Neues Residenzmuseum eröffnet

Schlossräume sind jetzt für die Öffentlichkeit zugänglich

© Stadt PaderbornResidenzmuseum, Katharina Multhaupt
© Stadt PaderbornResidenzmuseum, Katharina Multhaupt
© Stadt PaderbornResidenzmuseum, Katharina Multhaupt

Das neue Residenzmuseum in Schloß Neuhaus hat am vergangenen Samstag erstmals nach der Umgestaltung seine Pforten für die Besucher geöffnet. Diese dürfen sich nicht nur auf eine aussagekräftige Ausstellung im einstigen Remter des Schlosses freuen: Auch die in der Regierungszeit von Clemens August geschaffenen Repräsentationsräume in der „belle Etage“ sind nun dauerhaft und nicht nur zu besonderen Anlässen für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie wurden sorgsam restauriert und dokumentieren das Selbstverständnis der fürstbischöflichen Herrschaft.

„Die Eröffnung des Residenzmuseums ist der vorletzte Schlussstein zur Neuordnung der Museumslandschaft“, freut sich Carsten Venherm, I. Beigeordneter und Kulturdezernent der Stadt Paderborn, mit Blick auf die geplante Eröffnung des neuen Stadtmuseums am Abdinghof im Oktober. Lange sei um die beste Lösung für das Residenzmuseum gerungen worden – mit Erfolg. „Wir haben es völlig neu erfunden“, sagt Venherm.

Während im Remter die Baugeschichte des vormals fürstbischöflichen Renaissance-Schlosses anhand von Bauspolien, Modellen und Plänen thematisiert wird, werden in den historischen Räumen im Obergeschoss Aspekte der fürstbischöflichen Herrschaft und Repräsentation in kulturgeschichtlicher Perspektive gezeigt. „Nur noch wenige Innenräume sind überhaupt als Schlossräume erlebbar“, sagt Museumsleiter Dr. Andreas Neuwöhner. „Sie wurden herausgeputzt und sind mit einem Leitsystem versehen, das den jeweiligen Raum erklärt.“

Ein „Glücksfall“ für das Museum seien die Bruchstücke aus dem Schlossgraben, die Hans-Joachim Nachtmann von 1980 bis 1993 in großer Zahl geborgen habe. Auch wenn die Überlieferung lückenhaft ist: Die Fundstücke dokumentieren eindrucksvoll das Alltagsleben im Schloss vom Mittelalter bis in die Moderne. Ralf Mahytka hat die archäologischen Funde ausgewertet und die Ausstellungsabteilung kuratiert.

Damit auch Kinder beim Besuch des Residenzmuseums auf ihre Kosten kommen, gibt es insgesamt neun Mitmachstationen, die von Museumspädagogin Dagmar Gorny entwickelt wurden. Diese laden ein, sich in die Rolle von Gärtnern, Malern oder Architekten am Hof des 16. bis 18. Jahrhunderts zu versetzen. Neuwöhner erklärt: „Wir haben versucht, in jedem Raum einen spielerischen Anknüpfungspunkt zu schaffen und hoffen natürlich auf viele junge Besucher.“ Michael Pavlicic, Paderborner Ratsherr und stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung, ist positiv gestimmt. Das Schloss sei durch die Neuordnung der Museumslandschaft maßgeblich aufgewertet worden, meint er. „Ich denke, dass das Öffnen des Schlosses für die Allgemeinheit sehr gut angenommen werden wird.“

Für die Neuordnung der Paderborner Museumslandschaft stehen rund 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Mit 418.000 Euro unterstützt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das Vorhaben. „Wir begrüßen die Neuordnung sehr“, sagt Dr. Ulrike Gilhaus, Leiterin des LWL-Museumsamtes für Westfalen. Mit Blick auf das Residenzmuseum habe Paderborn eine „optimale Lösung“ gefunden.

Übergreifend wird im Residenzmuseum ebenso wie im geplanten Stadtmuseum am Abdinghof die Frage nach der gesellschaftlichen Identität gestellt. Dabei stehen sich die Paderborner Stadtgeschichte prägenden Pole „Stadt“ und „Residenz“ gegenüber.

Der Eintritt für das Residenzmuseum beträgt 2,50 Euro. Kinder bis 12 Jahre besuchen die Ausstellung kostenlos.