Tag des Betreuungsrechts

Alternativen zur gesetzlichen Betreuung im Paderborner Rathaus aufgezeigt

© Stadt PaderbornDSC_6734.JPG, Ines Wäntig, Paderborn

Alternativen zur gesetzlichen Betreuung war das Thema beim diesjährigen Betreuungsrechtstag im Paderborner Rathaus. Er fand bereits zum vierten Mal statt. Bei der diesjährigen Auflage präsentierten die Betreuungstellen der Stadt und des Kreises Paderborn sowie das Amtsgericht neben Vorträgen eine Info-Börse, auf der etwa 20 Institutionen, Vereine und Einrichtungen ihre Angebote zeigten.

Jedem erwachsenen und gesunden Menschen kann es passieren. dass er durch Unfälle oder Krankheiten, nicht mehr selbst über sein Leben bestimmen kann. Aber wer ist dann rechtlich dazu befugt? Daher ist es wichtig, sich im Vorfeld Gedanken zu machen und mit vertrauten Menschen darüber zu sprechen. Für diese Art der Vorsorge gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten, die auch nebeneinander bestehen können: die Vorsorgevollmacht, die Betreuungsverfügung und die Patientenverfügung.

Bürgermeister Michael Dreier erinnerte in seinem Grußwort, dass Paderborn zwar eine junge Stadt sei, der demographische Wandel an Paderborn jedoch nicht vorbei gehe. Die Zahl der Menschen, die gesetzlich betreut werden, steige auch in Paderborn an. Die Frage nach Alternativen zur gesetzlichen Betreuung sei daher wichtig, diesem Thema könne nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Die Bedeutung der Alternativen zur gesetzlichen Betreuung hob Günter Köhne, Direktor der Amtsgerichtes Paderborn, in seinem Grußwort hervor. Mit dem diesjährigen Thema des Betreuungsrechtstages wolle man dem Rechnung tragen.

Im Anschluss an die Grußworte referierte Claudia Schultze, Richterin des Amtsgerichts Paderborn, über "Andere Hilfen aus Sicht der Justiz". Sie zeigte auf, dass es vielseitige Hilfen gibt, die eine Betreuung unter Umständen entbehrlich machen können. "Soweit eine rechtsgeschäftliche Vertretung erforderlich ist, stellt die einzige Alternative zur Betreuung eine Vorsorgevollmacht dar", so Schultze. Die Vorsorgevollmacht sei alltagspraktisch und setze jedoch Geschäftsfähigkeit voraus, das bedeute, dass die Vollmacht in guten, gesunden Tagen erteilt werden müsse.

Schultze führte an, das die Betreuungsbehörden verpflichtet sind, auch über andere Hilfen zu beraten. Dennoch zeige sich, dass die zur Verfügung stehenden Hilfen nicht ausreichen und rechtliche Betreuungen weiterhin erforderlich seien.

Stefan Amsbeck von der Betreuungsstelle des Kreises Paderborn unterstrich, dass die Vorsorgevollmacht ein wichtiger Baustein für ein selbstbestimmtes Leben sei. Er machte deutlich, dass jeder in die Lage kommen könne, wichtige Angelegenheiten nicht mehr selbstverantwortlich zu regeln. Hier sei die Vorsorgevollmacht wichtig. Dabei werden Vertrauenspersonen bevollmächtigt, die rechtlichen Angelegenheiten für den Betroffenen regeln zu können.

Intensiv informierte er auch über Betreuungs- und Patientenverfügungen. Mittels einer Patientienverfügung kann der Bevollmächtigte nach Beratschlagung mit einem Arzt über die Behandlung, Nichtbehandlung oder den Behandlungsabbruch für den Vollmachtgeber entscheiden. Weiterhin erläuterte er die Betreuungsverfügung.

Im Anschluss an die Vorträge öffnete der Marktplatz für "Andere Hilfen". Hier präsentierten sich: das Amtsgericht Paderborn, Betreutes Wohnen der Miteinander gGmbH, Betreutes Wohnen der Sozialpsychiatrischen Initiative PB e.V., Betreuungsstelle Kreis Paderborn, Betreuungsstelle Stadt Paderborn, Betreuungsverein der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Paderborn e.V., Betreuungsverein der Diakonie im Kirchenkreis Paderborn e.V., Betreuungsverein SKM - Katholischer Verein für soziale Dienste in Paderborn e.V., Fachbereich Ambulante Wohn- und Betreuungsformen, Caritas Wohn- und Werkstätten im Erzbistum Paderborn e.V., Gesundheitsamt/Sozialpsychiatrischer Dienst, Gesundheitsamt/Gerontopsychiatrische Beratungs- und Koordinierungsstelle, Pflegeberatungsstelle Kreis Paderborn, Hilfenetz im Pflegealltag, KIM-soziale Arbeit e.V., LWL Wohnverbund Paderborn, Verbraucherzentrale Paderborn und die Initiative "Zeitspende". Sie informierten über alternative und betreuungsvermeidende Hilfen. Die Besucher hatten hier die Möglichkeit zum direkten Austausch mit den Fachleuten der Organisationen.