"Vom Wiener Charme zur ostwestälischen Ehrlichkeit konvertiert"
Paderborner Kulturpreis an Prof. Dr. Dr. Gerhard E. Ortner im Rathaus verliehen
Er sei vom Wiener Charme zur ostwestfälischen Ehrlichkeit konvertiert und empfinde den Preis als Dokument der kommunalen Einbürgerung erster Klasse. Das sagte der neue Kulturpreisträger Prof. Dr. Dr. Gerhard E. Ortner in Anspielung auf seine Herkunft nach der Verleihung der höchsten kulturellen Auszeichnung, die die Stadt Paderborn vergibt. Vor etwa 250 geladenen Gästen hatte Bürgermeister Michael Dreier dem 74jährigen die Auszeichnung am Sonntagvormittag im Paderborner Rathaus verliehen. Mit Adelheid van der Kooi-Wolf und Elert Bode nahmen vorherige Kulturpreisträger an dem Empfang teil. Außerdem waren die Ehrenringträger Günter Bitterberg, Elsbeth Menneken, Dr. Margit Naarmann, Josef Hackfort, Joseph Vögele sowie die stellvertretenden Bürgermeister Dieter Honervogt, Martin Pantke und Karsten Grabenstoer anwesend.
In seiner Begrüßung würdigte Michael Dreier das große Engagement Gerhard Ortners auf kulturellem Gebiet, insbesondere als Intendant des Festivals Musica sacra Paderborn. Der Kulturpreis der Stadt habe einen hohen Rang und eine lange Geschichte, die bis 1955 zurückreiche. Dreier ging auf die Bedeutung der Kultur für die Stadt ein. "Paderborn war, ist und bleibt eine Kulturstadt", stellte er fest. Die Kultur sei eine wesentliche Säule für eine erfolgreiche Zukunft der Stadt. Sie sei ein unermesslicher Trumpf, der einen entscheidenden Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft leiste.
"Was kann sich Paderborn glücklich schätzen, in Geo (ein Pseudonym von Gerhard Ortner) eine Person und Institution zu haben, die unsere kleine Stadt unmerklich zu einer Bühne macht, auf der sich Menschen und Kunst, Kultur und Können mischen. Und wir alle sind ein Teil davon, und wir sitzen, fast unbemerkt, nicht nur im Publikum." Mit diesen treffenden Worten würdigte sein Freund und Künstlerkollege Uli Lettermann das Schaffen von Gerhard Ortner. In einer emotionalen und immer wieder durch Beifall unterbrochenen Rede beschrieb Lettermann den Menschen, Begriffefinder, Anreger und Macher Gerhard Ortner.
Ortner dankte dann in seiner ganz eigenen Art für die Auszeichnung in Wort und Lied. Er müsse sich bei vielen bedanken, mit denen er in der Zeit des Aufbruchs zusammengearbeitet habe. In den 70ziger Jahren sei er als skeptischer junger Mann aus Österreich nach Paderborn gekommen und habe die stete Entwicklung der Stadt miterlebt. Heute sei Paderborn ein Zentrum hoher Lebensqualität und ansehnlicher Kultur.
Geboren ist Ortner in Graz und aufgewachsen in Wien. In den frühen 70er Jahren wurde er Professor an der Universität Paderborn, wo er als Betriebswirtschaftler die Bildungsbetriebslehre erfand. Er lehrt heute an der Fernuniversität in Hagen sowie regelmäßig als Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin und als Visiting Professor an der Universität für Weiterbildung Krems/Donau (Donau-Universität). Er steht auch immer wieder selbst als Sprecher, Moderator und Schauspieler auf der Bühne. Seine Sprecherausbildung hat er beim Österreichischen Rundfunk absolviert. Häufig rezitiert er eigene Texte, denn auch als Schriftsteller tritt er immer wieder in Erscheinung.
Sein Lebensmittelpunkt und Wohnort ist aber nach wie vor Paderborn. Hier leitet er mehrere Unternehmen, darunter das Medienhaus, aber auch eine Galerie. Zusammen mit seiner Frau hat er das Deelenhaus in der Krämerstraße erworben, in dem er seit kurzer Zeit unter anderem die „Kleine Bühne Paderborn“ betreibt.
Auch als mitgestaltender Bauherr hat er kulturelle Akzente gesetzt, etwa bei der Rekonstruktion der Gebäude des Hotels Stadthaus und des Torhauses, beide aus dem 19. Jahrhundert. Für das Torhaus erhielt er 2005 einen Sonderpreis im Rahmen des Fassadenwettbewerbs im Kreis Paderborn.
Ortner ist Vorstandsmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften und Bildungsvereinigungen auf europäischer Ebene, für sein umfangreiches Engagement vor allem in der Bildung wurde ihm im Jahre 2006 das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Das Preisgericht des alle drei Jahre verliehenen Kulturpreises der Stadt Paderborn unter Vorsitz des Bürgermeisters besteht aus den Leitungen der Kulturdezernate der Stadt Paderborn, der Bezirksregierung Detmold und des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, aus politisch bestimmten Mitgliedern sowie Vertretungen verschiedener Paderborner Institutionen (Universität, Theologische Fakultät, Heimatpflege, Gleichstellungsbeauftragte).
Gerhard Ortner ist der 19. Preisträger. Vor ihm erhielten den Preis u.a. Josef Rikus (1959), Jenny Aloni (1967), Elert Bode (1970), Wilhelm Winkelmann (1973), Adelheid van der Kooi-Wolf (1990), Erwin Grosche (2000) und Toto Blanke (2011).
Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.