Sieger und Besiegte

Themenreihe: "Briten in Westfalen in zehn Objekten"

© Stadt PaderbornSieger und Besiegte - Helm aus dem Feuerwehrmuseum Hameln-Pyrmont , Ines Hoischen
© Stadt PaderbornSieger und Besiegte - Ritterfigur von Owen Smart , Ines Hoischen

Am 20. Oktober startet im Stadtmuseum am Abdinghof die Ausstellung "Briten in Westfalen". Einen ersten Eindruck können sich Interessierte bereits jetzt verschaffen: Unter dem Titel "Briten in Westfalen in zehn Objekten" werden nach und nach Objekte aus den fünf Themenbereichen der Ausstellung vorgestellt. Zu Beginn sind dies zwei Objekte aus dem Bereich „Sieger und Besiegte“, in dem es um die Beziehungen zwischen Briten und Deutschen während der Besatzungszeit geht. Hauptschwerpunkte des Bereichs sind die Entnazifizierung und Demokratisierung, die Demontagen und Beschlagnahmungen privater Wohnhäuser sowie der politische Wandel von Besatzungs- zu Stationierungstruppen.

Die Ritterfigur, die Dr. Bettina Blum, Leiterin des Ausstellungsprojekts, den Besuchern demnächst präsentieren wird, gehörte Owen Smart und wurde von seinem Neffen Günther Müller für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Wo genau die Ritterfigur produziert wurde, ist nicht bekannt. Owen Smart hat sie wahrscheinlich in Nienburg gekauft oder hat sie geschenkt bekommen.

Diese Figur stellt ein Andenken an die Besatzungszeit dar. Die Besatzungsangehörigen in Deutschland und später auch viele Soldaten haben nicht nur ihren Job gemacht – es war für viele auch eine persönlich wichtige Zeit. Sie erkundeten das Land, lernten eine neue Sprache, fanden vielleicht sogar Freunde oder Lebenspartnerinnen und Lebenspartner. Für viele war es ein Abenteuer, eine persönliche Herausforderung, und es war für sie wichtig, Dinge zu haben, die sie daran erinnern. Der Ritter ist ein ganz besonderes Andenken: Auf dem Wappen ist die Besatzungszonenkarte abgebildet, wobei die Funktion an sich in einer Spieluhr und einem Feuerzeug besteht.

Andenken wie dieser Ritter wurden von den Besatzungs- und Stationierungsangehörigen über all die Umzüge hinweg mitgenommen. Einige Erinnerungsstücke wurden zur Familie nach Großbritannien geschickt mit dem Hinweis, wie mit ihnen umgegangen werden soll. In der Ausstellung können sich Besucherinnen und Besucher unter anderem verschiedene solcher Erinnerungsstücke anschauen.

Gleichzeitig leitet die Ritterfigur in den letzten Themenbereich der Ausstellung, „Was bleibt?“, ein. Was blieb für Owen Smart aus seiner Zeit als Soldat in der Besatzungsarmee? Unter seinen Erinnerungsstücken findet sich dieser Ritter, der, wie es oft der Fall ist, an die nächste Generation weitergegeben wurde. Für seinen Neffen Günther Müller nahm er einen prominenten Platz ein: Er stand stets im Schrank und wurde dort von ihm ehrfürchtig bestaunt.

Ein weiteres Ausstellungstück aus dem Bereich „Sieger und Besiegte“ ist ein Helm aus dem Feuerwehrmuseum Hameln-Pyrmont. Das Museum hat ihn von der Freiwilligen Feuerwehr Oldendorf bekommen, es ist allerdings nicht bekannt, wem der Helm gehörte.

Der Helm steht für die britischen – und allgemein westalliierten – Besatzungsziele, für Entnazifizierung, Dezentralisierung, Demokratisierung und für die Demilitarisierung.
Ende 1938 wurde die Feuerwehr in die Ordnungspolizei eingegliedert und dem Reichsführer SS und dem Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler unterstellt. Sie war also zentral und militärisch ausgerichtet: Sie war Teil des NS-Gewaltsystems.

Im Jahr 1945 organisierten die Briten, wie alle Alliierten, die Polizei und Feuerwehr als zentrales Sicherheitsorgan neu und bauten sie auf dezentraler, also kommunaler Basis als demokratische und zivile Organisationen neu auf. Dabei wurden auch Ausstattungsgegenstände übernommen und „entnazifiziert“, also zum Beispiel Hakenkreuze oder andere Symbole entfernt.

Der abgebildete Helm stammt aus der Zeit vor 1945. Er wurde neu beschriftet und damit neu definiert. Mit der Aufschrift „Civil fire service“ wurde auch nach außen hin ganz klar gemacht, dass der Charakter der Organisation ein anderer geworden ist. Woher das Einschussloch stammt, ist nicht bekannt.