„Die wahre Kunst der Erinnerung ist die Kunst der Aufmerksamkeit“
Gedenkstunde am jüdischen Mahnmal „An der alten Synagoge“
Am Sonntag, 9. November, wurde der ermordeten Paderborner Jüdinnen und Juden gedacht. „Es ist die Erinnerung an einen zutiefst bedrückenden Teil der Geschichte unseres Landes, unserer Stadt, die uns heute hier zusammenführt“, so Bürgermeister Michael Dreier vor rund 120 Anwesenden, die sich zur Gedenkfeier „An der alten Synagoge“ versammelt hatten. Gemeinsam mit Landrat Manfred Müller legte er einen Kranz am Mahnmal nieder. Auch Monika Schrader-Bewermeier, katholische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn, Tanja Rubens, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn und Klemens Thiemann, Präsident des Landgerichts sprachen in der Gedenkstunde. Den musikalischen Rahmen gestaltete ein Vokalensemble unter der Leitung von Constanze Pitz.
Am Abend des 9. November 1938 und in den Tagen darauf zeigte sich das Naziregime in der Weltöffentlichkeit deutlich als Regime des Terrors. In fast allen deutschen Städten wurden jüdische Häuser geplündert, jüdische Mitbürger misshandelt, verhaftet und in Konzentrationslager gebracht. Institutionen, deren ureigenste Aufgabe es war, für Recht und Bürgerrechte einzustehen, beteiligten sich an diesem unbeschreiblichen und menschenverachtenden Unrecht. „Gewalt, Plünderung, Brandstiftung und Mord – all das geschah auch auf unseren Straßen und Plätzen. Es geschah auf den Straßen und Plätzen, auf denen wir uns heute täglich bewegen“, so Dreier in Anwesenheit von Vertretern aus Rat und Verwaltung und mahnte: “Wir können die unfassbaren persönlichen Schicksale, die unbeschreiblichen Ängste und die tiefe Trauer der Menschen, Familien und Freunde nur erahnen, die sich hinter diesem Namen verbergen. Die Gedanken daran machen mich noch heute fassungslos. Mit der Teilnahme an dieser Gedenkstunde, wollen Sie, wollen wir gemeinsam ein Zeichen setzen. Ein Zeichen des Trauerns, des Mitgefühls, aber auch ein Zeichen gegen das Vergessen und für die Versöhnung.“
Während der Veranstaltung verlasen Studierende des Westfalenkollegs die Namen der ermordeten Paderborner Jüdinnen und Juden und machten damit auf schlichte aber eingehende Art und Weise auf das Schicksal jedes einzelnen Opfers aufmerksam. Die wahre Kunst der Erinnerung sei die Kunst der Aufmerksamkeit, zitierte das Stadtoberhaupt den englischen Sprachforscher Samuel Johnson und verdeutlichte, wie wichtig Zivilcourage und Mut im Alltag seien. Monika Schrader-Bewermeier mahnte zu einem verantwortlichen Umgang mit den Problemen unserer Zeit so wie auch Tanja Rubens, die sich in ihrer Gedenkrede besorgt über den immer noch spürbaren Antisemitismus in der Welt äußerte.