104. Internationaler Frauentag
Starke Frauen für Europa
Am vergangenen Samstag, 7. März, fand anlässlich des 104. Internationalen Frauentags ein feierlicher Empfang im großen Rathaussaal im Historischen Rathaus statt. In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto „Frauen in Europa“. Dem überwiegend weiblichen Publikum wurde von der Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn ein abwechslungsreiches Programm mit interessanten Gästen geboten.
Bürgermeister Michael Dreier nutzte in seiner Begrüßung die Gelegenheit, Frauen in Führungspositionen in den Fokus zu rücken und sich für eine Willkommenskultur für Flüchtlinge – insbesondere Frauen auf der Flucht - einzusetzen. Die Moderation der Auftaktveranstaltung übernahm Brigitte Büscher, die als Zuschaueranwältin des populären Polit-Talk „Hart aber fair“ in der ARD bekannt ist.
Dagmar Drüke, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Paderborn, unternahm einen Streifzug durch die Geschichte des Internationalen Frauentags. Sie ging auf einige bedeutende Ereignisse ein, wie die Aufnahme von Artikel 3 (Abs. 2 GG) „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in das Grundgesetz. Die Gleichstellungsbeauftragte machte aber auch auf Missstände in der heutigen Zeit aufmerksam. „Es sind immer noch viele Frauen in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen angestellt“, so Drüke. Armut sei nach wie vor weitestgehend ein weibliches Problem. „Nach 104 Jahren hat sich zwar einiges verändert, aber die Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen erfordert ein Umdenken aller hinsichtlich der Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen. Die Gleichberechtigung beruht auf der Gleichwertigkeit, die Andersartigkeit anerkennt“, schloss Dagmar Drüke ihren Vortrag über die unvollendete Geschichte des Internationalen Weltfrauentags.
Anschließend hielt Brigitte Triems, Diplom-Politikwissenschaftlerin und ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrates aus Berlin, einen Impulsvortrag über das Thema „Gleichstellung und Gleichberechtigung auf dem Verschiebebahnhof? – Erfolge und Herausforderungen deutscher Gleichstellungspolitik im Europäischen Kontext“. Triems nennt sich selbst eine überzeugte Europäerin. Sie ist der Meinung, dass bezüglich der Fraurolle in der Gesellschaft schon viel geschehen sei, aber jene Fortschritte gingen langsam, uneinheitlich und ungleichmäßig vonstatten. Anhand aussagekräftiger Statistiken stellte Triems die Situation der Frau in Deutschland im europäischen Vergleich in unterschiedlichen Kontexten dar. Beim Lohn und der Rentenlücke schneide Deutschland schlecht ab. Ebenso, wenn es um den Frauenanteil in Führungspositionen gehe, so Triems. Als schockierend empfindet die Berlinerin den Missstand, dass 26 EU-Staaten eine Richtlinie gegen Menschenhandel in ihre Gesetzgebung aufgenommen haben. „Nur zwei Länder in Europa haben dies nicht getan und eines davon ist Deutschland“, empörte sich Brigitte Triems.
„Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland alles in allem eine Position im Mittelfeld ein“, resümierte die Politikwissenschaftlerin.
In der anschließenden Diskussion stand ihr Ulrike Schulz, Juristin und Akademische Oberrätin a.D. der Universität Hagen, zur Seite. Die beiden Expertinnen diskutierten über die mittelmäßige Position Deutschlands im europäischen Vergleich. Nicole Millet-Freitag und Martina Stulken-Schlune aus Frankreich und Schweden bereicherten die Diskussion mit ihren Beiträgen über das System der Kinderbetreuung in ihren jeweiligen Ländern. „In Frankreich gibt es ein sehr viel flächendeckenderes System der Kinderbetreuung, welches durch Tagesmütter, die von den Eltern angestellt werden, gewährleistet werden kann“, so die Französin. Die Schwedin appellierte an eine größere Flexibilität in der Kinderbetreuung, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf um einiges vereinfachen würde.
Die Poetry-Slammerin Sarah Lau rüttelte die Gäste zum Ende hin mit ihrer Feststellung auf: „Ich wäre viel lieber ein Mann. Männer sind viel cooler“. Eine Erkennnis, die sie mit viel Ironie und Wortwitz ad absurdum führte. Der interkulturelle Paderborner Chor KlangKult begeisterte das Publikum mit Liedern aus verschiedenen Ländern. Im Anschluss konnten sich die Gäste beim Markt der Möglichkeiten an rund 26 Ständen unterschiedlicher Institutionen über verschiedene Angebote informieren. Parallel diskutierten im kleinen Sitzungssaal zahlreiche interessierte Frauen und Männer engagiert zum Thema Prostitution. Im Anschluss beschäftigten sich die Frauen mit Philosophinnen und erlebten einen Mitmachvortrag zum Thema Gesundheit und Achtsamkeit.