Blattgold auf Pflastersteinen beim Tatort Paderborn
Ausstellung macht ab 29. Mai die bundesdeutsche Eigenart Fußgängerzone erstmals zum Thema
„Tatort Paderborn 2014 – Phänomen Fußgängerzone“ heißt das temporäre Kunstprojekt, das Kurator Florian
Matzner in Paderborn vorbereitet. Eröffnung ist am 29. Mai 2014. Es ist die erste Ausstellung im öffentlichen Raum, die
die bundesdeutsche Eigenart Fußgängerzone zum Thema macht. Vor 60 Jahren wurde die erste Einkaufsmeile ohne Autoverkehr
in Deutschland eingeweiht. Heute ist im Herzen fast jeder Stadt eine zu finden, aber aus dem einstigen Erfolgsmodell
ist vielerorts eine Problemzone geworden. „Wir wollen mit Tatort Paderborn 2014 die konkreten städtebaulichen,
gesellschaftlichen und psychologischen Aspekte der Fußgängerzone hinterfragen“, erklärt Carsten Venherm,
Kulturdezernent der Stadt Paderborn. Themen wie Konsum und Kaufrausch liegen hier nahe, aber auch bewusster
Konsumverzicht ist ein Thema, ebenso wie die Trennung von Arbeit, Wohnen, Einkaufen und Freizeit sowie deren
Folgen für die moderne Stadtgesellschaft.
Künstlerische Auseinandersetzung mit dem Zentrum der Stadt
Gemeinsam mit der Ausstellungsgesellschaft Paderborn hat Kurator Florian Matzner (München) vor allem Vertreterinnen
und Vertreter einer jungen, international agierenden Künstlergeneration eingeladen. Ihre Arbeiten werden als
Installation oder Performance, als Skulptur oder Intervention rund 100 Tage in der Innenstadt präsent sein. „Die Fußgängerzone
wird zu einer Art Bühne für aktuelle Kunst – anachronistisch und sinnfällig zugleich, gepaart mit einer
gehörigen Portion Witz und Provokation“, erklärt der Ausstellungsmacher, der 2010 und 2013 das große Kunstprojekt
Emscherkunst im Landschaftsraum zwischen Herne und Dinslaken kuratiert hat.
Baustelle Stadtvergoldung
Inspiriert vom rekonstruierten, in frischem Glanz erstrahlenden Barockaltar in der Marktkirche planen die Münchner
Künstlerinnen Verena Seibt und Clea Stracke eine performative Arbeit. Ihr fiktives Ziel: die Vergoldung der gesamten
Innenstadt. Real (und symbolisch) werden die Arbeiten an einem Stück Pflaster von etwa einem Quadratmeter in der
Fußgängerzone „beginnen“. Nach historischem Vorbild und in akribischer Handarbeit wird hinter mobilen Baustellenzäunen
gearbeitet, die anschließend entfernt werden. „Wir sind neugierig, wie die Menschen damit umgehen werden
und wie schnell die Spuren des Gebrauchs, des Darüberlaufens, des Wetters, der Zeit den goldenen Boden abtragen
werden“, sagte Verena Seibt bei der Projektvorstellung.
Lichtbringer mit Münzeinwurf
Die Frankfurter Künstlerin Silke Wagner entwickelt für Tatort Paderborn 2014 eine große Neon-Arbeit in Form eines
stilisierten Pfaus. Der imposante Vogel ist ein Sinnbild für Schönheit, Reichtum und Unbestechlichkeit, steht aber auch
für Dekadenz, Arroganz und Eitelkeit. In Paderborn ist er – einer kirchlichen Erzählung zufolge – zudem ein wichtiges
Symbol der Stadtgeschichte. Das Kunstwerk wird an einer Fassade der Innenstadt hängen. Es ist mit einem Münzautomaten
verbunden und wer Geldstücke einwirft, kann die Skulptur schrittweise, für eine bestimmte Zeit zum Leuchten
bringen. Das Geld wird einem gemeinnützigen Zweck zugeführt. „Die Fußgängerzone ist von Werbeflächen und kaum
zu bewältigenden Bilderfluten dominiert. Meine Arbeit präsentiert sich vordergründig im Modus von Konsum und
Unterhaltung, verweigert sich aber einer Vereinnahmung auf inhaltlicher Ebene“, erläutert Silke Wagner ihre Intention.
„Kunst im öffentlichen Raum muss die Gefahr reflektieren, nur noch als Teil der Innenstadtdekoration und des
Stadtmarketings wahrgenommen und vereinnahmt zu werden.“
Die eingeladenen Künstler_innen
In den kommenden Wochen werden auch die weiteren Teilnehmer_innen des Kunstprojekts und deren Arbeiten der
Öffentlichkeit vorgestellt. Es sind Markus Ambach (Düsseldorf), Benjamin Bergmann (München), Claudia Brieske (Berlin),
dilettantin produktionsbüro (Bremen), Dorothee Golz (Wien), Christian Hasucha (Berlin), M+M, Martin De Mattia
und Marc Weis (München), Ooze Architects (Rotterdam), Huang Yong Ping (Paris), Raum für Kunst (Künstlerkollektiv
Paderborn), Verena Seibt und Clea Stracke (Köln/München), Silke Wagner (Frankfurt).
Breit angelegtes Vermittlungsprogramm
Das Kunstprojekt Tatort Paderborn 2014 will das Nachdenken über den öffentlichen Raum befördern, deshalb wird
zurzeit ein breitangelegtes Vermittlungsprogramm vorbereitet. Es werden „Art Scouts“ im Stadtraum und an den
Kunstwerken den direkten Kontakt zum Publikum suchen. Geplant sind Künstlergespräche und es gibt eine Kooperation
mit dem Fachbereich Kunstpädagogik der Universität Paderborn. Studierende werden ein eigenes Ausstellungprojekt
entwickeln. Eine Dokumentation von Tatort Paderborn 2014 mit Präsentation der einzelnen Künstler_innen und
ihrer Projekte ist während des Ausstellungszeitraums in der Städtischen Galerie am Abdinghof zu sehen.
Temporäre Kunstprojekte im Zentrum von Paderborn
Die Stadt Paderborn engagiert sich seit 2003 mit temporären Kunstprojekten im öffentlichen Raum ihrer Innenstadt.
2003 fand das „Lichtszenario Stadtmauer Paderborn. 7 Türme – 7 Lichter“ statt, an dem sich acht internationale
Künstler beteiligten. Es ging darum, die durch die neuzeitliche Stadtentwicklung weitgehend verschwundene Stadtmauer
wieder ins Bewusstsein zu rufen. Beim ersten Kunstprojekt mit dem Titel Tatort Paderborn beschäftigten sich
2007 zwölf Künstler_innen aus Japan, Dänemark, den Niederlanden und ganz Deutschland mit den verwobenen Spuren
„Irdischer Macht und Himmlischer Mächte“. Tatort Paderborn 2014 setzt die künstlerische Auseinandersetzung
mit dem öffentlichen Raum der Stadt fort.
Fotos zum Download: www.tatort-paderborn.com, Presse, Pressebilder