Opfer im städtischen Gedächtnis behalten
Ausstellung in der Paderborner Stadtverwaltung erinnert an jüdisches Leid
"Wir wollen mit der Ausstellung einen Beitrag dazu leisten, dass die Opfer dieses grausamen Geschehens in den Wäldern von Bikernieki einen dauerhaften Platz im städtischen Gedächtnis behalten". Mit diesen Worten führte Bürgermeister Heinz Paus in die Ausstellung ein, die noch bis zum 30. September in der Galerie "Bilderbogen" im Stadthaus Am Abdinghof gezeigt wird. Auf insgesamt 16 Schautafeln wird dabei an das Schicksaal von über 25.000 deutschen Juden erinnert, die 1941/42 ins lettische Riga deportiert und in überwiegender Zahl im Wald von Bikernieki ermordet wurden. Beschrieben wird dabei nicht nur das historische Geschehen, sondern es wird auch die vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit lettischen Partnern und weiteren Unterstützern errichtete Gräber- und Gedenkstätte vorgestellt. Auch die Arbeit des Riga-Komitees, einem Zusammenschluss von deutschen Großstädten, zu denen auch Paderborn gehört, wird im Rahmen dieser zu Herzen gehenden Schau betrachtet. Die Ausstellung stellt sich auch der Frage, wie man Gedenken bewahren kann. Es könne nie nur Rückschau sein, sondern es müsse genauso Erfahrung für das Heute sein, betonte Thomas Rey vom Volksbund Deutsche Kriegsgräbervorsorge e.V. Rey dankte wie auch Bürgermeister Heinz Paus dem ehemaligen Münsteraner Bundestagsabgeordneten Winfried Nachtwei, der in den 90ziger Jahren die Initiative ergriffen hat, an das Geschehen in und um Riga zu erinnern. Paderborn habe sich seit Ende der 70ziger Jahre intensiv mit der Geschichte der jüdischen Mitbürger in Paderborn auseinandergesetzt, so Bürgermeister Heinz Paus. Er erinnerte an das große Treffen der Überlebenden der jüdischen Gemeinschaft in Paderborn Anfang der 80ziger Jahre. Seit dieser Zeit halte die Stadt engen Kontakt zu den Familien der alten jüdischen Familien der Stadt. Jedes Jahr würden Einzelne nach Paderborn eingeladen. Auch das Schicksal der jüdischen Mitbürger, die nach Riga deportiert worden seien, habe die Stadt aufgearbeitet. Ausgangspunkt der Deportation sei der Nordbahnhof gewesen. Paus kündigte an, dass dank der Unterstützung durch den Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Linnemann dort in Kürze eine Gedenktafel dafür angebracht werden könne. "Lassen wir es nie wieder soweit kommen", appellierte Landrat Manfred Müller bei der Ausstellungeröffnung an die Anwesenden, zu denen neben den Ehrenringträgern Dr. Margit Naarmann, Josef Hackfort und Joseph Vögele auch die Bürgermeister aus Altenbeken, Hans-Jürgen Wessels, Büren, Burkhard Schwuchow, und Borchen, Reiner Allerdissen, gehörten. Jeder Mensch habe das Recht auf Wertschätzung, betonte der Kreisvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und sprach sich klar gegen eine Kultur der Ausgrenzung aus.