"Wir verneigen uns vor euch"
Beim Neujahrsempfang lobte Bürgermeister Michael Dreier den Einsatz der britischen Streitkräfte
"Wir sind stolz auf die britischen Freunde und verneigen uns vor euch." Mit diesen Worten dankte Bürgermeister Michael Dreier den britischen Streitkräften für ihren Einsatz. Mit lang anhaltendem Applaus schlossen sich mehr als 200 Gäste des Neujahrsempfangs im Paderborner Rathaus diesem Dank an. Beeindruckt von dieser Geste waren Brigadier Ian Bell, Befehlshaber der britischen Streitkräfte in Deutschland, und Brigadier Mike Elviss, Kommandeur der britischen 20th Armoured Infantry Brigade. Beide waren Festredner des Empfangs am Sonntagabend und trugen maßgeblich dazu bei, dass dieser Abend ein Zeugnis für das gute und herzliche Verhältnis wurde, das sich in Paderborn zwischen den britischen Streitkräften und den deutschen Gastgebern entwickelt hat.
Die beiden britischen Militärs trugen sich am Ende des Neujahrsempfangs ins Goldene Buch der Stadt Paderborn ein.
Es sei wichtig, "zu Ihrer Gemeinschaft zu gehören und zusammenzuarbeiten, bis wir Deutschland verlassen", hatte Ian Bell unterstrichen. "Obwohl wir Deutschland verlassen werden, hat das Land immer einen festen Platz in unserem Herzen", betonte der Befehlshaber der britischen Streitkräfte in Deutschland. Bell dankte ausdrücklich der Stadt Paderborn für die große Unterstützung und die tolle Gastfreundschaft, mit der die Menschen hier den britischen Soldaten begegnet seien.
Als einen für ihn sehr besonderen Platz bezeichnete Mike Elviss Paderborn. Hier sei sein Sohn geboren, hier fühle er sich wohl. Elviss, der zum dritten Mal in Paderborn stationiert ist, ging auf die Ausbildung und die Einsätze der 20th Armoured Infantry Brigade ein. Man habe jetzt die Vorbereitungen in der Senne abgeschlossen und sei gemeinsam mit anderen als Speerspitze der NATO bei verschiedenen Einsätzen tätig. In diesem Jahr gebe es viel zu tun, aber man sei für die anstehenden Aufgaben gut gerüstet.
Zuvor hatte Bürgermeister Michael Dreier in seiner Begrüßung ein Fazit des vergangenen Jahres gezogen und einen Ausblick auf dieses Jahr gegeben. Zu Beginn ging er dabei auf die jüngsten Terroranschläge ein. "Zu dem unvorstellbaren Leid, das der Terror in den letzten Jahren und leider auch bereits in diesem Jahr über Angehörige der Toten und Verletzten, über Berlin, Istanbul und so viele weitere Städte in der ganzen Welt gebracht hat, stellt sich eine große Solidarität", so Dreier.
Es sei das Gefühl der Verbundenheit, das Trost und Mut gebe, damit man das neue Jahr nicht voller Angst und Sorge beginne, sondern auch in dem Bewusstsein, Teil einer solidarischen Gemeinschaft zu sein, die gemeinsam für ihre Werte einstehe. Eine Gemeinschaft, die lebensbejahend, selbstbewusst, selbstbestimmt, offen und frei sei, so Dreier.
Mehr als 150.000 Einwohner, 22.000 Studierende an allen Hochschulen und mit unter sieben Prozent die geringste Arbeitslosigkeit seit 23 Jahren - das sei Paderborn an der Schwelle des neuen Jahres. Diese drei markanten Kennzahlen stünden eindrucksvoll für die positive Entwicklung der Stadt. "Diese positive Entwicklung zu bewahren und unsere hohe Lebensqualität in die Zukunft zu sichern, ist für mich Auftrag allen städtischen Handelns. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten", bekräftigte Dreier.
Wie groß die Bereitschaft zum gemeinschaftlichen Handeln in Paderborn sei, habe zuletzt der Umgang mit einer der bedeutendsten Herausforderungen der deutschen Nachkriegsgeschichte gezeigt: Rund 650 Personen engagierten sich aktuell ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Allen ehrenamtlichen Helfern gebühre an dieser Stelle besonderer Dank. Die Stadt Paderborn wäre ohne ehrenamtliches Engagement nicht dort, wo sie heute sei.
Jeder Mensch, der aus Not und Elend, aus Krieg und Zerstörung zu uns komme und unsere Hilfe erhalte, müsse bereit sein, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren, so der Bürgermeister. Im Zusammenhang mit der aktuellen Sicherheitsdiskussion dankte Dreier Landrat Manfred Müller für die gute Zusammenarbeit und sprach sich für einen Ausbau der Videoüberwachung aus.
Rückblickend auf 2016 streifte der Bürgermeister zunächst die Kultur. Auf sein Kulturprogramm könne Paderborn stolz sein. Im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Paderborner Museumslandschaft sei Ende Juni das neue Kunstmuseum im Marstall eröffnet worden.
Neben den regelmäßig stattfindenden kulturellen Höhepunkten wie zum Beispiel dem Theaterfest, der Museumsnacht, der Performance oder musica sacra, um nur einige zu nennen, habe das Jahr 2016 mit dem Kabarett-Festival rund um die Verleihung des Salzburger Stiers einen herausragenden kulturellen Leckerbissen geboten.
Einen weiteren Höhepunkt mit wissenschaftlichem Schwerpunkt stellte der Bundeswettbewerb "Jugend forscht" im HNF dar.
Dreier blickte auch auf das Neuhäuser Jubiläum zurück. Dabei dankte er dem Team “1000 Jahre Schloß Neuhaus“, stellvertretend Michael Pavlicic und Markus Mertens, sowie allen beteiligten Vereinen, Verbänden, Schulen und Kindergärten. Dieses besondere Jahr habe Schloß Neuhaus geprägt und für die Zukunft stark gemacht.
Auch 2017 biete wieder kulturelle Highlights, die aus dem Rahmen fallen: den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ im Juni, den Bundeswettbewerb „Jugend tanzt“ im Mai.
Anlässlich des „goldenen Jubiläums“ der Städte Le Mans und Paderborn finde im Sommer eine Ausstellung zur Städtepartnerschaft statt. Mit Gästen aus Le Mans und allen Partnerstädten werde in einem festlichen Rahmen im Rathaus in der Liboriwoche das langjährige Bestehen einer Partnerschaft gefeiert, die immer wieder auch als die älteste Städtefreundschaft Europas bezeichnet werde.
Auf die Rolle Paderborns als Wirtschaftsstandort in Zeiten der Digitalisierung ging Dreier ausführlich ein. Er nannte die Neuausrichtung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und das Projekt "garage33" als Schwerpunkte.
Mit dem Projekt „garage33“ im Technologiepark wollen die Stadt Paderborn, die Universität und der Verein „Paderborn überzeugt“ Paderborn zu einem Top-Standort für technologieorientierte Gründungen und junge High-Tech-Wachstumsunternehmen entwickeln. Dreier ging auf die besondere Rolle der Universität ein. Er nannte das jüngste Institut der Fraunhofer-Gesellschaft als Beleg für die gute Kooperation zwischen Wissenschaft und Industrie.
Neben der Universität sei die breit aufgestellte Bildungs- und Schullandschaft das Pfund, mit dem die Stadt wuchern könne. Paderborn investiere weiterhin in die Schaffung bester Rahmenbedingungen, allein in den Bereichen Schule und Sport stellte die Stadt 2016 über 14 Millionen Euro zur Verfügung. Auch im kommenden Jahr sei das wieder der Fall.
Das Wohl der Jüngsten liege der Stadt sehr am Herzen. Deshalb werden in diesem Jahr 3,2 Millionen in die städtischen Kindertageseinrichtungen investiert.
Dreier ging auch auf die Unterbringung der Stadtverwaltung ein. Der Rat habe sich für das von der Verwaltung vorgeschlagene Konzept ausgesprochen, das eine starke Konzentration des Bürgerservice am Abdinghof vorsehe und gleichzeitig den Ankauf des Hoppenhofs.
Es sei seine feste Überzeugung, dass der Rat gut und richtig entschieden habe, die Bürgerserviceleistungen in der Innenstadt mit Nähe zum Rathaus in einem identitätsstiftenden und deutlich wahrnehmbaren Gebäude zu bündeln. Das stärke auch die gesamte Innenstadt und den Einzelhandel.
"Wir haben 2016 gemeinsam viel erreicht, wir haben aber auch noch viel vor für das Jahr 2017", so Dreiers Fazit.
Für die musikalische Umrahmung des Empfangs sorgten Fiona Schröder und Kersten Ulrich.