Wanderausstellung“Neue Lebe(r)n?!“

Kulturstrolche besuchten Ausstellung im städtischen Einwohneramt

© Stadt Paderborn

Durch die besondere Initiative eines Schülers der Kulturstrolcheklasse der Grundschule Sande konnte die Wanderausstellung „Neue Leber(r)n“ für einige Wochen in das Einwohneramt Paderborn einziehen.

Vor mehr als zwei Jahren wurde Joshua als Notfall in die Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover eingewiesen, da seine Leber plötzlich versagte. Nach mehrtägigem Bangen konnte dort sein Leben durch die Transplantation einer Spenderleber gerettet werden. Damit ist er eines von über 700 Kindern, die seit 1972 an der MHH lebertransplantiert wurden.
Während der vielen Wochen seiner Genesung auf der Station der pädiatrischen Gastroenterologie und Hepatologie der Klinik half ihm ein großes Team von Ärzten, Krankenschwestern und Therapeuten.
So lernte er die Erzieherin und Künstlerin Christiane Konietzny kennen, deren durch Spenden finanzierte Arbeit als Spieltherapeutin auf der Station und in der Ambulanz der Abteilung darin besteht, Kinder und Jugendliche, die lebertransplantiert sind oder auf eine neue Leber warten, aufzuklären und sie bei der Verarbeitung ihrer Erfahrungen mit der medizinischen Versorgung und der Erkrankung zu unterstützen. Sie half ihm, seine Vorstellungen vom Inneren des Körpers in einer Skulptur auszudrücken.

Joshuas Werk und die Zeichnungen und Kollagen von 20 lebertransplantierten Kindern und Jugendlichen zwischen vier und siebzehn Jahren zum selben Thema sowie elf Fotografien aus der Arbeit „Für | Sorge – Über die Eltern lebertransplantierter Kinder“des Kölner Fotografen Thomas Morsch fasste Frau Konietzny zu der von ihr organisierten Wanderausstellung „Neue Lebe(r)n?!“ zusammen.

„Überwiegt an einem Tag noch die Freude darüber, dass es dem Kind gut geht, kann es am darauffolgenden Tag wieder zu großer Sorge kommen,“ so beschreibt Thomas Morsch - selbst als Kleinkind an der MHH lebertransplantiert - die Situation von Eltern lebertransplantierter Kinder. „Angst wechselt sich mit enormer Freude ab und Verzweiflung mit großer Erleichterung.“
Die Lebertransplantation ist eine lebensrettende Maßnahme, jedoch keine Heilung. Zeitlebens braucht es eine engmaschige medizinische Überwachung und medikamentöse Behandlung, erläutert Christiane Konietzny.

Joshua, der ansonsten heute wieder ein ganz normales Leben führen kann, besucht mit seiner Kulturstrolcheklasse immer wieder Ausstellungen und die unterschiedlichen Kultureinrichtungen in Paderborn. So lag es für ihn nahe, „seine“ Ausstellung nach Paderborn zu holen. Und er stellt sogar zwei Werke aus, denn unter der Anleitung der Kunstlehrerin Frau Otto an der Sander Grundschule beteiligte sich Joshuas Klasse mit einer großen Mappe, gefüllt mit Bildern und Texten ebenfalls zu dem Thema: „Ein Blick in meinen Körper – So stelle ich mir das Innere meines Körpers/meiner Organe vor.“

Die Kulturstrolche besuchten jetzt die Ausstellung im Einwohnermeldeamt und erörterten mit Christiane Konietzny viele Fragen über die Organtransplantation, Frau Konietznys spieltherapeutische Arbeit an der medizinischen Hochschule Hannover und über die Bilder der Ausstellung. Ein weiteres spannendes Erlebnis für die Kulturstrolche.