LIBORIUS PONTIFEX - Wer war Liborius von Le Mans?
Festvortrag der Liborius-Gesellschaft und Empfang der Stadt Paderborn zum Herbstliborifest
am Samstag, 29. Oktober, im Historischen Rathaus
Mit Spannung erwartet wird der diesjährige Festvortrag zu Herbstlibori, in dem die neuesten Forschungsergebnisse zur historischen Person des spätantiken Bischofs Liborius von Le Mans präsentiert werden. Anhand von zahlreichen Bildern und der Vorstellung der ältesten Handschriften über Liborius wird das Lebensbild des Liborius, der im 4. und 5. Jahrhundert Bischof im heute westfranzösischen Le Mans war, lebhaft nachgezeichnet. Der Festredner Prof. Dr. Volker de Vry wird zudem mit Hilfe moderner Medientechnik die Zuhörer direkt zu den Schauplätzen nach Le Mans mitnehmen, was große Spannung erwarten lässt.
De Vry hatte in den Jahren 1993 bis 1997 an der Universität Freiburg das Gesamtkorpus der mittelal-terlichen Handschriften über Liborius zusammengestellt. Mittlerweile sind 220 Handschriften in allen Teilen Europas und Nordamerikas bekannt, die Einzelheiten über das Leben und die Überführung der Reliquien des Liborius von Le Mans nach Paderborn berichten. „Die Spurensuche ist Albtraum und Sucht zugleich“, so de Vry, der immer wieder auf neue Texte stößt. „Selbst die amerikanischen For-scher in Harvard sprechen von einem einzigen literarischen Abenteuer der Liboriustexte. Man muss die Geschichte des Bistums Le Mans und des Bistums Paderborn vom 4. bis zum 15. Jahrhundert sehr genau kennen“, so de Vry. „In diesen Zeiträumen sind die Texte über Liborius quer durch Europa gewandert. Und so findet man sie auch“.
Aber nicht nur den Texten, sondern auch der Grabeskirche des Liborius ist der Festvortrag in beson-derem Maße gewidmet. Dort, wo 836 die Reliquien vollständig erhoben wurden und kurz darauf nach Paderborn übertragen wurden, ruhte der ganze Leib des Liborius über 400 Jahre, ehe die Exhumie-rung erfolgte. Der rechte Arm blieb in Le Mans und gilt heute als verschollen, die Grabeskirche wurde in Folge der Französischen Revolution abgerissen, um den Kaianlagen der Sarthe Platz zu machen. Bislang blieb auch der Sarkophag des Liborius verschollen; der Ort, auf dem heute moderne Wohnblocks stehen, gilt als geheimnisumwitterte Nekropole der Bischöfe von Le Mans.
Über 80 Jahre alt und mit einem Pontifikat von fast 50 Jahren starb Liborius mit hohem Fieber. Die Exequien fanden in der älteren Bischofskirche statt; die heutige berühmte Kathedrale gab es noch gar nicht, denn Le Mans war quasi eine römische Stadt mit Tempeln, Thermen und Amphi-Theatern. Aber bereits am Tage seiner Beisetzung fanden erste Wunderheilungen statt, die sich bis auf den heutigen Tag fortgesetzt haben.
Ob Liborius vielleicht Schüler des hl. Augustinus von Hippo und somit auch in Nordafrika tätig war, wird de Vry in seinem Vortrag ebenso aufzeigen wie seine gallo-römische Herkunft und die Bedeutung seines keltischen Namens, den er mit Hilfe der Universität Helsinki erforscht hat.
Der Eintritt zum Vortrag ist frei; daran anschließend findet der feierliche und ebenfalls öffentliche Festempfang der Stadt Paderborn zum Herbstliborifest statt.