Sammlung von Hermann C. Halemeier ergänzt Bestand
Vereinsüberlieferung des Stadtarchivs Paderborn um bedeutenden Zugang reicher
Im Februar 1936 gründete sich im Hotel Westfälischer Hof in der Westernstraße der Verein für Briefmarkenkunde Paderborn. Die Geschichte des Vereins ist nun im Stadtarchiv Paderborn nachlesbar: Elfriede Halemeier, Witwe des langjährigen Geschäftsführers und letzten Vereinsvorsitzenden des Vereins, Hermann C. Halemeier, hat das Schriftgut der Briefmarkenfreunde dem Stadtarchiv zur dauernden Aufbewahrung überlassen.
Das Briefmarkensammeln ist heute etwas aus der Mode bekommen, war aber vor allem bis zum Ende der 1980er Jahre sehr beliebt: Während die Mädchen auf den Schulhöfen Einträge für ihre Poesiealben sammelten, tauschten die Jungen Briefmarken. Und manch einer professionalisierte seine Leidenschaft. Spätestens mit Aufkommen der elektronischen Post per E-Mail, SMS und WhatsApp kam das Schreiben von Karten und Briefen immer mehr aus der Mode, das Selfie ersetzt heute die Urlaubskarte, Briefmarken werden (fast) überflüssig.
Der Verein für Briefmarkenkunde Paderborn hatte seine Hoch- und Tiefphasen, die sich in der sechsbändigen Chronik nachvollziehen lassen. Seine höchste Mitgliederzahl hatte er vor der Währungsreform im Juni 1948 mit 72; ein Großverein war er also nie. Aber ein aktiver, wovon nicht nur die große Postwertzeichen-Ausstellung im Juli 1986 in der Paderhalle zeugt. Neben den Chronikbänden enthält die Vereinsüberlieferung unter anderem Protokolle, Schriftwechsel, Urkunden und Entwürfe, Stempel und Vereinsnadeln. Im Oktober 2009 beschlossen die letzten Mitglieder, den Verein zum 31. Dezember 2010 aufzulösen.
Hermann C. Halemeier, geboren am 26. März 1930, wurde bereits 1943 als Schüler Mitglied bei den Briefmarkenkundlern. Ab 1952 übernahm er Verantwortung im Vorstand, war lange Jahre unter anderem Geschäftsführer und ab 1973 bis zur Auflösung Vorsitzender. Er starb am 14. September 2011. Neben seiner Vereinstätigkeit hatte Halemeier eigene Sammlungen aufgebaut, die sich rund um die Postgeschichte drehten: Ansichtskarten, Briefumschläge mit besonderen Poststempeln, Notgeld, zur Geschichte des Sennelagers und vieles mehr.
Wie er selbst 1986 in der Festschrift zum 50-jährigen Vereinsjubiläum schrieb, galten ihm wie jedem Fachmann nicht nur die unmittelbaren Sammlungsstücke aufbewahrenswert, sondern alle im Sammlungskontext wichtigen Belege. Postgeschichtlich wären dies zum Beispiel auch Postrouten-Verzeichnisse, Landkarten aller Epochen oder Fahrpläne. Dabei vertrat er den Standpunkt – und da sind ihm die Archivare sehr nahe und dankbar: „Nur ordentliche Belege sind ausstellungsreif. Keineswegs sollte man alte Landkarten alben- und seitengerecht zurechtschneiden.“ Auch diese akkurat angelegten privaten Sammlungen gehören nun zu den städtischen Beständen.
„Die Überlieferung des Vereins für Briefmarkenkunde Paderborn und die postgeschichtliche Sammlung Halemeiers ergänzen ganz wunderbar die Vereinsüberlieferungen des Stadtarchivs“, freut sich der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs, Jonas Eberhardt. Und die Ansichtskartensammlung kommt gerade rechtzeitig für die im Juli 2016 geplante Ausstellung und den zugehörigen Band 8 der Reihe „Paderborn in historischen Fotografien“ über – historische Ansichtskarten.