Rekommunalisierung kurz vorm Ziel
48 Städte, Gemeinden und Kreise traten der neuen Westfalen Weser Energie GmbH & Co KG bei
Die endgültigen Verträge zwischen der kommunalen Familie und der E.ON Energie AG sind zwar noch nicht unterschrieben, doch die Ziellinie ist fast erreicht. Mit ihren Unterschriften haben am Montag im Paderborner Unternehmenssitz der E.ON Westfalen Weser AG 48 Bürgermeister, Landräte und von den Kommunen Bevollmächtigte den Beitritt zum neuen kommunalen Unternehmen Westfalen Weser Energie GmbH & Co KG erklärt. Verbindlich haben sie außerdem mitgeteilt, in welcher Höhe sie Anteile am neuen Unternehmen übernehmen werden. Unter den 48 Anteilseignern halten die Stadt Paderborn mit 22,3 Prozent und die Stadt Herford mit 21,3 Prozent die größten Anteile. Die beiden Städte hatten bisher über die Herforder Paderborner Beteiligungsgesellschaft 21,2 Prozent der Aktien an der E.ON Westfalen Weser AG gehalten, weitere 16 Prozent waren im Besitz von 33 weiteren kommunalen Gebietskörperschaften. Neu hinzugekommen sind jetzt 13 Städte und Gemeinden. „Wir haben damit die letzte Hürde genommen und alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rekommunalisierung der E.ON Westfalen Weser geschaffen“, zeigte sich Paderborns Bürgermeister Heinz Paus zufrieden. Gemeinsam mit seinem Herforder Amtskollegen Bruno Wollbrink war er als Verhandlungsführer der kommunalen Seite tätig. Durch diese angestrebte Neuordnung der Eigentumsverhältnisse werde das Unternehmen als effizienter Energiedienstleister für die gesamte Region erhalten und die Ertragskraft nachhaltig gestärkt, betonte Bruno Wollbrink. In einem eineinhalb Jahre währenden Rekommunalisierungs-Prozess hat die kommunale Familie in umfangreichen Verhandlungen, der Durchforstung von 40.000 Blatt, zwei dicken Gutachten von unabhängigen Wirtschaftsprüfern die Basis gelegt, damit das Aktienpaket der E.ON Energie AG (62,85 Prozent der Anteile an der E.ON Westfalen Weser AG) in kommunale Hände wechseln kann. Paus und Wollbrink unterstreichen, dass dieser Prozess große Zustimmung in der Region erfahren hat. Den Kommunen bietet sich die große Chance, zu attraktiven Bedingungen den Netzbetrieb in der Region wieder zu übernehmen. Ein regionaler Energieversorger als starker und verlässlicher Partner in kommunalen Händen gewährleistet vor Ort die Versorgungssicherheit. Er garantiert vor allem die Einbeziehung der Interessen der Städte und Gemeinden und damit der Bürgerinnen und Bürger in der Region. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die Energiewende und die damit verbundene dezentrale Erzeugung erneuerbarer Energien. Paus: „Uns eint dabei die Überzeugung, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn die Kommunen und ihre Stadtwerke ihre Kompetenzen einbringen.“ Die Rekommunalisierung der E.ON Westfalen Weser AG sichert zudem Arbeitsplätze. „Wir setzen auf die hochkompetente und motivierte Mitarbeiterschaft der jetzigen E.ON Westfalen Weser AG. Gemeinsam mit ihr kann es uns gelingen, ein starkes Energieunternehmen aus der Region für die Region zu schaffen, das bundesweit Modellcharakter besitzt“, ist sich Wollbrink sicher. Die rekommunalisierte E.ON Westfalen Weser AG liegt im wirtschaftlichen Interesse der Kommunen. Sie sichert das Gewerbesteueraufkommen vor Ort, ermöglicht Synergien durch die Zusammenarbeit mit anderen kommunalen und privaten Unternehmen und sichert den Wert der bereits bestehenden Anteile ab. Der Wert für 100 Prozent des Strom- und Gasnetzgeschäftes der E.ON Westfalen Weser AG sowie die bei der E.ON Westfalen Weser AG verbleibenden Beteiligungen, wurde mit rund 700 Millionen Euro festgelegt. Eine Rekommunalisierung der E.ON Westfalen Weser AG eröffnet die Möglichkeit einer interkommunalen Zusammenarbeit im Energiesektor, der als klassischer Aufgabenbereich der öffentlichen Daseinsvorsorge gilt. Durch die Rekommunalisierung kann die Wertschöpfung in der Region und in den jeweiligen Kommunen erhalten werden. Das kommunalisierte Unternehmen wird zukünftig in den Geschäftsfeldern Strom- und Gasvertrieb nicht in Konkurrenz zu den Stadtwerken vor Ort treten. Somit ergeben sich für die örtlichen Kommunen Perspektiven für weitere Rekommunalisierungen oder interkommunale Kooperationen.