400 Jahre Paderborner Rathaus

Eine Zeitreise zurück zu den Anfängen

© Stadt Paderborn

Das Paderborner Rathaus wurde 1279 erstmals in der Geschichte in einer Urkunde erwähnt. Jedoch ist weder Standort noch Aussehen bekannt. An der Nordseite des heutigen Rathauses ist ein Wappen mit der Jahreszahl 1473 in römischen Ziffern zu sehen. Das deutet daraufhin, dass das heute bekannte Gebäude zum damaligen Zeitpunkt um- oder neugebaut wurde. Nachdem Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg im sogenannten Kampf um Paderborn 1604 die Stadt unterworfen hatte, ordnete er 1611 die Instandsetzung des Rathauses an. Da es sich aber in einem sehr schlechten Zustand befand, beschloss der Stadtrat, es weitgehend abzubrechen und einen Neubau im Stil der Weserrenaissance zu errichten. Beginn des Baus war im Jahre 1613 unter der Leitung von Hermann Baumhauer, der bereits die Wewelsburg umgebaut hatte. Es dauerte sieben Jahre, bis das neue Rathaus 1620 fertig war. Im Obergeschoss befand sich ein großer Saal, der vorwiegend als Festsaal diente. 1870 wurde beschlossen, das Rathaus mit dem Architekten Rudolf Volmer als Bauleiter umzubauen - wieder aufgrund des schlechten Zustandes. Wie groß das Ausmaß der Schäden wirklich war, wurde allerdings erst während der Bauarbeiten sichtbar. Die Kosten stiegen um das Vierfache, woraufhin Volmer 1874 entlassen wurde und der Paderborner Maurer und Zimmermeister Schafmeister den Bau vollendete. Nach dem Umbau hatte das Rathaus durch eine zweite Eingangstür eine symmetrische Eingangssituation und eine Eingangshalle mit Treppenanlage sowie eine direkte Verbindung beider Erker im Obergeschoss bekommen. Nach acht Jahren Bau wurde das Rathaus am 20.10.1878 feierlich eingeweiht. Danach wurde es hauptsächlich von der Stadtverwaltung genutzt. 1890/1900 wuchs die Einwohnerzahl aber so stark, dass die Verwaltungsaufgaben erweitert wurden. Das zusätzliche Personal zog in Räume des ehemaligen Gaukirchklosters. Von da an hatte der „Altertumsverein“ ein Museum im Untergeschoss, zeitweise befanden sich auch die Stadtsparkasse und der Verkehrsverein dort. Schweren Schaden nahm das Rathaus im zweiten Weltkrieg. Am 27. März 1945 kam der letzte und schwerste Luftangriff auf Paderborn, wobei das Rathaus bis auf die Umfassungsmauern zerstört wurde. Das Innere des Gebäudes sowie der Dachstuhl brannten aus. Lediglich der Keller und die Gewölbe blieben erhalten. Um das Rathaus vorm weiteren Zerfall durch Witterungseinflüsse zu schützen, war es wichtig, das Dach wie auch die äußeren Teile schnellstmöglich wieder aufzubauen. Da Paderborn sich zu der Zeit in britischer Besatzungszone befand, musste die britische Militärregierung dies zunächst genehmigen und darüber hinaus wurde eine Landesbeihilfe für denkmalwerte Bauten beantragt. Am 2. August 1947 konnte dann das Richtfest gefeiert werden, wovon sogar die Wochenschau „Welt im Film“ berichtete. Der Innenausbau hingegen zog sich sehr, weil es an Geld mangelte. Es fehlten rund 250.000 DM. 1952 wurde angeregt, den Sitzungssaal im Obergeschoss mithilfe einer Sachlotterie zu finanzieren. Das Erdgeschoss war bereits ausgebaut und mit Diensträumen ausgestattet. Im Juli und August 1953 wurde die Lotterie veranstaltet, welche sehr beliebt war bei den Paderbornern. Viele Preise wurden durch die Sach- und Barspenden der Bürger gestellt, außerdem bekam die Stadt ein zinsfreies Darlehen von 75.000 DM vom Kreistag. Dennoch gab es einige, die nicht zufrieden mit dem Ausbau des Rathauses waren, da sie es wichtiger fanden, zunächst die Stadt wieder aufzubauen. Für die Ausgestaltung des Inneren wurde ein Wettbewerb organisiert, der jedoch nicht den gewünschten Erfolg hatte. Letztendlich entschied man sich für den Bildhauer Josefthomas Brinkschröder. 1954 wurde das Rathaus eingeweiht und erst in den 60er Jahren wurde der Aufbau mit dem Ausbau des Kellers komplett abgeschlossen. Seitdem steht das Rathaus für Empfänge, Festakte, Festmahle und sonstiger hochrangige repräsentative Veranstaltungen zur Verfügung. In den Jahren 2006 und 2007 erfolgte ein umfangreicher Umbau des Rathauses. Mehr als 20 Gewerke veränderten das Innere des historischen Gebäudes maßgeblich. Das im Krieg zerstörte und 1957 fertiggestellte Rathaus erfuhr damit nach fast 50 Jahre wieder eine umfangreiche Renovierung und Modernisierung. Im Mittelpunkt dieses Umbaus stand die obere Etage des Rathauses. So bekam der große Saal ein neues Gesicht, die Aufteilung des Obergeschosses wurde verbessert, der Zugang, insbesondere für Behinderte vereinfacht, ein zweiter Rettungsweg mit einer Feuerleiter zur Scharnegasse eingerichtet. Der Saal wurde über die Erker zum Rathausplatz hin geöffnet, erhielt eine neue Beleuchtung, eine neue Klimatechnik und neue Möbel. (Informationen aus: Baugeschichte des Paderborner Rathauses, Paul Michels, 1962; Das Paderborner Rathaus- ein Haus mit Geschichte, Bilder und Dokumente aus dem Stadtarchiv; Der Aufbau des Rathauses, Monika Graen)