Eigene Stadtwerke für Paderborn
„Kundennähe und eine Wertschöpfung vor Ort“
Die Stadt Paderborn möchte zukünftig Strom und Gas über einen eigenen Energievertrieb anbieten. Dafür soll eine städtische Tochtergesellschaft gegründet werden. Die Verwaltung wird das Vorhaben dem Rat in der Sitzung am 18. Dezember empfehlen. Eine externe Beratungsgesellschaft hat die Marktchancen in einer Untersuchung bereits positiv eingeschätzt. Mit den Vertriebsaktivitäten soll spätestens bis Mitte 2015 begonnen werden. Dabei würde das Strom- und Gasgeschäft der Tochtergesellschaft, die unter den Paderborner Kommunalbetrieben (PKB) eingegliedert sein würde, zum Teil auch über andere Dienstleister abgewickelt werden.
„Die Vorteile eigener Stadtwerke liegen dabei klar auf der Hand. Die Wertschöpfung würde vor Ort bleiben. Auch könnten die Paderbornerinnen und Paderborner von der Kundennähe profitieren. Als lokaler Anbieter hätten wir somit die Möglichkeit, als verlässlicher Partner vor Ort aufzutreten“, erläuterte Bürgermeister Michael Dreier.
Mit der Untersuchung der Marktchancen war die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) betraut, die mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen wurde. Dies deckt sich mit den unterschiedlichsten Referenten, die in ihrer Funktion als Geschäftsführer anderer Stadtwerke im Aufsichtsrat Paderborn zum Thema Energievertrieb und deren Erfahrungen referiert hatten. Die Studie geht von einer relativ geringen Marktdurchdringung in den ersten Jahren aus. Bei einem vergleichsweise geringen Anteil an potenziellen Kunden kommt die Untersuchung allerdings zu dem Ergebnis, dass mit der Aufnahme von Vertriebsaktivitäten ein Überschuss erzielt werden wird.
Stadtkämmerer Bernhard Hartmann: „Den kommunalen Unternehmen in Form von Stadtwerken wird durch die Öffentlichkeit offenbar ein sehr hohes Vertrauen entgegen gebracht. Zwar gibt es inzwischen eine Vielzahl an Energieanbietern auf dem Markt, die auch in den Internetportalen häufig als günstigste Lieferanten ausgewiesen werden, doch haben diese bislang den kommunalen Unternehmen ihre Stellung nicht streitig machen können. Es drängt sich daher auf, auch in Paderborn die Marktchancen eines Energievertriebs durch eine städtische Tochtergesellschaft zu nutzen, zumal dazu keine größeren Sachinvestitionen notwendig sind und die Risiken sich in Grenzen halten.“
Der Aufsichtsrat der PKB hat sich in den zurückliegenden Jahren immer wieder mit der Frage der Energieversorgung in der Stadt Paderborn beschäftigt. Dabei wurde auch die Fragestellung behandelt, ob ein eigener Energievertrieb für die Stadt durch eine städtische Tochtergesellschaft sinnvoll ist. Als vorläufiger Abschluss dieser Diskussion wurde am 3. April dieses Jahres ein Ratsbeschluss gefasst, nachdem grundsätzlich Aktivitäten zum Vertrieb von Strom und Erdgas an Haushaltskunden aufgenommen werden sollen.
Während man noch vor rund 15 Jahren davon ausging, dass es heutzutage nur noch wenige Stadtwerkeunternehmen in der Bundesrepublik geben würde, haben sich diese Prognosen nicht bestätigt. Insbesondere die Energiewende hat eher zu einer Stärkung der Stadtwerke im vertrieblichen Bereich geführt.