Von Guerrilla Girls und "Säulenheiligen"

Frauenaktionstage

© Stadt Paderborn

Ein voller Erfolg war der Auftakt der diesjährigen Frauenaktionstage der Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn im Rathaus. Von künstlerischen Grüßen aus aller Welt über phantasievoll gestaltete Säulen heimischer Künstlerinnen bis hin zu den spannenden Erzählungen der charismatischen Leiterin des weltweit ersten Frauenmuseums in Bonn, Marianne Pitzen reichte das Programm. Begleitet wurde es von den mitreißenden Musikeinlagen der Combo „Arte Musika“, den vier Damen mit zwanzig verschiedenen Musikinstrumenten. „Eine rundum gelungene Sache“, waren sich die zahlreichen Besucherinnen und Besucher einig und ließen den aufregenden Abend mit netten Gesprächen gutgelaunt ausklingen. Auch die Frage nach der Präsens von Frauen im Kunst- und Kulturbetrieb wurde von der Gleichstellungsbeauftragten Dagmar Drüke aufgeworfen. „Auf Dauer können nicht viele Frauen von ihrer Kunst leben“, so Drüke. Einer gerade erst veröffentlichten Studie zufolge, bedürfen gerade die Netzwerke von Künstlerinnen dringend der Förderung, da Netzwerke die Künstlerinnen dabei unterstützen, die Kunst zum Beruf zu machen. Immer mit dabei und ganz ohne Starallüren oder Berührungsängste: Marianne Pitzen, die sich fröhlich unter die kulturinteressierten Gäste mischte und sich gern etwas auch von der hiesigen Kulturszene erzählen ließ. So zum Beispiel über die Entstehung der Ausstellung „Säulen“ des von der Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn koordinierten Arbeitskreises „FrauenKultur“. Die Säulen, so erfuhr die gestandene Kulturfrau aus dem Rheinland, seien eigentlich ein Abfallprodukt und daher die Ausstellung auch so etwas wie ein künstlerisches Recyclingprojekt. Ursprünglich als Rollen für Dachdeckerfolien gedacht, hatten die Künstlerinnen des Arbeitskreises ihrer Phantasie freien Lauf gelassen und die Hartpappe-Stelen nach eigenem Gusto beklebt, bemalt, betextet, durchsägt, behangen. Die bunte Vielfalt des Ergebnisses ließ auch die Leiterin des Bonner Frauenmuseums nicht unbeeindruckt, wie man ihrem Eintrag im dem Gästebuch des Arbeitskreises entnehmen kann. Überhaupt habe sie sich wohl gefühlt „im wunderbaren Saale“ und wünschte allen Gästen „Megaimpulse durch alle kreativen Paderbornerinnen“. „Megaimpulse“ gab Marianne Pitzen dann höchstselbst in ihrem farbenfrohen Bericht über das Bonner Frauenmuseum und dessen Geschichte sowie die derzeitige dort gezeigte Ausstellung „EVO – Frauen in den Weltreligionen“, die sich auf die Suche macht, nach den Spuren der Frauen im Kontext der Religionen und einen Besuch ganz sicher wert ist! Kurzweilig und mitreißend erzählte sie über den Aufbau des Museums, das inzwischen längst nicht mehr das einzige seiner Art ist, sondern Schwesterninstitutionen in aller Welt aufweisen kann: ein ganzes Netzwerk an Frauenmuseen und Frauen, die sich über die Grenzen der Länder und Kontinente hinweg alle ein und demselben Ziel verschrieben haben: Die Frauen in Kunst, Kultur und Geschichte dem Vergessen zu entreißen. Denn dies sei lange genug geschehen. Sammlung, Archivierung und Netzwerken seien die zentralen Mittel, mit denen dies gelingen könne, so die Leiterin des Frauenmuseums, die mit viel Herzblut von ihrer Aufgabe sprach, die augenscheinlich viel mehr für sie ist als „nur“ Arbeit: eine Lebensaufgabe. Vielen noch unbekannt die Tatsache, dass im Frauenmuseum in Bonn Material zu 25.000 Künstlerinnen archiviert und für die Nachwelt erhalten wird. Lustig auch, dass allein die Karikaturen der Bundeskanzlerin eine ganze Reihe voller Ordner im Regal einnimmt. Ja, nicht nur zu Frauen in der Kunst werde gesammelt, so Pitzen, auch die Frau in der Geschichte, der Politik und Wirtschaft sei von Interesse. Wunderbar auch das Miteinander und die internationalen Kontakte zu den Frauen aus den Frauenmuseen in aller Welt, die in regelmäßigen Kongressen zusammen kämen und ihre Sache besprächen. Eine Sache, die sich, so nahm es Frau Pitzen wohlwollend zur Kenntnis, auch die Paderborner Gleichstellungsstelle mit ihrem Arbeitskreis „FrauenKultur“ und den spannenden künstlerischen Aktionen, wie z.B. dem internationalen MailArtProjekt „pink & blue“ oder eben der „Säulen-Ausstellung“ auf die Fahnen geschrieben hätte. Ein kurzweiliger Bericht, der in dem Ausruf Marianne Pitzens gipfelte: „Die Säulen haben Sie ja schon, jetzt fehlt nur noch der Kulturpalast für Paderborn.“