„Eine neue Stadt entsteht“
Wiederaufbautagung in Paderborn
Die Städte in Deutschland sind im Zweiten Weltkrieg in starkem Ausmaß zerstört worden. Für den Wiederaufbau nach Kriegsende haben die Städte unterschiedliche Entscheidungen getroffen. In einigen Kommunen haben die Planer die Notlage als Chance für einen neuen, modernen Städtebau genutzt, anderswo haben sich die Verantwortlichen an den erhaltenen Strukturen und Gebäuden orientiert. Diese unterschiedlichen Planungskonzepte des Wiederaufbaus in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 stehen im Fokus der Tagung „Eine neue Stadt entsteht“, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zusammen mit der Stadt Paderborn am Freitag, 21. März, und Samstag, 22. März, ausrichtet. Die zweitägige Veranstaltung mit den neuen Erkenntnissen möchte neben Fachleuten alle Interessierten begeistern. Auf dem Programm stehen unter anderem Themenführungen durch die Innenstadt, ein Vortrag über die bauliche Entwicklung des Paderquellgebiets sowie eine Abendveranstaltung mit der Präsentation des Films „Ein Gang durch die zerstörte Stadt“.
Aus der Sicht von Bürgermeister Heinz Paus ist Paderborn genau der richtige Ort für eine Tagung zum Wiederaufbau: „Die Stadt Paderborn war noch in den letzten Kriegstagen massiv durch Luftangriffe von Zerstörungen betroffen“, berichtet Paus. „Man hat hier mit dem Wiederaufbau eine große städtebauliche Leistung erbracht und beispielsweise die Grünanlage des Paderquellgebietes als Naherholungsgebiet für die Stadtbevölkerung geschaffen. Für uns ist der Wiederaufbau nach 1945 ein wichtiges Thema, denn die Wiederaufbauentscheidungen der 1950er und 60er Jahre prägen heute das Bild unserer Stadt.“
Die Veranstaltung startet am Freitagmorgen mit einer Reihe von Vorträgen. Am Nachmittag haben die Teilnehmer dann bei unterschiedlichen Themenführungen die Gelegenheit, die Stadt Paderborn näher kennenzulernen. Die Abendveranstaltung wird mit dem Amateurfilm „Ein Gang durch die zerstörte Stadt“ von Dr. Joseph Mertens Einblick in das Jahr 1946 in Paderborn geben. Prof. Barbara Stambolis richtet anschließend im Rahmen ihres Vortrags mit dem Titel „Heimat(t)räume“ den Blick auf die Menschen, die die Zerstörungen der Stadt und den Wiederaufbau persönlich erlebt haben. Am Samstag stellt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Bettina Heine-Hippler die planerischen Überlegungen für den Wiederaufbau in Paderborn vor. Mit Siegen und Nürnberg werden außerdem vergleichbare Konzepte vorgestellt. Um 12 Uhr endet die Tagung mit einer Abschlussdiskussion. Moderiert wird die Veranstaltung von Architekturkritiker und Publizist Dr. Dieter Bartetzko.
„Die Nachkriegsbauten und die städtebaulichen Strukturen, die beim Wiederaufbau angelegt wurden, stehen heute immer häufiger im Zentrum von Diskussionen zur aktuellen Stadtentwicklung“, sagt LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Markus Harzenetter. „Die Denkmalpfleger betrachten die Bauten der Wiederaufbauzeit mittlerweile aus einer zeitlichen Distanz als historische Zeitschicht und stellen sich die Frage, welche dieser Gebäude Denkmäler sind. Uns ist es daher ein wichtiges Anliegen, die architektonischen und städtebaulichen Qualitäten dieser Zeit herausstellen“, so Harzenetter weiter.
Claudia Warnecke, Technische Dezernentin der Stadt, hofft, dass viele Paderborner Bürger die Veranstaltung besuchen: „Die Geschichte und die Ergebnisse des Wiederaufbaus in Paderborn nach dem Zweiten Weltkrieg bilden einen Schwerpunkt der Tagung. Auch das Führungs- und Filmprogramm ist eine gute Gelegenheit für die interessierten Paderborner, mehr über die baukulturelle Geschichte ihrer Stadt zu erfahren.“