Modellprojekt in Paderborn

"Daumen hoch" für Verbraucherschulen

© Verbraucherzentrale NRWGruppenfoto, Petra Maier

Ein „Zeugnistag“ der besonderen Art stand bei zwei Schulen im Stundenplan: Die Gesamtschulen Paderborn-Elsen und die Erich-Kästner-Gesamtschule Bünde stellten NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann vor, was sie im Modellprojekt „Verbraucherbildung“ bewegen. Vom Videofilm zur Lebensmittelverschwendung über den Abfallparcours bis hin zum Umgang mit Geld zeigten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den Lehrkräften, wie Kompetenzen für den Konsumalltag fächerübergreifend vermittelt werden. Damit diese Aktivitäten auch andernorts Schule machen können, loteten sie bei einer Diskussionsrunde gemeinsam mit der Ministerin und den Projektbeteiligten von der Universität Paderborn und der Verbraucherzentrale NRW notwendige Unterstützung und Verankerung aus.

Seit August 2013 beteiligen sich die Gesamtschule Paderborn-Elsen und die Erich-Kästner-Gesamtschule in Bünde an einem von der Verbraucherzentrale NRW initiierten Projekt, das Verbraucherbildung in die Schulen bringen soll. Unterstützt durch das Schulministerium NRW, finanziert durch die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz und wissenschaftlich begleitet durch die Universität Paderborn wurden Unterrichtseinheiten und -materialien entwickelt und erprobt, um Schüler fit für den Konsumalltag zu machen. Beim Besuch von Schulministerin Sylvia Löhrmann wurden nun beispielhafte Aktivitäten vorgestellt – und erste Bildungsbilanz gezogen.
„Beide Schulen zeigen in hervorragender Weise, wie Verbraucherbildung fächerübergreifend gelingen kann“, lobte Löhrmann das große Engagement der Lehrkräfte und Schulleitungen. Hier würde echte Pionierarbeit geleistet, um den Umgang mit Geld, den privaten Konsum, die eigene Ernährung auch unter dem Gesichtspunkt von Nachhaltigkeit in den Unterricht zu integrieren. Kinder und Jugendliche könnten so lernen, ihre Rolle als Konsumentinnen und Konsumenten kritisch zu betrachten, so die Ministerin.

Die Gesamtschule Paderborn-Elsen bietet seit 2011 das Fach Arbeitslehre/Hauswirtschaft mit dem Schwerpunkt „Ernährung, Konsum, Gesundheit“ als Wahlpflichtfach an. „Dank enger Kooperation mit der Universität Paderborn haben wir ein erfolgreiches Projekt zur Förderung von Finanzkompetenzen auf den Weg gebracht. Bei der Frage ‚Wenn ich einmal reich wär – Macht Geld glücklich?‘ setzten sich Schülerinnen und Schüler mit Konsumwünschen, Lockvögeln und Marketingstrategien auseinander“, berichtete Schulleiterin Annegret Greipel-Bickel und betonte, dass hiermit Grundlagen für eine verantwortungsvolle Lebensführung gelegt würden. Beim Abfallparcours in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale NRW konnten die Gesamtschüler im Mai 2014 erfahren, wie Müll richtig getrennt wird. Außerdem haben sich Schülerinnen und Schüler der siebten Jahrgangsstufe im Rahmen eines Videoprojekts mit dem Thema Wertschätzung und Verschwendung von Lebensmitteln auseinandergesetzt.

„Wir setzen im Bereich Verbraucherbildung Akzente beim Thema Konsumkritik. So etwa über die Initiative ‚Art at Work‘, die in einem Zelt eine chinesische Bekleidungsfabrik simuliert. Die Jugendlichen erfahren so hautnah, was es heißt, 14 bis 16 Stunden zu arbeiten, damit man in Deutschland T-Shirts für fünf Euro kaufen kann“, berichtete Anke Stuke, Schulleiterin der Erich-Kästner-Gesamtschule in Bünde. Junge Menschen in ihrer Handlungsfähigkeit als selbstbestimmte Konsumenten zu stärken, sei zentrales Anliegen der verbraucherbildnerischen Aktivitäten in Bünde.

Beide Schulen planen, Verbraucherbildung langfristig in ihr Schulprofil zu übernehmen.

Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies vom Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit der Universität Paderborn begleitet die Schulen eng bei der didaktischen Umsetzung und gewinnt aus deren praktischen Erfahrungen Impulse für die Lehreraus- und -fortbildung. „Wir müssen Curricula modernisieren, die Fachbereiche für die Ausbildung stärken und Lehre und Forschung zur Verbraucherbildung intensivieren“, formulierte sie in der Diskussionsrunde Handlungsbedarf für den systematischen Ausbau auch an anderen Schulen.

NRW-Verbraucherzentralenvorstand Wolfgang Schuldzinski stellte heraus, dass Schulen bei der Etablierung von Verbraucherbildung nicht auf sich allein gestellt seien: „Die Verbraucherzentrale NRW unterstützt Lehrkräfte vielfältig. Als anbieterunabhängiger Kooperationspartner bieten wir sowohl Unterrichtseinheiten als auch Konzepte an. Unsere Experten kommen auch selbst in die Schulen, um zum Beispiel Workshops zur richtigen Entsorgung von Elektroschrott oder zum Energiesparen anzubieten. Nicht zuletzt stehen Aktionen zum ‚Lebensmittelretter‘, zur Entdeckung der Welt der Lebensmittel oder zum Umgang mit Geld auf deren Stundenplan“, stellte er exemplarisch einige Angebote des außerschulischen Partners vor.

Gefragt, was die Schülerinnen und Schüler vom Lernen in Sachen Verbraucherbildung halten, zeigte der Daumen durch die Bank nach oben: „Welches Handy kaufe ich? – Wie komme ich mit dem Taschengeld aus? – Welche Tücken bergen soziale Netzwerke? – Macht Fast Food krank? – auf unsere alltäglichen Verbraucherfragen gibt es Antworten, wenn Verbraucherbildung auf dem Stundenplan steht“, strichen die Jugendlichen den praktischen Nutzwert mit Nachhaltigkeitseffekt heraus: „Was wir hier lernen, können wir ins Konsumentendasein von morgen übertragen, wenn wir mit unserem Einkommen auskommen oder uns selbst um gesunde Ernährung kümmern müssen.“