Modellvorhaben "Baukultur"

Stadtspaziergänge und Vortrag

Im Zuge des Modellvorhabens "Baukultur", an dem sich die Stadt Paderborn beteiligt, finden verschiedene Veranstaltungen im Rahmen des VHS-Programms statt.

Am Freitag, 19. September, lädt der ehemalig Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes, Walter Brinkmann, zu einem Stadtspaziergang zum Thema „Wiederaufbau Paderborn 1949 bis heute“ von 17 bis 18.30 Uhr ein. Treffpunkt ist vor der Herz-Jesu-Kirche am Westerntor. Am Samstag, 20. September, wird Walter Brinkmann von 11 bis 12.30 Uhr das Thema „Urbane Wasserlandschaft/Leben über dem Wasser“ behandeln. Treffpunkt für diesen Rundgang ist der Parkplatz vor dem Rolandsbad. Außerdem hält er den Vortrag „Bauprojekt der 70er Jahre – Königsplätze“ am Donnerstag, 25. September, von 19.30 Uhr bis 21 Uhr in der Innenstadt-Werkstatt, Königsstraße 13. Die Teilnahme an den Rundgängen und der Eintritt zum Vortrag ist frei. Anmeldungen sind unter der Rufnummer 05251/881229 erforderlich.

Der historische Hintergrund des Spaziergangs am 19. September sind die verheerenden Bombardements Ende des zweiten Weltkriegs, die 85 Prozent der Stadt zerstörten. Da Stadtstrukturen wie Parzellierungen und Straßenräume kaum noch erkennbar waren und die Straßen mit Trümmern übersät waren, dachten die Planer darüber nach, das Stadtzentrum an anderer Stelle westlich der Stadt neu zu errichten. Dem stand der verbreitete Wunsch der Bevölkerung entgegen, "ein bestimmtes, sehr vertrautes und sehr geliebtes Gebäude" oder auch Teile eines traditionsreichen Altstadtbildes wiederherzustellen. Die damaligen Stadtplaner überzeugten letztlich mit dem Konzept einer großräumigen Umgestaltung und Modernisierung der Altstadt unter Beibehaltung wesentlicher Teile des historischen Stadtgrundrisses.

Die Pader steht im Mittelpunkt des Rundgangs am 20. September. Mitten im Herzen der alten Kaiser- Bischofs und Hansestadt entspringt am Fuß eines Geländesprungs unterhalb des Domes die Pader. Rund 200 Quellen speisen die sechs Quellarme, und fördern mit 5.000 Litern pro Sekunde soviel Wasser, dass früher bereits 300 Meter nach den Quellen vier Mühlen betrieben werden konnten. Der reiche und stabile Wasserzufluss und die unmittelbare Verfügbarkeit von Baumaterialien aus benachbarten Kalksteinbrüchen waren vorzügliche Standortqualitäten zur Gründung einer Stadt. So entstand vor über 1000 Jahren ein Siedlungskomplex mit engem Nebeneinander von Wohngebäuden in der Oberstadt sowie wasserabhängigen Gewerken und bewässerten Acker- und Weideflächen in der Unterstadt. Der Ortsname "Padrabrunno" wurde wohl vom Flussnamen abgeleitet und bedeutet soviel wie "Siedlung an den Quellen des Flusses Pader".
Der Spaziergang startet auf dem Parkplatz vor dem Rolandsbad. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Hintergrund des Vortrags am 25. September ist die Neugestaltung der Königsplätze. Die Stadt Paderborn strebt in Zusammenarbeit mit der Standortgemeinschaft Königsplätze Paderborn e.V. auf Grundlage eines Wettbewerbsverfahrens eine Neustrukturierung und Belebung dieses innerstädtischen Quartiers an. Mehr als 40 Jahre nach der Erstellung dieses Komplexes mit Tiefgarage, Busbahnhof und einer ausgedehnten Fußgängerebene ist vielen Bürgerinnen und Bürgern die Entstehungsgeschichte der Königsplätze mit ihren ursprünglichen Zielsetzungen und Konzeptionen nicht mehr präsent. Die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung bietet die Gelegenheit zu einem Rückblick in Gegenüberstellung zum aktuellen Planungsstand auf das "Verkehrsbauwerk" im Herzen der Stadt.