Nahverkehrsarchivalien in städtischer Hand vereint

PaderSprinter GmbH übergibt Akten an das Stadt- und Kreisarchiv Paderborn

© Stadt PaderbornÜbergabe der PESAG-Archivalien, Ines Hoischen
© Stadt- und Kreisarchiv PaderbornWesterntor 1958
© Stadt- und Kreisarchiv PaderbornEine ungewöhnliche Perspektive
© Stadt- und Kreisarchiv Paderborn1970 am Kamp

Im Stadt- und Kreisarchiv kommt zusammen, was zusammen gehört: Die PaderSprinter GmbH hat ihre Unterlagen aus der Firmengeschichte an das Archiv übergeben. In den Magazinen des Paderborner Archivs finden sich damit nun alle relevanten und überlieferten Archivalien zur Paderborner Nahverkehrsgeschichte, denn erst kürzlich hatte die Westfalen Weser Energie GmbH dem Archiv ebenfalls Akten überlassen. Wie an den Aktenbezeichnungen ersichtlich ist, bildeten diese Unterlagen einst zusammen mit denen der PaderSprinter GmbH einen gemeinsamen Bestand, nämlich den der PESAG.

Die nun übergebenen Archivalien bestehen aus teils historischen Fachzeitschriften und Fahrplänen der PESAG und der K.V.G. Wittekind (1925-1976) und aus etlichen Fotos und Akten, wie die über die Strecke der Westfälischen Landes-Eisenbahn Wiedenbrück-Sennelager (1924-1959). Andere Archivalien erzählen bis jetzt eher unbekannte Geschichten, wie die des Versuchs der PESAG Anfang der 1980er-Jahre zum bevorstehenden Jubiläum einen alten Straßenbahntriebwagen als Denkmal in der Nähe der Herz-Jesu-Kirche aufzustellen, denn schließlich war das Westerntor eine Straßenbahnkreuzung, die auch heute noch auf etlichen älteren Fotos beeindruckt.

Nach einiger Suche wurden die Verantwortlichen, durch Vermittlung des „Volkseigenen Außenhandelsbetrieb der DDR; Schienenfahrzeuge Export-Import“ in Berlin, beim VEB Nahverkehr in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, fündig. Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße: Während der Triebwagen aus dem Jahr 1929 überschaubare 10.000 D-Mark kosten sollte, verlangte der VEB Nahverkehr Karl-Marx-Stadt 105.000 D-Mark für die technische Aufbereitung und Lackierung. Das war der PESAG zu teuer. Um nicht gänzlich ohne ein greifbares Geschichtsdokument aus der Straßenbahnzeit dazustehen, erwarb die PESAG schließlich Anfang der 1990er-Jahre bei einem Modellbaubetrieb in Hennef/Sieg ein handgefertigtes Modell eines Triebwagens, dessen Vorbild aus dem Jahr 1921 stammte und welches im frisch erweiterten Betriebshof an der Barkhauser Straße zur Freude von Gästen und Mitarbeitern aufgestellt wurde. Dies ist nur eine der zahlreichen Geschichten aus dem Paderborner Nahverkehr, die sich nun im Stadt- und Kreisarchiv recherchieren lässt.

Eine kleine Sensation sind außerdem die Fotos, die in zwei Aktenordnern überliefert sind, sowie dazugehörende Negative und Glasplatten. Sie zeigen Paderborner Straßenbahnen und Busse zu allen Zeiten und in allen Lebenslagen, dokumentieren aber auch besondere Situationen wie Unfälle oder den Abbau der Straßenbahnschienen.

Vor dem Modelltriebwagen auf dem Betriebshof an der Barkhauser Straße, wurden die PESAG-Archivalien von Udo Fröhlich und René Möller vom PaderSprinter im Beisein des I. Beigeordneten Carsten Venherm an Jonas Eberhardt und Wilhelm Grabe vom Stadt- und Kreisarchiv Paderborn weitergereicht.