Gemeinsamer Weg von Christen und Juden

Woche der Brüderlichkeit mit Festakt im Rathaus beendet

© Stadt PaderbornWoche der Brüderlichkeit

Zu welchem Handeln und Denken Staaten und Privatpersonen im Namen Gottes fähig sind und zu welchem Handeln und Denken sie sich hinreißen lassen – darüber und vieles mehr machten sich zahlreiche Akteure bei der Woche der Brüderlichkeit Gedanken. Die Veranstaltung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Paderborn stand in diesem Jahr unter dem Motto „Um Gottes Willen“ und fand am Sonntag bei einem Festakt im Paderborner Rathaus ihren Abschluss.

Die Woche der Brüderlichkeit stehe für den gemeinsamen Weg von Christen und Juden, sagte Bürgermeister Michael Dreier an die Gäste gewandt. „Sie ist auch ein deutliches Signal gegen jede Form von Antisemitismus in unserer Gesellschaft und sie ist Mahnung zur Wahrung von Freiheit und Demokratie“, machte er deutlich und stellte einen aktuellen Bezug her: Gerade sei die Gesellschaft in der Flüchtlingskrise gefordert. „Glücklicherweise erleben wir in unserer Stadt eine Willkommenskultur“, sagte Dreier, wies gleichzeitig aber auch darauf hin, dass „mit denjenigen, die neu zu uns kommen“, auch die Herausforderung wachse, ein friedliches und tolerantes gemeinschaftliches Leben zu bewahren. „Das trifft auch auf das gemeinschaftliche Leben von Religionen zu. Die Werte, für die sich die Gemeinschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit bereits seit Jahrzehnten einsetzt, sind also aktueller denn je.“

Prof. Dr. Agnes Wuckelt von der Katholischen Hochschule NRW machte sich in ihrer Ansprache Gedanken über den Willen Gottes und wie er sich erkennen lässt. Sie stellte fest, dass es letztlich nur eine einzige Forderung Gottes an die Menschen gebe: dass sie sich lieben und nicht unmenschlich, sondern menschlich seien. „Das ist eine Forderung, die im Grunde mit unserem Menschsein mitgegeben ist und sich bereits mit unserer natürlichen Vernunft erkennen lässt“, sagte Wuckelt. Hamideh Mohagheghi, islamische Theologin aus Paderborn, sprach unter anderem darüber, was gegen zum Teil extreme Ideologien und religiösen Extremismus zu tun sei. „Es gibt keine Alternative zur Begegnung und zum Dialog“, machte sie deutlich. Dabei gehe es nicht nur um den Dialog zwischen den einzelnen Religionen, sondern um einen Dialog „zwischen allen, die das Leben wertschätzen, Respekt vor der Schöpfung haben und an der Menschlichkeit festhalten. Es geht um einen Dialog mit Empathie und Verstand, auch und gerade aufgrund des religiösen Denkens.“

Einen abschließenden Beitrag zum Motto „Um Gottes Willen“ lieferten nach einer Diskussion, an der neben Wuckelt und Mohagheghi auch der Rabbiner Baruch Babaev aus Dortmund teilgenommen hatte, die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Schloß Neuhaus.