Zeit zum Innehalten

Bei der Gedenkstunde am Mahnmal Busdorfwall geht es auch um die Anschläge von Paris

© Stadt PaderbornVolkstrauertag
© Stadt PaderbornVolkstrauertag

Die Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Mahnmal Busdorfwall in Paderborn stand am Sonntagvormittag zunächst ganz im Zeichen der Terroranschläge von Paris. „Bestürzt und fassungslos sind wir mit den Terroranschlägen von Freitagnacht in Paris konfrontiert“, sagte Pfarrer Markus Hentschel an die Teilnehmer der Gedenkstunde gewandt. „Menschen, die nichts Schlimmes ahnten, Menschen, die ihr Leben genießen, mit anderen feiern und Musik hören wollten“ seien „jäh ermordet“ und „sinnlos und mit bösartigem Kalkül aus dem Leben gerissen“ worden, so Pfarrer Hentschel, ehe er mit eindringlichen Worten appellierte: „Es gehört sich, jetzt Worte der Trauer und des Mitleids mit den Angehörigen zu finden und es ist richtig, innezuhalten und den Schrecken und das Erschrecken nicht gleich wieder mit politischen Kommentaren und Forderungen und Parolen zu überdecken.“

Anschließend leitete Hentschel über: vom Krieg, der Freitagnacht „auch in unserer Nähe gewütet hat“ zum Zweiten Weltkrieg. Er las einen Auszug aus dem Tagebuch des jüdischen Jungens Dawid Rubinowics. Dieser hatte im Mai 1942 unter anderem den Abtransport seines Vaters zur Zwangsarbeit beschrieben, ehe seinem Leben noch im selben Jahr ein Ende gesetzt wurde. „An der Stelle des gewaltsamen Nichts des ungelebten Lebens der Juden steht unbeschreibliche Trauer, ohne Bild, ohne Wort, ohne Musik, ohne Ausdruck“, meinte Hentschel. Keine Trauer eines Volkstrauertages lasse sich mit dieser unbeschreiblichen Trauer vergleichen. Warum so viele Juden sterben mussten, dafür könne kein menschlich nachvollziehbarer Grund angegeben werden. Pfarrer Hentschel warf zudem die Frage auf, was Volkstrauertag angesichts gegenwärtiger Kriege mit deutscher Beteiligung bedeute. „Hört das Erschrecken über den Zweiten Weltkrieg allmählich auf?“

Nach der Kranzniederlegung am Mahnmal wandte sich auch Bürgermeister Michael Dreier an die Anwesenden. „Wir sind unendlich traurig“, sagte er. „Die feigen Anschläge von Paris galten uns allen. Sie treffen uns alle, unsere Werte, unseren Frieden.“ Der Terror dürfe nicht siegen, so der Bürgermeister weiter. „Wir sind in tiefer Trauer über die Opfer und das Attentat von Paris und bekunden unsere Solidarität mit dem französischen Volk.“ Wichtig sei es, trotz aller Angst weiterzuleben. „Wir müssen weiter Menschen willkommen heißen, weiter mutig sein, weiter Mensch sein“, appellierte Dreier.

Abschließend bedankte er sich bei allen, die an der Organisation und Durchführung der Gedenkstunde beteiligt waren. Darunter auch die Bläsergruppe der städtischen Musikschule, der Paderborner Frauenchor und Toni Baumhoer, der die Veranstaltung seit vielen Jahren vorbereitet.