Ein fast historischer Tintenfleck
Goldenes Buch der Stadt Paderborn erzählt Geschichte und Geschichten
Als der französische Außenminister Hubert Védrine beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Paderborn am 2. Oktober 1999 einen Tintenfleck nicht verhindern konnte, schien der von historischer Dimension. Er erinnerte an den Tintenfleck auf der Wartburg bei Eisenach, der dem Reformator Martin Luther zugeschrieben wurde. Für Bügermeister Heinz Paus hatte der Fleck dokumentarischen Charakter und in gewisser Weise Erinnerungswert. Für Egon Hüls eher weniger. Der Mann, der schon Unterschriftsblätter für Sportstars, Minister und Regierungschefs sowie gekrönte Häupter und sogar den Papst gefertigt hat, hat sein zeichnerisches Talent auch schon in den Goldenen Büchern von Stadt und Generalvikariat unter Beweis gestellt. Egon Hüls nahm sich auf seine Weise dieses Flecks an. Als er das Goldene Buch für einen neuen Eintrag mit einer entsprechenden Grafik vorbereitete, entfernte er kurzerhand den aus seiner Sicht störenden Fleck. Und schon war's das mit der Erinnerung und der Einmaligkeit, die dieser Fleck einmal haben sollte. Doch Bürgermeister Heinz Paus nahm’s gelassen und erzählt bei den Eintragungen ins Goldene Buch immer wieder gerne diese Episode. Es sind die von Egon Hüls gefertigten Grafiken, die dem Goldenen Buch der Stadt Paderborn den richtigen Rahmen für die Schriftzüge der Persönlichkeiten geben. Hüls, der eine Ausbildung als grafischer Zeichner absolvierte und später in den Beruf des Tiefdruckätzers wechselte, war lange Jahre Leiter der Tiefdruckabteilung der Bonifatius-Druckerei. Als bei der Bonifac der für die besonderen künstlerischen Dinge zuständige Mitarbeiter verstarb, trat der gebürtige Bremer die Nachfolge an und konnte so sein Hobby mit seinem Beruf verbinden. Viele wertvolle Lektionare und Schriftzeichnungen hat Egon Hüls bisher gefertigt. So bekam auch der Eintrag des Bundespräsidenten Prof. Dr. Horst Köhler und dessen Frau Eva Luise anlässlich der Canossa-Ausstellung am 21. Juli 2006 wie alle Schriftzüge in den letzten Jahren einen würdigen Rahmen. Begonnen hatte die Geschichte des Goldenen Buches der Stadt Paderborn weniger farbig. Es war tatsächlich nur die Unterschrift von Erzbischof Alois Joseph Muench, Apostolischer Visitator in Deutschland, mit der das Buch Libori 1949 eröffnet wurde. Bis zum Mai 1998 trugen sich in diesem ersten Band des "Gedächtnisses der Stadt" unter anderem die englische Königin Elisabeth II., Prinz Philip, Bundespräsident Walter Scheel und Ehefrau (1977), die Bundespräsidenten Heinrich Lübke (1965), Gustav Heinemann ((1972), die NRW-Ministerpräsidenten Karl Arnold (1949), Johannes Rau (1981) und die Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth (1990) ein. Eingetragen ins Goldene Buch hat sich auch der inzwischen verstorbene Herausgeber des Westfalen-Blattes, Carl-Wilhelm Busse im Juni 1998. Ein Höhepunkt war am 22. Juni 1996 die Eintragung von Papst Johannes Paul II. ins Goldene Buch. Gleich zweimal verewigte sich unter anderem das Kabinett der NRW-Landesregierung 1989 und 2007 (NRW-Tag), der SC Paderborn in seinen Aufstiegsjahren in die 2. Bundesliga 2005 und 2009 und Lili Schwarzkopf und 2006 und 2012. Zu den jüngsten Einträgen zählt der von Bundespräsident Joachim Gauck und seiner Partnerin Daniele Schadt anlässlich der Eröffnung der CREDO-Ausstellung im Juli dieses Jahres.