Neuer Ausbildungsberuf bei der Stadt
Geomatiker im Technischen Rathaus
Was sich genau hinter der Berufsbezeichnung Geomatiker verbirgt, wird auf Anhieb bestimmt nicht jedem klar sein. Könnte es doch eher nach Mathematiker oder doch Geograph klingen? Wem bereits der Vermessungstechniker bekannt ist, wird schnell dahinter kommen, ist er doch mit dem Geomatiker artverwandt. Diese neue Berufsausbildung ist im Amt für Vermessung und Geoinformation möglich und derzeit mit zwei Auszubildenden besetzt. Andreas Brodowski, Abteilungsleiter des Geo-Service, engagiert sich als Mitglied im Prüfungsausschuss bei der Bezirksregierung Detmold für den Ausbildungsgang. Sein Kollege Thomas Drewes ist als Ausbilder im Amt für Vermessung und Geoinformation für die städtischen Geomatiker verantwortlich. Markus Küting, aus der Abteilung Vermessung, übernimmt den vermessungstechnischen Part der Geomatikerausbildung. „Das Aufgabenprofil des Geomatikers ist umfassend, zumal wir hier im Amt schon bedarfsbezogen ausbilden,“ so Brodowski und skizziert das Berufsbild: „Eine lange Prozesskette von der Geodatenerfassung über die Weiterverarbeitung bis zur Visualisierung und dem Marketing gehört dazu. Der neu geschaffene Beruf fängt nicht nur die wichtigen Inhalte aus dem nicht mehr angebotenen Beruf Kartograph auf, sondern übernimmt neben den wichtigen Elementen der Vermessungstechnik auch wesentliche Inhalte aus der „Geoinformatik.“ Das Erfassen und die Beschaffung von Geodaten, ihre Verarbeitung und insbesondere Veranschaulichung gehören auch bei der Stadt zum Kernaufgabengebiet. Dazu gehört die Visualisierung von 3D-Stadtmodellen, die vor allem für Außenstehende interessante Einblicke bereithält: Ein fotorealistisches Bild eines möglichen Verwaltungsneubaus in der Florianstraße oder der virtuelle Rundgang über die Bahnhofstraße zum neuen Bahnhofsgebäude - die Vorstellungskraft wird hier endlich abgelöst und sorgt bei Betrachtern für erkenntnisreiche Einblicke. Brodowski: „Geodaten auf dem Papier oder zweidimensionale Baupläne können nicht immer für Aufklärung sorgen, hier kommen wir mit unseren fotorealistischen 3D-Modellen ins Spiel.“ Schließlich beruhen diese auf echten Geodaten und können so einen besseren Eindruck von der zukünftigen Wirklichkeit vermitteln. Das dient beispielsweise auch Beteiligten oder städtischen Ausschüssen, da anschaulich verschiedene Bedingungen visualisiert werden können. „Wir können mit diesen beiden Ausbildungsplätzen unseren Dienstleistungspool für raumbezogene Daten deutlich erweitern,“ freut sich Brodowski und lobt den Einsatz der beiden angehenden Geomatiker: “Schon heute fällt eine Abwesenheit der Auszubildenden während der Blockunterrichtszeiten im Berufskolleg auf, da beide in diesem Zeitraum nicht zum Tagesgeschäft beitragen können.“ „Die Voraussetzungen für diese Ausbildung in unserem Amt mussten allerdings erst geschaffen werden. So hat beispielsweise auch der Kollege Thomas Drewes 2012 einen Ausbilderlehrgang mit Prüfung speziell für die Ausbildung der Geomatiker absolviert,“ erklärt Brodowski. Damit sei nun auch eine optimale Betreuung gewährleistet. „Wir möchten natürlich auch draußen auf den Beruf des Geomatikers aufmerksam machen. Wir können uns vorstellen, dass es viele Jugendliche gibt, die an dem vielseitigen und attraktiven Aufgabenbereich ihren Spaß haben werden,“ bewirbt Drewes das neue Ausbildungsformat. Jana Nowak und Josef Peter Nagel sind die beiden Geomatiker im Technischen Rathaus und befinden sich derzeit am Ende des dritten Lehrjahres. Im Juli werden sie als erste bundesweit ihren Ausbildungsjahrgang abschließen. Das erste Ausbildungsjahr absolvieren angehende Geomatiker am Carl-Severing-Berufskolleg in Bielefeld gemeinsam mit den Vermessungstechnikern. „Das liegt an dem gleichen Lehrinhalt, der sich zu Beginn noch überschneidet“, erklärt die Auszubildende. Die weitergehenden Lehrinhalte im zweiten und dritten Lehrjahr werden, neben der Praxis in der städtischen Abteilung Geo-Service, im Heinrich Hertz Europakolleg in Bonn vermittelt. Auch das Feedback der Auszubildenden klingt positiv: „Die Ausbildung zum Geomatiker macht mir großen Spaß, sie ist sehr abwechslungsreich,“ freut sich Josef Nagel über seine Aufgabenfelder. Jana Nowak: „Besonders die Arbeit mit anderen Ämtern gefällt mir, so bekommt man Einblicke in viele verschiedene interessante Themen. Zudem gefällt mir das selbstständige und kreative Arbeiten sehr gut.“