Ort der Begegnung
Bilanz nach 8 Wochen „Briten in Westfalen“ im Stadtmuseum
Seit dem 20. Oktober ist die Ausstellung „Briten in Westfalen“ im Stadtmuseum Paderborn für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Interessierte bekommen einen Einblick in das Leben der in Westfalen stationierten Briten und ebenso in die deutsche Sicht auf das Zusammenleben mit den britischen Gästen. Nach 8 Wochen zieht Projektleiterin Dr. Bettina Blum nun eine Zwischenbilanz.
Bisher besuchten fast 4000 Besucherinnen und Besucher die Ausstellung. Sie kommen zum großen Teil aus Paderborn und der Region OWL, aber aus anderen Teilen Westfalens, dem Rheinland, aus anderen Bundesländern und aus Großbritannien.
„Immer wieder erzählen uns Besucher bei Führungen, dass die Ausstellung der Anlass für einen Paderborn-Besuch war“, so Blum.
Die zeitgeschichtliche Ausstellung im Stadtmuseum gibt Einblicke in das Leben der seit über 70 Jahren in Westfalen stationierten britischen Familien. So finden sie beispielsweise Andenken, Kleidung, sowie Fotografien und Kinderbücher unter den Ausstellungsstücken. Sogar ein Brautpaar und das Cockpit eines „Harriers“, ein sogenannter Senkrechtstarter sind zu sehen. In der Ausstellung wird eindrucksvoll dargestellt, wie die britischen Familien ihren Alltag meistern, wo sich Deutsche und Briten begegneten und wie Militärfamilien in Westfalen lebten.
Die zweisprachige Ausstellung hat viele deutsche und britische Gäste. Jetzt zur Weihnachtszeit kommen viele britische Familienangehörige nach Paderborn, um die hier stationierten Familien zu besuchen. Gemeinsam besuchen sie dann die Ausstellung und schwelgen in Erinnerungen. Aber auch viele Deutsche finden in der Ausstellung ihre Erinnerungen an britische Nachbarn oder Vereinskollegen wieder, an gemeinsame Feiern oder Theaterbesuche. Viele Besucher erkennen sich auf Fotos oder erkennen Dinge und ihren (früheren) Alltag wieder.
Ein Vater schrieb, dass seine Kinder es nicht glauben konnten, dass ihre Schultaschen in einer Museumsausstellung zu sehen seien.
Ein anderer Besucher konnte noch viel zur Sowjetischen Militärmission berichten – er hatte sogar die Situation eines Zeitungsartikels wiedererkannt, der in der Ausstellung zu sehen ist.
„Das Besondere an der Ausstellung ist, dass über 200 Menschen – Deutsche und Briten daran mitgewirkt haben, Erinnerungen, Fotos und Objekte zur Verfügung gestellt haben, und über die Rückmeldungen in der Ausstellung auch weiter daran mitwirken. Es ist eine lebendige Ausstellung, die sich weiterentwickelt und stetig wächst. In den letzten Wochen sind noch ein paar Objekte hinzugekommen, die über die Jahreswende einen Platz in den Kisten finden werden“, erzählt Bettina Blum.
Aber auch für Deutsche, die keine bewussten Erinnerungen an Briten in Westfalen haben ist die Ausstellung sehenswert, weil sie einen Blick in eine fremde Welt eröffnet. Paderbornerinnen und Paderborner können einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Kasernenmauern werfen, an denen sie sonst nur vorbeilaufen konnten.
Immer wieder kommen Besucher während der Führungen miteinander ins Gespräch und tauschen sich über ihre eigenen Erfahrungen aus. „Diese Möglichkeit versuchen wir immer wieder aktiv zu fördern, beispielsweise durch eine anschließende „Tea-Time“ mit britischem Gebäck und Tee oder durch deutsch-britische Führungen“, so Blum. Die Ausstellung sei zu einem Ort des Austauschs und der Begegnung geworden, freut sich die Projektleiterin. Es gehe darum, dass Menschen eine andere Sichtweise kennenlernen und darüber miteinander ins Gespräch kommen.
Die Ausstellung endet mit der Frage: „Was bleibt?“ Was erinnern wir von der gemeinsamen Zeit, mit welchen Erinnerungen gehen Briten und bleiben Deutsche zurück? Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des 41 Army Education Centre stellten im letzten Jahr in einem Patchwork dar, was Deutschland für sie bedeutete. Dieses Patchwork ist jetzt in der Ausstellung zu sehen und kann dazu anregen, über die eigenen Wahrnehmungen nachzudenken. Eine freie Kiste bietet die Möglichkeit, Erinnerungen und Stellungnahmen aufzuschreiben und in den Kistendeckel zu pinnen. Viele Gäste nutzen diese Möglichkeit, und so gibt es schon eine große Sammlung an deutsch- und englischsprachigen Karten. Viele erinnern sich an positive Erlebnisse, sprechen Freundinnen und Freunden Dank aus und diskutieren die Frage, was erhalten bleiben sollte. Andere Karten drücken aber auch kritische Gefühle aus, berichten von schweren Zeiten und Ängsten. Damit möchte das Ausstellungsteam zur Diskussion einladen.
Die zeitgeschichtliche Ausstellung „Briten in Westfalen“ ist noch bis zum 28. Februar im Paderborner Stadtmuseum zu sehen. Anschließend wird sie zu einer Wanderausstellung umgewandelt. Diese wird allerdings verkleinert und ohne die großen Exponate wie den „Harrier“ oder das bekannte Wohnzimmer zu sehen sein.