Europawoche 2015 im Zeichen der Flüchtlingspolitik

Vortrags- und Diskussionsveranstaltung

© Stadt PaderbornGruppenfoto, Lea Horstmann

Am Donnerstag, 7. Mai, fand anlässlich der Europawoche 2015 eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im Historischen Rathaus statt. Bürgermeister Michael Dreier empfing Uwe Erbel, der zu dem Thema „Flucht- und Fluchtursachen- Was kann europäische Politik in den Herkunftsländern bewirken?“ referierte.

Im Jahr 2015 hat die Europäische Union die Europawoche erstmals den Außenbeziehungen der EU und der Rolle Europas in der Welt gewidmet. Aus gegebenem Anlass begrüßte Bürgermeister Michael Dreier am Donnerstagabend viele Gäste aus den Bereichen Politik und Flüchtlingshilfe, um über das Thema „Flucht und Fluchtursachen“ zu diskutieren.

Er machte zunächst auf die verheerende Lage der Flüchtlinge auf der ganzen Welt aufmerksam. „1000 Menschen haben in den letzten Wochen ihr Leben lassen müssen“, zeigte er sich betroffen. Er lobte dennoch die große Willkommenskultur in der Stadt Paderborn und das große Engagement der Bürger, die in vielen Bereichen der Flüchtlingshilfe größtenteils ehrenamtlich helfen. „Ich bin froh, dass in Paderborn eine so große Hilfsbereitschaft herrscht“, so der Bürgermeister. „Aber jetzt ist es an der Zeit Lösungen zu finden.“

Zum Thema Lösungen in der Flüchtlingshilfe referierte anschließend Uwe Erbel, Geschäftsführer der interkulturellen Arbeitsstelle IBIS e.V. und Mitglied im Dachverband VIA e.V. Er sprach über die Möglichkeiten Europas hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik aus politischer Sicht in den Herkunftsländern etwas zu bewirken.

Zunächst machte Erbel auf die Gründe aufmerksam, aus denen Menschen sich gezwungen sehen aus ihren Heimatländern zu flüchten. Politische und religiöse Verfolgung, Diskriminierung und Diktaturen sind nur einige Gründe. Hinzu kommen noch ökonomische sowie ökologische Faktoren. Zu den letztgenannten zählt zum Beispiel der Klimawandel, der dazu führt, dass Land unfruchtbar wird und die Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren.

Des Weiteren gibt es Ursachen ökonomischen Ursprungs. „Billiges Fleisch oder sogar Abfallprodukte von Fleischwaren werden aus dem Ausland importiert und in den südlichen Ländern für 1 Euro verkauft. Die heimischen Bauern hingegen müssen 2 Euro für ihr Fleisch nehmen, damit sie ihren Lebensunterhalt finanzieren können, “ nannte Uwe Erbel nur eins der vielen Probleme. Auch Kleiderspenden, die in Deutschland abgegeben werden, führen in den Flüchtlingsländern zu Problemen, so Erbel weiter. „Die Menschen werfen ihre Kleider hier mit gutem Gewissen in die Altkleidersammlung, nicht ahnend, dass sie in den betroffenen Ländern für wenig Geld weiter verkauft werden und so den heimischen Textilhändlern schaden.“

Auch politische Abkommen, wie das Lomé- und das Cotonou-Abkommen, haben in dieser Hinsicht kaum zur Besserung der Lage geführt. Durch das Abtreten der Einfuhrzölle ist es noch einfacher, billige Ware in die AKP-Staaten zu exportieren.

Erbel gab einige Lösungsvorschläge. Unter anderem solle man sein eigenes Konsumverhalten kritisch überdenken sowie kleinteilige Projekte, wie Fair Trade- Angebote, unterstützen. Überdies sei es wichtig legale Zugangswege nach Europa zu schaffen. Diese gäbe es bis dato kaum und Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen, müssten sich zunächst strafbar machen, in dem sie die Grenzen unerlaubt übertreten, machte Erbel deutlich.

Im Anschluss an den Vortrag fand eine Diskussion mit den Gästen statt in der sich Bürgermeister Dreier und auch Uwe Erbel den Beiträgen der Zuhörer stellten.