Das Unternehmen Hella kommt im Stadtarchiv an

Chronik eines Arbeitslebens gesichert

© Stadt PaderbornPräsentation, Daniel Höing, Stadtarchiv
© Stadtarchiv Paderborn, S1/100 / HölscherHella-Lehrwerkstatt
© Stadtarchiv Paderborn, S1/100 / HölscherBetriebsausflug

Um einen seltenen Zugang reicher geworden ist das Stadtarchiv Paderborn - denn Aufzeichnungen aus Wirtschaftsunternehmen bilden hier eher die Ausnahme. Bernd Hölscher, langjähriger Mitarbeiter im Unternehmen Hella, hat dem Stadtarchiv seine umfangreiche Sammlung über sein Arbeitsleben überlassen.

Bernd Hölscher war 49 Jahre am damaligen Hella-Standort in Paderborn beschäftigt, 1960 begann er in dem Unternehmen die Lehre zum Werkzeugmacher. „Als ich 25 Jahre bei Hella gearbeitet hatte, das war im Jahr 1985, fiel in Unterhaltungen im Kollegenkreis immer öfter der Satz: „Weißt Du noch damals, wie es war - das müsste man eigentlich alles einmal aufschreiben.“ Das waren für Bernd Hölscher die Schlüsselmomente, die seiner Sammeltätigkeit den Startschuss gaben. Zielstrebig begann er damals mit dem Zusammentragen von Schriftstücken und Fotos aus seinem Arbeitsumfeld und kam so im Laufe der Jahre auf eine erstaunliche Materialfülle, die heute 25 Archivkartons füllt. Kollegen und Kolleginnen unterstützten ihn dabei und steuerten manches Prospekt, Kataloge oder Bilder zu seiner Sammlung bei. Wolfram Czeschick vom Stadtarchiv: „Alles wurde akribisch auf der Zeitschiene geordnet, beschriftet und mit Seitenzahlen versehen. So entstand diese reichhaltige Sammlung, die das Arbeitsleben aus einer Binnensicht über nahezu ein halbes Jahrhundert bei einem ehemals großen Paderborner Betrieb in vielen Facetten spiegelt.“ „Ich habe versucht, Personen, Produkte und Arbeitsbedingungen wiederzugeben“, so Bernd Hölscher, als er jetzt seine Sammlung dem Stadtarchiv übergab.

Hier kann man nun nachlesen, dass der Startschuss für das Hella-Werk Paderborn 1955 auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Mönkeloh stattfand, dass der Lehrlingsausflug 1964 zur „Porta Westfalica“ ging, dass die Firma Hella 1965 ihren Beschäftigten eine Beihilfe von sieben Deutsche Mark pro Haushaltsmitglied für die Einkellerung von Kartoffeln zahlte. Weitere Fotos und Zeitungsberichte dokumentieren den Millionenschaden, der dem Unternehmen im Jahre 1969 durch ein Großfeuer entstand. Zwei Fotos zeigen spanische Gastarbeiter 1973 in ihrer Unterkunft, und auch ein Streik im Jahre 1973 ist dokumentiert: Die ausländischen Arbeitnehmer forderten den gleichen Lohn wie ihre deutschen Kollegen ein, den sie schließlich erhielten. Weiterhin gibt es Fotos von Weihnachtsfeiern zwischen Werkzeugmaschinen und Jubiläums- und Lossprechungsfeierlichkeiten. Und immer wieder wird das Werk erweitert und die Produktpalette überarbeitet. Bernd Hölscher ist zwischendurch für Hella über Monate im Ausland tätig, beispielsweise in Spanien und den USA. Auch die Entstehung des letzten großen Werkneubaus ist dokumentiert bis sich die Firma endgültig von Paderborn verabschiedet. „Bernd Hölschers Werk ist eine wahre Fundgrube“, freut sich Carsten Venherm, I. Beigeordneter, über die akribische Sammelleistung.