Die Wirtschaftliche Frauenschule in Paderborn am Inselbad

Ein Fotoalbum gibt historischen Einblick

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Am Fürstenweg, wo früher die Pädagogische Akademie und Pädagogische Hochschule standen und heute Westfalenkolleg, Lehrerseminar und Landesprüfungsamt für das Lehramt beheimatet sind, zog vor knapp 100 Jahren eine ganz andere Bildungseinrichtung ein: Die wirtschaftliche Frauenschule Paderborn-Inselbad. Über dessen Geschichte bekam das Stadtarchiv Paderborn jüngst ein kleines, aber feines Fotoalbum geschenkt. Das schmale Fotoalbum bildet ein besonderes Kleinod in der knapp 80 Stücke umfassenden Sammlung von Fotoalben im Stadtarchiv. Es schließt eine Lücke in der Bildüberlieferung des Stadtarchivs Paderborn und in der Bildungsgeschichte der Stadt.

Die Entstehung des Albums geht aus der Widmung hervor: „Der ‚Mutterschule‘ Haus Borchen zum 20. Wiegenfeste ein letzter Gruß von der abschiednehmenden ‚Tochter Inselbad‘. Paderborn-Inselbad, den 24. Juli 1932. Im Namen der Schule überreicht von T. Schühe-Eikel, Direktorin“. Das Album gibt einen kleinen Querschnitt aus dem Schulleben und gewährt einen Einblick in die dortigen Lebensbedingungen.

Die Wirtschaftliche Frauenschule Paderborn-Inselbad wurde 1917 als Ableger der „Mutterschule“ Mallinckrodthof in Nordborchen von der Gesellschaft für landwirtschaftliche Frauenbildung GmbH gegründet und war, wie der Mallinckrodthof schon seit 1912, dem Reifensteiner Verband, der bis 1990 Frauen- und Mädchenschulen unterhielt, angeschlossen. Die Schule am Inselbad verfügte über einen großen Viehbestand, Felder und einen großen Garten. Über das Alltagsleben in der Schule haben wir nur wenige Informationen. Aufgenommen wurden junge Frauen, so genannte Maiden, Haushaltspflegerinnen und Lehrlinge. 1918 wurde das Haus als Lazarett genutzt. Nach Ende des Ersten Weltkrieges bekam die Schule weniger Anmeldungen als in den ersten Jahren. Startete sie im Gründungsjahr noch mit 40 Schülerinnen, waren es 1922 nur noch 28, fünf Jahre später 15, sie schrieb nur noch rote Zahlen. Die Schule reagierte noch mit neuen Kursangeboten, hatte kurzfristig mäßigen Erfolg, doch nicht auf Dauer: 1932 schloss sie endgültig ihre Felder und Lehrsäle. Nach der Schließung wurde das Haupthaus umgebaut und zum Teil als Wohnung genutzt, in einen anderen Teil zog eine Mädchenklasse der Landwirtschaftskammer und wurde nach 1945 zur Pädagogischen Akademie.