel „Zukunft braucht Herkunft: 1250 Jahre Baukultur in Paderborn“ auf einen virtuellen Stadtrundgang durch die Paderstadt mit. Die Referentin schaffte es, die Stadt in ihrer Vergangenheit und Gegenwart darzustellen, wagte dabei auch den bauphilosophischen Blick über den Tellerrand und zeigte den Besuchern, dass auch kleine Details der Paderborner Bausubstanz viel zu erzählen haben. Die Veranstaltung im Rathaus ist Teil einer Vortragsreihe, die von der Stadt im Rahmen des Modellvorhabens „Baukultur in der Praxis“ initiiert wurde. Mit Bildern und Anekdoten aus ihren Stadtführungen skizzierte sie das alte und neue Paderborn, das sich im Spannungsfeld zwischen Hightech und Historie befindet. Dabei gab sie unter anderem Einblicke in die oft für den Betrachter verborgene Baugeschichte kirchlicher Bauwerke, wie beispielsweise der Abdinghof- und Marktkirche aber auch dem Kreuzgang der Busdorfkirche, den sie als „Ort der Ruhe und Kontemplation“ in ein neues Licht rückte. Auch kleine, auf den ersten Blick nicht sichtbare Details, wie die Besonderheit der perspektivischen Gittertore im Dom oder die winzigen an kirchlichen Bauwerken angebrachten Nivellementpunkte fehlten nicht in ihrem Vortrag. Letztere sind „Messsteine, die damals das preußische Hoheitsgebiet abbildeten,“ so Heine-Hippler. Auch aktuelle Bauprojekte, die Altes und Neues verbinden werden, wie die Baustelle am Stadelhof, wurden von ihr erläutert. In einer abschließenden Diskussions- und Fragerunde attestierte sie der Stadt zudem eine positive baukulturelle Entwicklung: „Die Bürgerinnen und Bürger pflegen einen stets konstruktiven Dialog. Wenn das so weitergeführt wird, dann können sie wirklich von guten Aussichten sprechen.“ Im Rahmen ihrer Tätigkeit für die LWL-Denkmalpflege unternimmt sie auch regelmäßig Stadtführungen in Paderborn, die für sie immer eine Besonderheit seien: „Ich bin gerne in Paderborn, weil ich hier Besuchern in der Gegenwart die Vergangenheit zeigen kann.“ In anderen Städten sei das nicht mehr möglich. Und lobte damit auch die „hohe Aufbauleistung nach dem zweiten Weltkrieg.“ Am Ende ihres Vortrags gelangte sie zu dem Fazit, dass im Bewusstsein von Herkunft Neues wachsen könne. Dem konnte sich auch Volker Schultze anschließen: „Baukultur fassen wir bei der Stadt auch als einen Prozess auf und möchten mit Veranstaltungen wie dieser den konstruktiven Dialog und das Bewusstsein für die eigene Baukultur fördern.“ Bereits zwei weitere Vorträge seien eingeplant, die zeitnah noch bekanntgegeben werden. Dr. Bettina Heine-Hippler studierte Raumplanung an der Universität Dortmund, ist Bauassessorin und seit 1991 bei der LWL-Denkmalpflege tätig. 2002 promovierte sie an der Technischen Hochschule Delft mit der Dissertation "Will Schwarz 1907-1992, Der Künstler, Architekt und Städtebauer". Sie kann verschiedene Ausstellungen und Publikationen zur Architektur und Baugeschichte vorweisen.