„IMFLUSS Lippe – Kultur- und Naturgeschichte einer Flusslandschaft“

Ausstellungsprojekt im Museum im Marstall Schloß Neuhaus

Am 16. und 17. Juli des Jahres 1965 wurde das obere Lippegebiet von einem Katastrophen-hochwasser heimgesucht. Im Sommer 2015 wird zum 50. Jahrestag der sogenannten Heinrichtsflut in der Galerie des Rathauses der Stadt Lippstadt sowie in den Paderborner Ausstellungsräumen im Rundbogen des Marstalls Schloß Neuhaus eine natur- und kulturgeschichtliche Ausstellung gezeigt. Der Ausstellungsteil in Schloß Neuhaus wird am Freitag, 24. Juli, um 19 Uhr im Schloss Neuhaus eröffnet. Dazu sind alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro oder ermäßigt 1,50 Euro. Kinder unter 12 Jahren und Schulklassen zahlen kein Eintrittsgeld. Highlight des Ausstellungsprojekts ist unter anderem ein Hochwassermodell von Schloß Neuhaus. Es zeigt die Hochwassersituation im Jahr 1965 im Ortskern. Die Ausstellung in Paderborn ist bis zum 4. Oktober geöffnet.

Das Hochwasserereignis von 1965, welches in der Region Ostwestfalen elf Todesopfer gefordert hat, war für die Entwicklung des Hochwasserschutzes prägend. Eine umfangreiche museale Darstellung hat bislang noch nicht stattgefunden. Die Ausstellungen in Lippstadt und Schloss Neuhaus sind ein Kooperationsprojekt der Städte Paderborn und Lippstadt, der Bezirksregierungen Detmold und Arnsberg und des Wasserverbandes Obere Lippe. Sie werden gefördert vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Heimatbund Lippstadt sowie dem Förderkreis Historisches Museum im Marstall Paderborn.

Die Ausstellung „IMFLUSS“ rückt die Hochwasserkatastrophe in den Mittelpunkt der musealen Präsentation. Sie war ein prägendes Ereignis für die gesamte Region und ist durch umfangreiches Bild- und Filmmaterial gut dokumentiert. Die hohen Sachschäden und zahlreichen Todesopfer führten zu einer Intensivierung des Hochwasserschutzes mit umfangreichen Baumaßnahmen der Wasserwirtschaft, die das Landschafts- und Stadtbild bis heute prägen. Die Hochwasserereignisse und der Hochwasserschutz rückten in das Bewusstsein der Menschen. Anhand von Modellen und interaktiven Karten werden Hochwasserereignisse simuliert und die Besucher über aktuelle Hochwassergefährdungssituationen informiert.

Die „Heinrichtsflut“ war kein singuläres Ereignis. Sie wird in den größeren kulturhistorischen Kontext von Hochwasserereignissen eingebettet, die die Gefährdungen aber auch die wirtschaftlichen Potentiale einer Besiedlung der Flusslandschaft deutlichen machen. So wird die Kulturgeschichte der Flusslandschaft von den Quellen bis zur Mündung in den Blick genommen und wirtschaftshistorische, siedlungsgeschichtliche und naturhistorische Perspektiven aufgegriffen. Fragen des Natur- und Umweltschutzes wie die Renaturierung von Flussläufen zeigen einen aktuellen Gestaltungsraum auf. Die Renaturierung der Lippe im Bereich Tallehof wird exemplarisch für die Verbindung von Hochwasserschutz und Naturschutz vorgestellt. Am Beispiel von typischen Tier- und Pflanzenarten werden die neuen Lebensräume, die sich durch die Dynamik der renaturierten Lippe bilden, in Kooperation mit dem Naturkundemuseum im Marstall von Schloß Neuhaus erläutert.