Historische Entdeckung am Paderborner Hauptbahnhof
Seit Anfang 2014 untersucht Dr. Heinrich Otten Baudenkmäler der Stadt
Seit Anfang 2014 untersucht Dr. Heinrich Otten von der Stadt Paderborn Baudenkmäler in der Paderstadt. Ziel der Untersuchungen ist eine attraktive Publikation, die unter dem Namen Denkmaltopographie alle Objekte in Wort und Bild vorstellt. Bei näherem Hinschauen auf die Baudenkmäler ergeben sich zwar laufend offene Fragen, aber auch neue Erkenntnisse. Wie zurzeit über die elf Gusseisen-Säulen auf Bahnsteig 1 am Hauptbahnhof, über die bislang noch wenig bekannt ist. Sie stehen unter Denkmalschutz und tragen ein Bahnsteigdach, welches nach dem zweiten Weltkrieg neu aufgelegt wurde. Herr Otten erkannte bei einer Untersuchung, dass zwei Säulen anders sind. Das Kopfstück dieser beiden Säulen, auch Kapitell genannt, ist kompakter und weniger detaillierter. Im Vergleich besitzen die übrigen neun Säulen viel feinere Kapitelle mit plastischen Blättern und könnten somit jüngeren Datums sein.
Bei einem Blick über den Bahnsteig fiel dem Fachmann ein Mauerstück des Bahnhofs auf. Dieses tritt leicht auf den Bahnsteig vor und zwar genau dort, wo die älteren Säulen stehen. Ob es sich dabei um einen Zufall handelt, zeigten die Bauakten: Der Bauabschnitt mit den Bahnhofstoiletten ist das westliche Mauerwerk des historischen Bahnhofs aus dem Jahr 1850. Die beiden Eisensäulen, die davor auf dem Bahnsteig stehen, sind Reste des ersten Bahnsteigdachs und befinden sich seit wohl 165 Jahren genau dort. Die anderen neun Säulen haben, vermutlich mit der Erweiterung des Bahnhofs im Jahr 1907, das Bahnsteigdach später nach Westen vergrößert.
Ebenfalls zeigen die Bauakten, dass beim Wiederaufbau im Jahr 1962 des ehemaligen Wartesaals, das Mauerwerk des alten Bahnhofs verwendet wurde. Heute befindet sich dort eine McDonalds-Filiale. Unter dem Putz von 1962 sind feine Risse erhalten, welche die alten Rundbögen zeigen. Außerdem legt ein fehlendes Stück Putz eine Wandfläche von 1850 frei. Das gesamte Erdgeschoss-Mauerwerk des alten Bahnhofs mit zwölf rundbogigen Öffnungen könnte verborgen erhalten sein.
In ähnlicher Weise werden bei der Bearbeitung der Denkmaltopographie laufend neue Erkenntnisse gewonnen, die in das 2017 oder 2018 erscheinende Buch einfließen werden.