Himmel und Hölle
Musica sacra
Mit zwei Veranstaltungen beteiligt sich das Kulturamt der Stadt Paderborn am Festival Musica sacra, misst dabei aber gleich den ganzen Raum vom Himmel bis zur Hölle aus: Das Kammerkonzert am Sonntag, 22. September, um 16 Uhr im Audienzsaal Schloß Neuhaus trägt den Titel „Kleine Gaben des Himmels“, die erste Veranstaltung im städtischen Musiktheater-Zyklus heißt „Die Musik der Hölle“ und findet am Mittwoch, 25. September, um 19.30 Uhr in der PaderHalle statt. Dass im Himmel musiziert wird, gilt als ausgemacht, aber was ist mit der Hölle? Der Figurentheaterspieler Marc Schnittger gibt zusammen mit seinen lebensgroßen Figuren sowie drei Streichern und einem Live-Elektroniker im Orchestergraben eine Antwort: In dem labyrinthischen Haus des vorgeblichen Instrumentenbauers (Höllen-)Fürst gehen Musiker an ihrer eigenen Musik zugrunde und Musikinstrumente verschwinden. Marc Schnittger setzt mit dem Stück seine Trilogie nach dem rätselhaften Triptychon des Malers Hieronymus Bosch (1450-1516) fort, aus der „Der Garten der Lüste“ bereits in Paderborn zu sehen war. Die Stücke sind von Bosch inspiriert, aber keine Figurentheater-Abbildungen der Gemälde. „Ich habe die ‘Hölle’ im Opernhaus Kiel, mit dem das Stück koproduziert wurde, gesehen,“ berichtet Kulturamtsleiter Christoph Gockel-Böhner. „Das kleine Publikum verschmolz in den 90 Minuten, die ohne Pause durchrauschen, indem großen Raum zu einer Gemeinde, wir waren wie gebannt von dem faszinierenden Stück. Es ist düster, aber dennoch lustvoll.“ Die atmosphärische Musik, zum Teil von Händel, zum Teil ganz neu komponiert, trägt viel dazu bei. „Was mich auch überzeugt hat, war die Unverschämtheit, für das Genre Figurentheater die große Bühne eines Opernhaus mit offenen Orchestergraben zu fordern, aber wenn man das Stück sieht, versteht man sofort, dass es kleiner eben nicht zu haben ist.“ Wie Sternenstaub vom Himmel gefallen sind dagegen die kleinen Kostbarkeiten der Barockmusik, die am Sonntag im Audienzsaal erklingen und eine Ahnung überirdischer Schönheit vermitteln. Vielleicht eine gute Idee, sich das noch einmal anzuhören, bevor die Ergebnisse der Bundestagswahl bekannt gegeben werden. Wegen der Wahl beginnt das Konzert schon um 16 Uhr, nicht wie sonst bei den städtischen Kammerkonzerten üblich, um 18 Uhr. Das Ensemble „Fontana di Musica“ spielt Werke von Bach, Händel, Telemann und deren Zeitgenossen auf Blockflöte, Barockvioline, Viola da Gamba und Cembalo. Das Ensemble gehört zur Bundesauswahl Konzerte junger Künstler des Deutschen Musikrates. Um 15.30 Uhr gibt Lars Wolfram eine Einführung in die Werke.