Geflüchtete lernen schwimmen

Kooperationsprojekt der städtischen Koordinierungsstelle für Flüchtlingsangelegenheiten und der DLRG

© Stadt PaderbornSchwimmkurs für Geflüchtete

Die Angst vor dem Wasser ist überwunden: Einen zehnwöchigen Anfängerschwimmkurs haben Asylbewerber aus der Stadt Paderborn vor kurzem erfolgreich abgeschlossen. Die Idee für das Projekt entstand bereits vor einiger Zeit, da viele Asylbewerber nicht schwimmen können.

Die Statistik der Unfälle mit tödlichem Ausgang in deutschen Gewässern belegt den Bedarf solcher Kurse. Allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2016 stieg die Zahl der Ertrunkenen um zwölf Prozent - unter den 425 Menschen waren laut DLRG 56 Asylbewerber.

Der Anfängerschwimmkurs kam bei den Teilnehmern sehr gut an. "Die Flüchtlinge waren sehr engagiert dabei, das Schwimmtraining machte ihnen viel Freude“, sagte Nicole Glawe-Miersch, Hauptverantwortliche und technische Leiterin des Bereichs Schwimmen der DLRG Paderborn.

Erfahrungen hatte das Team rund um Nicole Glawe-Miersch bereits bei einem Schwimmkurs für Flüchtlingskinder gesammelt. "Ein Anfängerschwimmkurs für Erwachsene ist allerdings nicht mit einem Kinderkurs zu vergleichen", sagte Glawe-Miersch. Pädagogisch und didaktisch müsse ganz anders gearbeitet werden – Ängste im oder vor dem Wasser seien bei Erwachsenen oft viel schwerer zu bearbeiten als bei Kindern. "Innerhalb der Gruppe der geflüchteten Erwachsenen hatten wir zum Teil mit ganz tiefgreifenden Ängsten zu tun, da wir Teilnehmer dabei hatten, die einen Teil ihrer Flucht in einem Schlauchboot über das Mittelmeer vollzogen hatten. Auch uns als professionellen Helfern fällt es schwer, sich in so eine Situation hineinzuversetzen", berichtete Glawe-Miersch.

Umso größer waren der Stolz und die Freude bei Teilnehmern und Ausbildern, dass am Ende beachtliche Fortschritte und Leistungen erzielt wurden. Die Kursteilnehmer haben den Schwimmkurs mit einem offiziellen Schwimmabzeichen beendet.

Verena Kopp, Leitung der Koordinierungsstelle für Flüchtlingsangelegenheiten der Stadt Paderborn, organisierte den Schwimmkurs in Kooperation mit der DLRG. Sie ist froh, dass das Kooperationsprojekt zustande gekommen und der Kurs erfolgreich verlaufen ist. „Schwimmen ist eine wichtige Freizeit- und Sportaktivität in Deutschland, die Teilnehmer haben somit auch einen Schritt in Richtung Integration getätigt und sich eine wichtige Teilhabemöglichkeit in der Gesellschaft ermöglicht.“ Irina Hartmann-Talhof, Mitarbeiterin der Koordinierungsstelle, begleitete unter anderem die Abschlussveranstaltung und zeigte sich begeistert vom Engagement der DLRG. Ein reger Austausch zwischen Geflüchteten, Schwimmtrainern und Schwimmtrainerinnen fand am vergangenen Sonntag statt.

Finanziert wurde der Schwimmkurs durch den Zusammenschluss „Neue Nachbarn“. Hinter diesem Titel stehen verschiedene Akteure: Caritas, Diakonie Paderborn-Höxter e.V., das Sozialdezernat der Stadt Paderborn vertreten durch den Dezernenten Wolfgang Walter sowie die städtische Koordinierungsstelle für Flüchtlingsangelegenheiten.