Auswahlorchester „Wind Machine“ bringt feinsten Bigband-Jazz nach Paderborn
Kooperation mit der Städtischen Musikschule Paderborn
Für Bigband-Musik in bester handwerklicher Manier steht das Jugendjazzorchester Niedersachsen „Wind Machine“, das am Freitag, 28. August, erstmals in Paderborn gastieren wird. Die Auswahl der besten jugendlichen MusikerInnen des Nachbarbundeslandes gibt um 20 Uhr ein Konzert unter dem Motto „Die große Kunst des Solos“ im Großen Saal der Kulturwerkstatt. Möglich gemacht wird das Gastspiel durch die Kooperation mit der Städtischen Musikschule Paderborn und deren beiden vom Musikpädagogen Reiner Franzke geleiteten Bigbands „Sunday Orchestra“ und „Mardi Jazz Band“. Zwischen den Paderbornern und den Gästen aus Niedersachsen wird es tagsüber auch eine workshopartige musikalische Begegnung geben. Der Eintrittspreis für das Konzert beträgt 9,50 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Karten gibt es jetzt beim Ticket-Center, Marienplatz 2a, 33098 Paderborn, Tel. 05251/299750, Fax 05251/2997529, Mail ticketpaderhallede.
Die Verbindungen zwischen Paderborn und den Gästen aus Niedersachsen haben Historie: Der Schon-Immer-Paderborner Reiner Franzke hatte früh in seiner musikalischen Biografie die Fühler nach Niedersachsen ausgestreckt und sich zu einer Zeit, in der die „Jazzpädagogik“ in Deutschland fast noch ein Fremdwort war und die Musikhochschulen sich ausschließlich der hehren „Klassik“ widmeten, Anregungen als Gasthörer in der Bigband der Musikhochschule Hannover geholt, ein Pionierwerk des berühmten Jazzlehrers Joe Viera. Durch diese Besuche kam er damals sowohl mit dem Trompeter Bernhard Mergner als auch mit dem Pianisten Johannes Klose zusammen. Mergner ist heute mittlerweile Professor an der Musikhochschule Weimar und leitet diverse Jazzorchester, unter anderem die Niedersachsen-Auswahl „Wind Machine“. Klose arbeitet heute als Bildungsreferent an der Landesmusikakademie Niedersachsen und wirkt dort als organisatorischer Kopf des Landesjugendjazzorchesters. Reiner Franzke ergänzt: „Schön, dass wir Professor Mergner jetzt mit einem eigenen Ensemble werden erleben können, hat er uns doch schon mehrfach als Workshopdozent beim Aufbau dessen geholfen, was wir heute hier in Paderborn laufen haben.“
Das Jugendjazzorchester Niedersachsen „Wind Machine“ konzentriert sich nach einer umjubelten China-Tournee im Oktober 2013, vielen 25-Jahre-Jubiläumskonzerten mit namhaften Gastsolisten im September 2014 und einer erneuten Einladung nach Sibirien und Moskau im November 2014 im Arbeitsjahr 2015 wieder ganz auf seine Heimat.
Der jugendliche Talentschuppen begeistert mit seinem natürlichen, unverstärkten Sound. Die Bigband versammelt die besten Jazznachwuchskünstler des Landes, die alljährlich im Rahmen eines zweitägigen intensiven Workshops ausgewählt werden. Die Konzerte bilden den Abschluss der bereits am 21. August beginnenden Sommerarbeitsphase 2015.
Aktuelles Motto ist „Die große Kunst des Solos“, wobei sowohl der solistische Vortrag einer Melodie, etwa einer Ballade, als auch das inspirierte und bewegte Improvisieren über das Tragwerk der Rhythmusgruppe berücksichtigt werden. Kein anderes Ausdrucksmittel kennzeichnet das Wesen des Jazz besser als das gespielte oder gesungene Solo. Die individualisierte und personalisierte Spielweise manifestiert sich nirgends so stark wie im solistischen Vortrag. Der unverwechselbare Charakter der Musikerpersönlichkeit im Jazz macht sich fest an seiner Art und Weise, Soli zu gestalten. Zeugnis dessen ist unter anderem der erstaunliche Sachverhalt, dass der Musikfan Klassik-Tonträger in der Regel nach den darauf befindlichen Komponisten sortiert, Jazz-Schallplatten und –CDs jedoch nach den Namen der Interpreten.
„Die große Kunst des Solos“ verlangt ein improvisatorisches Vokabular, das heutzutage zu den Anforderungen an einen Jazzprofi gehört und in jedem ernsthaften Jazzstudiengang als Pflichtfach verankert ist. Das Solo im Kontext des Jazzorchesters stellt einen besonders interessanten Sonderfall dar, es entsteht eine Spannung zwischen individueller Gestaltungsfreiheit des Solisten und der rundum geforderten orchestralen Geschlossenheit und Disziplin. Bedeutende Big Bands sind hier ganz unterschiedliche Wege gegangen. Duke Ellington beispielsweise hat seine Solisten oftmals in den Mittelpunkt seiner Kompositionen gerückt und deren persönliche Sprache zum Kennzeichen bestimmter Titel gemacht. Andere Orchesterleiter betonen die Qualität des klingenden Tutti und geben den einzelnen Solisten untergeordnete Funktionen. Das Jugendjazzorchester Niedersachsen WIND MACHINE will in seinem Programm den unterschiedlichen Ausprägungen der Begegnung Orchester – Solist nachgehen und eine Reihe kennzeichnender und überzeugender Werke präsentieren.
In einem Vierteljahrhundert Orchestergeschichte haben knapp 250 junge Talente im Ensemble mitgespielt, 56 Arbeitsphasen absolviert und mehr als 300 Konzerte gegeben. Neben traditionellen und avantgardistischen Meilensteinen der Bigband-Geschichte (Count Basie, Neil Hefti, Sammy Nestico, Duke Ellington, Thad Jones, Bob Mintzer, Don Sebesky) liegt ein Schwerpunkt des Programms auf Kompositionen niedersächsischer Autoren, darunter viele ehemalige (und auch aktuelle) Mitglieder des Orchesters wie Jürgen Friedrich, David Grottschreiber, Stefan Schultze und Niels Klein, dem aktuellen Leiter des Bundesjazzorchesters BuJazzO.
WIND MACHINE steht unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und genießt Unterstützung durch die Musikförderung des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in Niedersachsen. Das Orchester wurde 1989 vom Landesmusikrat Niedersachsen e.V. gegründet und wechselte mit Beginn des Jahres 2011 zur Landesmusikakademie Niedersachsen gemeinnützige GmbH, die institutionell vom Land Niedersachsen, Ministerium für Wissenschaft und Kultur, gefördert wird.