Von Geheimsprache und Tierprozessen

Gelungener Auftakt der 7. Paderborner Wissenschaftstage

© Stadt PaderbornWissenschaftstage, Nathalie Köster, Rathaus Paderborn
© Stadt PaderbornWissenschaftstage, Nathalie Köster, Rathaus Paderborn

Über 80 Gäste waren der Einladung von Paderborns stellvertretenden Bürgermeister Martin Pantke gefolgt. Im vollbesetzten großen Saal des historischen Rathauses erlebten sie die Eröffnung der siebten Paderborner Wissenschaftstage mit einem „Science Slam“. Angelehnt an die bekannten „Poetry Slams“, ging es im Rathaus ausschließlich um das Thema Wissenschaft. Drei „Slammer“ aus Paderborn und Münster traten in einem Wissenswettstreit gegeneinander an und versuchten das Publikum von ihrem Thema zu überzeugen.

Außer Konkurrenz trat Martin Pantke selbst an: Gemeinsam mit Friedrich Sertürner, der leidenschaftlich von Theaterschauspieler Max Rohland dargestellt wurde, stellte er die Erfindung des Morphins dar. Wissenschaft „in leichten Happen“ bestimmte den kurzweiligen Abend. In einer Fragenrunde mit Simone Probst, Vizepräsidentin Universität Paderborn, Dr. Kurt Beiersdörfer, Geschäftsführer Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF), und Martin Pantke wurde deutlich, dass sich die drei Institutionen Universität, HNF und Stadt, über die gelungene und „einzigartige Kooperation“ freuen. Bereits zum siebten Mal zeigten die Paderborner Wissenschaftstage, dass Wissenschaft nicht langweilig ist.

Wie spannend, geheimnisvoll und auch kurios sie sein kann, bewiesen die drei „Slammer“. So erfuhr das Publikum zum Beispiel von Sebstian Huncke, dass „am 12. August im Jahr des Herrn 1520“ einigen Holzwürmern der Prozess gemacht werden sollte. Sie hatten, unglücklicherweise, genau den Kirchenstuhl angefressen, auf dem der Bischof platz nehmen sollte. Da der Stuhl diese gewichtige Person nun nicht mehr tragen konnte, stürzte er samt Bischof ein. Dieser schlug sich den Kopf an und war „seit diesem Tage an dem Blödsinn verfallen“. Grund genug für die Bürger von Mamirolle den Würmern den Prozess zu machen, inklusive Pflichtverteidiger selbstverständlich.

Einer ganz anderen Art der Wissenschaft widmete sich Christiane Licht. Um sich selbst für die nächste Hauptrolle im neuen James Bond zu empfehlen, beschäftigte sie sich mit „Kryptographie und Musik“ und entwickelte ihre eigene Geheimsprache, die eine Wissenschaft für sich ist. Sie analysierte welche Noten in vielen tausend Musikstücken am häufigsten vorkommen, setze diese gleich mit den am häufigsten vorkommenden Buchstaben in deutschen Worten und komponierte so ein ganz eigenes Musikstück. Zum Beweis, wie unentschlüsselbar ihre Geheimsprache ist, spielte sie „Paderborner Wissenschaftstage“ auf ihrer Klarinette – was tatsächlich keiner im Publikum erkennen konnte.

Johannes Pauly schlüpfte gleich in zwei Rollen. „Igor“ und sein „Meister“ versuchten Nano-Stränge herzustellen und holten sich damit den zweiten Platz. Zum besten „Wissenschaftler des Abends“ wählte das Publikum Sebastian Huncke. Sieger waren am Ende aber vor allem das Publikum und die Wissenschaft. Viele Besucher des Abends zog es am Familiensonntag an die Fürstenallee wo sich erstmals alle Aktivitäten der Wissenschaftstage konzentrierten. Zentral und an einem Ort wurde vom Gebäude der Zukunftsmeile über die FHDW und das bib International College bis zum HNF und dem Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn ein buntes Programm zum Mitmachen, Forschen und Staunen geboten. Paderborn hat auch bei der siebten Auflage wieder einmal gezeigt, dass Wissenschaft spannend und vor allem abwechslungsreich ist.