Die Königsplätze in neuem Blickwinkel
„Kunst und Stadt“ als offener Abend des Zwischennutzungsprojekts
Wie man auch vermeintliche „Unorte“ in neuem Licht betrachten kann, zeigten Boris Sieverts und Lisa Kuntze-Fechner am Mittwochabend im „Kulturraum Zwischenstand“ und im „Gewerbe 1“ an der Westernmauer 12. Im Rahmen des Zwischennutzungsprojekts Chancenräume Königsplätze lud die Stadt gemeinsam mit der freien Architektin Karin Hartmann, Projektkoordinatorin und Gründerin der Initiative Baukultur, Paderborn zu einem Vortrag mit anschließender Vernissage ein. Die Chancenräume Königsplätze haben das Ziel, temporäre Nutzungen für leerstehende Ladenflächen zu vermitteln.
Begrüßt wurden die Gäste von der Technischen Beigeordneten Claudia Warnecke, die betonte, wie wichtig es sei schon vor der Revitalisierung durch bauliche Maßnahmen für eine Belebung der von Leerstand betroffenen Bereiche der Königsplätze zu sorgen. „Die Königsplätze dürfen nicht nur als städtebauliches Problem begriffen werden, sondern müssen auch als Chancenraum betrachtet werden“, so die Technische Beigeordnete. Chancen, die sich zum Beispiel durch temporäre Zwischennutzungen bieten.
In seinem Fotovortrag nahm Boris Sieverts, Künstler an der Schnittstelle zwischen Architektur und Stadtplanung sowie Inhaber des Büro für Städtereisen aus Köln sein Publikum mit an die inneren Ränder von Städten wie Offenbach und Köln, stellte aber immer wieder den Bezug zu den Königsplätzen her. Mit einer gewissen Portion Humor führte er seine Zuhörer über die sogenannte Nord-Süd-Fahrt und den Bereich um die Domplatte in Köln bis in die Innenstadt nach Offenbach und wusste dabei allerhand Kuriositäten zu berichten. Auch wenn Boris Sieverts auf seinen Fotos nicht die attraktivsten Orte von Köln und Offenbach zeigte, so gelang es ihm doch den „Unorten“ immer noch etwas Interessantes oder sogar Schönes abzugewinnen. Der Vortrag wurde unterstützt durch die Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020.
Genau das funktionierte auch in der anschließenden Vernissage der Künstlerin Lisa Kuntze-Fechner. Mit ihren Skulpturen, alles Abdrücke und Nachbauten von Bauelementen der Königsplätze, gelingt es ihr auch an vermeintlichen „Unorten“ auf den Königsplätzen, die Schönheit der hier verwendeten Formen zu entdecken. So hat sie unter anderem Schrauben- und Lampenköpfe nachgebildet, Abdrücke von Gullideckeln und dem Pflaster genommen, teilweise verkleinert oder vergrößert und als Skulpturen ausgestellt. Abdrücke von dem Boden der Königsplätze hat sie an verschiedenen Stellen auf den Königsplätzen in die vorhandene Decke eingebaut. Durch ihre Arbeit eröffnet die Künstlerin einen neuen Blick auf die Königsplätze und hebt die skulpturale Schönheit der Plätze hervor.
Der offene Abend im „Kulturraum Zwischenstand“, organisiert vom gleichnamigen Verein in ehrenamtlichen Engagement und im benachbarten „Gewerbe 1“, ab April ebenfalls Projektraum des Fachs Kunst/Textil der Universität Paderborn, zeigte gleichzeitig wie Zwischennutzungen in der Praxis aussehen können. Beide Räume boten in einer charmant improvisierten Atmosphäre einen einladenden Rahmen zum Thema „Kunst und Stadt“.
Die Ausstellung von Lisa Kuntze-Fechner ist noch bis zum 30. April im Gewerbe 1 an der Westernmauer 12-16 von außen einsehbar. Am 12. und 26. April jeweils um 14 Uhr bietet die Künstlerin Stadtspaziergänge an. Treffpunkt ist der Ort der Ausstellung.