Sich mit dem Fremden vertraut machen

2. Jahreskonferenz zur Inklusion in Paderborn

© Stadt PaderbornJahreskonferenz Inklusion 2015, Linda van Rennings, Paderborn

„Wir sprechen zwar stets vom inklusiven Prozess, dabei ist Inklusion ein Zustand. Der gesellschaftliche Idealzustand, auf den wir uns hinbewegen wollen“. In seinem Grußwort zur zweiten Paderborner Inklusionskonferenz betonte der stellvertretende Bürgermeister Martin Pantke wie wichtig es sei, den inklusiven Gedanken in der Bevölkerung zu verankern.

Der gut besuchte Konferenzraum im Hotel Aspethera zeigte, dass das Thema Inklusion, die vollständige Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen, in Paderborn auf großes Interesse trifft. Im Mittelpunkt der zweiten Jahreskonferenz stand die Arbeit des Netzwerks „Mit Uns zum Wir“, das es sich vor einem Jahr zur Aufgabe gemacht hat, die Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention in Paderborn umzusetzen.

Zum Auftakt führte Rainer Schmidt die Konferenzteilnehmer auf humorvolle Weise in das Land der Inklusion. Unter dem Motto „Keine Hände – keine Langeweile“ zeigte der Pfarrer, Autor und Leistungssportler, der ohne Unterarme und mit einem verkürzten Oberschenkel geboren wurde, wie Inklusion funktionieren kann. Schmidt: „Inklusion ist die Kunst des Zusammenlebens von unterschiedlichen Menschen. Wir müssen in Berührung kommen und uns mit dem Fremden vertraut machen.“ Anhand zahlreicher Alltagsbeispiele machte er deutlich, dass man trotz körperlicher oder geistiger Behinderungen mitten im Leben stehen kann. „Es gibt keinen Menschen ohne Behinderung, jeder hat Grenzen. Ich kann zum Beispiel nicht Klavier spielen, dafür macht mir beim Tischtennis spielen keiner etwas vor“, so der Goldmedaillengewinner bei den Paralympics.

Im Anschluss stellte sich das Netzwerk selbst vor. In kurzen Vorträgen boten die Mitglieder Einblicke in die jeweiligen Handlungsfelder 1. Bildung, Jugendhilfe und Schule, 2. Freizeit, Kultur und Mobilität, 3. Bauen und Wohnen, 4. Arbeit, Ausbildung und Beschäftigung, 5. Dienstleistung und Kommunikation. Nach jedem Vortrag rief Moderator Dirk Kolo zu einer Fragerunde mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft auf, an der auch Martin Pantke und Wolfgang Walter, Beigeordneter der Stadt Paderborn teilnahmen.

Tenor der Podiumsdiskussion: Das Thema Inklusion ist in Paderborn angekommen, jedoch gibt es noch viele Aufgaben, die bewältigt werden müssen. So wiesen Miriam Ertel und Regina Schafmeister vom Handlungsfeld Arbeit, Ausbildung und Beschäftigung darauf hin, dass es bereits viele inklusive Betriebe in Paderborn gebe, die Vernetzung der Arbeitsmarktakteure jedoch noch eine große Herausforderung darstelle. Auch über Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, die Förderung von interkulturellen Kompetenzen sowie gemeinsames Lernen und bezahlbaren Wohnungsbau für alle wurde diskutiert. Zum Abschluss der zweiten Paderborner Inklusionskonferenz hatten noch einmal die Podiumsteilnehmer das Wort. Wolfgang Walter: „Wir sind auf unserem Weg zu einem inklusiven Paderborn schon ein gutes Stück vorangekommen. Ich danke allen, die dazu beigetragen haben und sich dafür weiterhin einsetzen.“